Großbritannien und Frankreich Abschreckung light

Für Großbritannien und Frankreich ist der Besitz von Atomwaffen eine Frage des Nationalstolzes - beide wollen auch künftig nicht auf eine eigene Abschreckung verzichten. Aus Kostengründen wird das Arsenal aber wohl weiter schrumpfen.

Britisches Atom-U-Boot "HMS Astute": Maximal 48 Sprengköpfe an Bord
REUTERS

Britisches Atom-U-Boot "HMS Astute": Maximal 48 Sprengköpfe an Bord

Von , London


Frankreich und Großbritannien zählen zu den Kleinen im Club der fünf offiziellen Atommächte. Die französische Force de Frappe verfügt über geschätzte 300 Atomsprengköpfe, die britische Royal Navy über rund 160. Beide haben eine Flotte aus vier Atom-U-Booten, von denen eins ständig auf See ist. Paris unterhält zusätzlich auch noch vier Flugzeuggeschwader mit Atomraketen, drei an Land und eins auf dem Flugzeugträger "Charles de Gaulle".

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben beide Länder ihr Arsenal erheblich geschrumpft. Die Produktion von waffenfähigem Plutonium wurde eingestellt. Großbritannien schaffte sämtliche Atomwaffen in der Armee und der Luftwaffe ab.

In der aktuellen Abrüstungsdebatte spielen London und Paris keine zentrale Rolle. Sie verweisen darauf, dass zunächst die USA und Russland auf ihr Niveau herunterrüsten sollten, bevor sie selbst weiteren Handlungsbedarf sehen. Beide wollen ihre Atomwaffen nicht vollständig aufgeben und halten eine eigene Rund-um-die-Uhr-Abschreckung für unverzichtbar. Auf beiden Seiten des Ärmelkanals wird bereits an der Nachfolgegeneration zu den derzeitigen Waffensystemen gearbeitet.

Die angespannte Haushaltslage führt jedoch dazu, dass über weitere Einschränkungen nachgedacht wird. Der britische Premier Gordon Brown erklärte vergangenen September vor der Uno, dass Großbritannien künftig mit drei statt vier Atom-U-Booten auskommen wolle. Die französische Regierung hat Großbritannien angeboten, dass man sich die Abschreckung auf See künftig auch teilen könne. Dieser Vorschlag gilt unter Experten als zukunftsweisend, wird in London jedoch bislang abgelehnt.

Eine europäische Zusammenarbeit wird auch dadurch erschwert, dass das britische Atomprogramm seit Jahrzehnten eng mit dem amerikanischen verwoben ist. Die Trident-II-Raketen, die auf den britischen U-Booten eingesetzt werden, sind in einem gemeinsamen Pool in Kings Bay im US-Bundesstaat Georgia gelagert.

Die beiden europäischen Atommächte in Fakten:

Frankreich:

300 Atomsprengköpfe

4 U-Boote der Le-Triomphant-Klasse, stationiert auf der Ile Longue in der Bretagne. Jedes trägt bis zu 16 M45-Raketen, bestückt mit je sechs Sprengköpfen.

Das neueste U-Boot, ab 2010 in Betrieb, ist mit M51-Langstreckenraketen ausgerüstet (Reichweite 9000 Kilometer).

3 Fluggeschwader mit je 20 Mirage 2000N, stationiert in Istres, Luxeil-Les-Bains und Saint-Dizier. Bewaffnet sind sie mit einer Luft-Boden-Rakete (ASMP) mit 300 Kilometer Reichweite.

20 Jagdbomber vom Typ Super Étendard auf dem Flugzeugträger Charles de Gaulle

Großbritannien:

160 Atomsprengköpfe

4 U-Boote der Vanguard-Klasse, stationiert im schottischen Faslane. Jedes trägt bis zu 16 Trident-II-Raketen (Reichweite 10.000 Kilometer), maximal sind 48 Atomsprengköpfe an Bord.

16 unterirdische Bunker zur Atomwaffenlagerung in Coulport bei Faslane - Entwicklung und Bau der Sprengköpfe durch das Atomic Weapons Establishment (AWE) im englischen Aldermaston



Forum - Abrüstung - eine realistische Vision?
insgesamt 384 Beiträge
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Seite 1
Arg-US 09.04.2010
1. „Begrenzung der Atomarsenale“, aber keine Wende in der aggressiven Politik der USA!
Zitat von sysopAtomwaffen abschaffen, Terrorismus verhindern: US-Präsident Obama setzt sich ehrgeizige Ziele für seinen historischen Nuklear-Gipfel in Washington. Staatslenker aus 46 Nationen sind geladen - doch nicht alle teilen seine Vision einer atomwaffenfreien Welt. Ist die Abrüstung wieder eine realistische Vision?
Das wäre wünschenswert, doch es steht zu befürchten, dass sich de facto überhaupt nichts an der essentiellen Gefährdung der Menschheit ändern wird. Beide Staaten verfügen trotz der „Begrenzung der Atomarsenale“ immer noch über ein mehrfaches atomares Overkillpotential. Außerdem hat Obama durchblicken lassen, dass die USA stattdessen ihre konventionelle Rüstung aufstocken wollen, obwohl sie bisher schon für Rüstung und Militär alleine mehr ausgeben als die nächsten zehn größten Rüstungsetats anderer Staaten zusammen. Es wird keine Wende in der aggressiven Weltpolitik der USA herbeiführen, denn es findet kein grundsätzliches Umdenken statt und der modus operandi bleibt der alte!
Palmstroem, 09.04.2010
2. Obama - Der Heilige des Weltfrieden
Zitat von sysopAtomwaffen abschaffen, Terrorismus verhindern: US-Präsident Obama setzt sich ehrgeizige Ziele für seinen historischen Nuklear-Gipfel in Washington. Staatslenker aus 46 Nationen sind geladen - doch nicht alle teilen seine Vision einer atomwaffenfreien Welt. Ist die Abrüstung wieder eine realistische Vision?
Warum, wird die Kalaschnikow verboten?
Arg-US 09.04.2010
3. Die Rhetorik einer schlichten Gewinn- und Verlustrechnung!
Zitat von PalmstroemWarum, wird die Kalaschnikow verboten?
Die ist noch weltweit im Einsatz und wird wohl noch auf Weiteres gebraucht werden! Atombomben kamen genau genommen – trotz der darauf verschwendeten Billionen Dollars - nur zweimal zum Kriegseinsatz auf wehrlose zivile Großstädte und das eigentlich nur als zynischer Feldversuch unter Realbedingungen. Unschuldige Menschen degradiert zu hilflosen Versuchskaninchen! Er hat keine Kosten gescheut, diese nuklearen Waffen zu vermehren und zu vervollkommnen, so dass er jetzt auf die alten und obsoleten gut verzichten kann. Der Gipfel der Heuchelei besteht wohl darin, dass man dieses Ausmustern von Atomschrott als „Begrenzung der Atomarsenale“ demagogisch geschickt darzustellen versucht, weil die Unterhaltung unnötige Kosten verursachte.
ambergris 09.04.2010
4.
Spannend wird Abrüstung erst da, wo zwei Nationen freiwillig eine militärische Option aufgeben. Auch nach dem Abkommen haben die USA und Russland die Möglichkeiten, die Welt in Grund und Boden zu bomben.
Antje Technau, 09.04.