Zukunft der EU Blair bläst zum Angriff gegen Ukip

Der frühere britische Premier bricht sein Schweigen. Mit scharfen Worten warnt Tony Blair die britischen Parteien davor, der rechtspopulistischen Ukip nachzulaufen. Gegen Nigel Farage gebe es nur ein Mittel: Angriff.

Britischer Expremier Tony Blair: "Ukip ist reaktionär"
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Britischer Expremier Tony Blair: "Ukip ist reaktionär"

Von , London


Während des gesamten Europawahlkampfs hatte er geschwiegen. Eine Einmischung, fürchtete Tony Blair, könnte kontraproduktiv sein, weil sein Ruf in der Heimat seit dem Irakkrieg hoffnungslos ramponiert ist.

Der Wahlsieg der Anti-EU-Partei Ukip scheint ihn jedoch zum Umdenken bewegt zu haben. In einem Interview im BBC-Radio meldete sich der frühere Premierminister am Dienstagmorgen mit deutlichen Worten zurück.

Die Labour-Partei müsse an ihrer einwanderungsfreundlichen Europapolitik festhalten, forderte der Sozialdemokrat. Man habe gesehen, dass es den Konservativen von Premier David Cameron nicht geholfen habe, die EU-Gegner zu imitieren. Blair warnte seinen Nachfolger Ed Miliband, den gleichen Fehler zu begehen. Wenn Labour Ukip nachlaufe, stifte das Verwirrung bei den Anhängern und bringe keine zusätzlichen Stimmen.

Gegen die Rechtspopulisten gebe es nur ein Mittel, sagte der frühere Premier. Die etablierten Parteien müssten klar Position beziehen. Es gebe gute Argumente gegen Ukip, man müsse aber auch hinausgehen und sie vertreten. Blair spricht aus Erfahrung: In seiner Zeit als Regierungschef von 1997 bis 2007 hatte er selbst mit Ukip-Chef Nigel Farage zu tun.

Ukip-Credo: "Halt die Welt an, ich will hier raus"

Farages Partei, die den Austritt Großbritanniens aus der EU fordert, war bei der Europawahl mit knapp 28 Prozent stärkste Partei geworden. Nervöse Politiker von Tories und Labour fordern nun, auf die Ukip-Wähler zuzugehen und die Einwanderung aus der EU zu beschränken.

Blair hält dies für grundfalsch. Die Einstellung von Ukip sei "Halt die Welt an, ich will hier raus", sagte der überzeugte Pro-Europäer. Eine Abschottung führe nicht zu wirtschaftlichem Wohlstand oder mehr britischem Einfluss in der Welt. Ukips Forderungen seien "regressiv und reaktionär" und würden die Probleme Großbritanniens nur verschlimmern. Wenn man bei Ukip hinter die Fassade schaue, erkenne man "etwas Fieses und Unangenehmes".

Blairs Ex-Minister John Hutton und Alan Milburn schrieben in einem Gastbeitrag in der "Times", dass die etablierten Parteien stärker die Vorteile der Einwanderung herausstellen müssten. Eine jährliche Nettoeinwanderung von 250.000 erhöhe die britische Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent. Das Regierungsziel, die Nettoeinwanderung auf unter 100.000 im Jahr zu drücken, könne den Aufschwung gefährden.



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insgesamt 10 Beiträge
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Mario V. 27.05.2014
1. wirtschaftlicher Wohlstand
Zitat: "Eine Abschottung führe nicht zu wirtschaftlichem Wohlstand" Die Politik der letzten Jahre aber offensichtlich auch nicht, sonst gäbe es nicht immer mehr Europa-Gegner.
kioto 27.05.2014
2. GB wird sich EU Austritt gut überlegen
Hallo, Nach einem Austritt aus der EU würde GB in die Bedeutungslosigkeit versinken und allenfalls noch als Flugzeugträger und Spionagestützpunkt der USA dienen. Die verbleibende Rest-EU würde weiter nach Osten driften und dadurch nicht an Bedeutung verlieren. Deshalb werden sich selbst die totalen EU Gegner in GB diesen Schritt gut überlegen. Wenn sich inzwischen Schottland als unabhängig erklärenen sollte und ev. in der EU bliebe, dann Gute Nacht, GB. Ausserdem müsste die Queen auf eine Menge Geld verzichten, ist sie doch eine der größten Agrar-Subventionsempfänger der EU, noch vor Thurn-und Taxis.
derBob 27.05.2014
3. Versuchkaninchen
Lasst uns doch die Inselbewohner als "guinea pig" nutzen. Lasst sie austreten und wir schauen was passiert. Funktioniert die "splendid isolation" nicht mehr (was ich vermute) haben sich nur die Briten die Finger verbrannt. Geht's dereren Wirtschaft danach besser, können wir immer noch nachziehen. Also Brits to the front
g.schwollner-beitl 27.05.2014
4. Eher nicht, denn
"If you don't sit at the table, you may be on the menue", Und das werden sie sich, genau wie die Schweizer, nochmal gründlich überlegen.
whocaresbutyou 27.05.2014
5. mal zwei Ecken weiter denken ist heute nicht mehr opportun...
Zitat von Mario V.Zitat: "Eine Abschottung führe nicht zu wirtschaftlichem Wohlstand" Die Politik der letzten Jahre aber offensichtlich auch nicht, sonst gäbe es nicht immer mehr Europa-Gegner.
Seit wann ist denn das dien Zahl der Gegner ein Maßstab für eine bessere Alternative? Gerade in Deutschland ist "dagegen" ja sehr verbreitet. Fragt man dann mal nach gangbaren Alternativen gibt`s hauptsächlich halbgare Ideologien ohne tragfähiges Fundament. Jedes Land bewegt sich in einem dichten Geflecht aus Beziehungen, Verträgen, Verpflichtungen, sowie sozialer und wirtschaftlicher Erfordernisse, die es in ihrer Gesamtheit zu betrachten gilt. "einfach mal dies oder jenes" ist da eben einfach nicht. Klar kann man in England auf den Finanzplatz London schielen, aber sollten die Briten aus der EU austreten (was der EU vermutlich besser bekommen würde, als den Briten), würden sie irgendwann feststellen, dass sie auf einer echt zugigen Insel sitzen und dass ausländische Banken kein labbriges Brot backen können.
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