Erstes Unterhausmandat für Rechtspopulisten Ukip demütigt Camerons Tories

Die britischen Rechtspopulisten haben bei einer Nachwahl ihr erstes Unterhausmandat errungen. Ukip-Chef Farage freute sich über den historischen Durchbruch, Premier Cameron fürchtet um sein Amt.

Hat gut lachen: Ukip-Kandidat Douglas Carswell (l.)
REUTERS

Hat gut lachen: Ukip-Kandidat Douglas Carswell (l.)


Auf dieses Geschenk hätte David Cameron verzichten können. Der britische Premierminister feierte am Donnerstag seinen 48. Geburtstag, und im englischen Badeort Clacton-on-Sea holte die rechtspopulistische Ukip ihr erstes Unterhausmandat.

Mit 60 Prozent siegte der Ukip-Kandidat Douglas Carswell bei der Nachwahl deutlich gegen seinen konservativen Rivalen Giles Watling. Carswell hatte den Wahlkreis bereits seit 2005 für die Tories vertreten. Im August hatte der EU-Gegner seinen Austritt aus der konservativen Partei erklärt und war zu Ukip übergelaufen. Zugleich hatte er sein Mandat niedergelegt und so die Nachwahl ausgelöst.

Clacton ist nur einer von 650 Wahlkreisen in Großbritannien, doch die symbolische Bedeutung des Ukip-Sieges ist gewaltig. Zum ersten Mal seit ihrer Gründung vor 21 Jahren hat die Anti-EU-Partei ein Unterhausmandat errungen. Das galt bis vor Kurzem noch als nahezu unmöglich, weil das britische Mehrheitswahlrecht kleine Parteien systematisch benachteiligt. Ukip-Chef Nigel Farage gratulierte hochzufrieden seinem neuen Mann in Westminster.

Labour hält Ukip stand

In einer weiteren Nachwahl im nordenglischen Wahlkreis Heywood und Middleton bei Manchester blieb Ukip am Donnerstag ein Sieg verwehrt. Die Labour-Kandidatin siegte knapp. Die Schlagzeilen galten jedoch dem Durchbruch in Clacton: Nach dem ersten Platz bei der Europawahl im Mai und zahlreichen Kommunalwahlerfolgen können die EU-Gegner nun ihren nächsten Triumph feiern - den Einzug ins nationale Parlament.

Ukip profitierte allerdings von einigen besonderen Umständen: Der 43-jährige Carswell trat mit dem Amtsbonus des Abgeordneten an und war wegen seiner kumpelhaften Art auch persönlich sehr beliebt. Hinzu kam die günstige Demografie in dem heruntergekommenen Badeort: Kaum Einwanderer, viele Niedriglöhner, viele Rentner. Diese Faktoren machten den Erfolg der Rechtspopulisten aus Sicht der Wahlforscher so gut wie sicher.

Die Konservativen von Premier Cameron redeten sich ein, dass Carswell ein Einzelfall bleiben werde. Doch bringt die Konkurrenz von rechts den Tory-Wahlkampf vor der Unterhauswahl im Mai 2015 gehörig durcheinander.

Tories fürchten zweites Ukip-Mandat

Mit Bangen blickt die Regierungspartei der nächsten Nachwahl entgegen. Bereits im November tritt im Wahlkreis Rochester und Strood ein zweiter Überläufer gegen seine alte Partei an: Mark Reckless, von 2010 bis vor wenigen Wochen Tory-Unterhausabgeordneter, will seinen Sitz unter dem Ukip-Banner wiedererobern. Seine Chancen werden nicht so gut eingeschätzt wie Carswells, doch ist laut Umfragen ein Sieg durchaus möglich.

Sollte Reckless den Erfolg Carswells wiederholen, dürften einige Tories in Panik geraten. Dann ist mit weiteren Überläufern zu rechnen. Cameron müsste wenige Monate vor der Unterhauswahl gegen den Eindruck kämpfen, die Ratten verließen das sinkende Schiff.

Der Premier hatte seine Parteifreunde auf dem Parteitag in Birmingham vergangene Woche eindringlich daran erinnert, dass jede Stimme für Ukip den Einzug seines Labour-Rivalen Ed Miliband in die Downing Street wahrscheinlicher mache. Wer mit Nigel Farage ins Bett gehe, wache am nächsten Morgen mit Premierminister Miliband auf, hatte er gesagt.

Inhaltlich versucht Cameron, die Abwanderung der Konservativen zu Ukip zu stoppen, indem er selbst seinen Ton gegen Europas Institutionen verschärft. In Birmingham kündigte er an, die Freizügigkeit in der EU einzuschränken und den Einfluss des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu beschneiden. Kritiker werfen dem Premier vor, dass diese Rhetorik letztlich nur Ukip nütze.



insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tao chatai 10.10.2014
1. NO Brainer
nachdem die EU die Vertraege zu TTIP unterschrieben hat und das UK (daher Name UKIP) tritt aus der EU aus,sind alle TTIP Vertraege die auch so schon die EU knebeln aber weiterhin bindend fuers UK. Farage als UKIP Vordenker, bringt also das UK und vor allem die Menschen die fuer ihn und UKIP waehlen in die schlechteste Lage denkbar!
alicewunder 10.10.2014
2. Das Proletariat
Ich zitiere: "Kaum Einwanderer, viele Niedriglöhner, viele Rentner. Diese Faktoren machten den Erfolg der Rechtspopulisten aus Sicht der Wahlforscher so gut wie sicher." Das ist ja praktisch das pure Proletariat. Wie verblendet die Leute dort sind kann man daran sehen, das Carswell über 21000 Stimmen holte und die gute alte Medien-und Arbeiter-Partei Labour nur 3900. Also Niedriglöhner und Rentner scheinen nicht mehr exakt das Zielpublikum von Labour zu sein. Die Liberalen, bekannt als glühende EU-Liebhaber und Koalitionspartner von Cameron kamen auf etwas über 400 Stimmen. Die Grünen auf über 800. Immerhin.
kenslcp 10.10.2014
3.
TOYOTA humiliate the English as the common communicate lan,by enhance the japanese position,the way is,1,if you speak English,you must be made derisive by them,in TOYOTA company there is culture discrimination,only JAPAN IS THE SOLY ,other culture will be deteriorated,esp.ENGLISH, IT want use money the engage more people to take japanese even though it is not really needed at all,in other words,japanese is saturation in reality,but its real purpose is to let more people to use it and gradrually replace Enlish to become the world leader in culture at first,then in politics in next step.this is the headline what i found and get the point.
chopperreidhere 10.10.2014
4. Pfui
Immer diese Niedriglöhner! Wollen die doch tatsächlich ihren alten Lebensstandard wieder haben. Was fällt denen ein.;-)
ronald1952 10.10.2014
5. Das ist leider immer das einzige, um was Politiker
aller Länder Angst haben nähmlich um den Verlust ihres Amtes, damit verbunden die Macht und natürlich der Pfründe am großen Trog.Es kommt nicht von Ungefähr das es Weltweit immer mehr Menschen gibt die Rechts oder Links sind. die gesunde Mitte und damit die Demokratie scheint auf dem Rückzug zu sein! Die Frage warum kann sich jeder selbst stellen, angefangen von der Wahlfaulheit über Politker die von allem eine Ahnung haben ,nur von Politk nicht und die sich einen Dreck dafür intressieren was in ihrem eigenen Land oder Europa eigendlich passiert, ausser das man diese Herrschaften im TV sieht und ihre immer öffteren Dummen Äusserungen hören muss. Demokratie muss man sehr sehr Pflegen und sehr darauf achten, daß sie nicht aus dem Gleichgewicht gerät.Aber das erfordert Inteligenz über die so viele Politiker leider nicht verfügen, den meisten langt es wohl schon gehört zu werden, ob es Sinnvoll ist was sie von sich geben oder nicht und so bekommen die Populisten ob Rechts oder Links mit ihren immer gleichen Sprüchen immer mehr Gehör,wahrscheinlich weil deren Sprüche so einfach klingen,so gut ins Ohr gehen und diese Herrschaften immer und an jedem Ort einen Schuldigen präsentieren können. Einer hat ja immer Schuld wenn etwas schief geht! Vielleicht sollten wir mal die Schuld bei uns Wählern selbst suchen, denn es sind unsere Stimmen die diese Politiker aller Richtungen an dei Macht bringen. schönen Tag noch,
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.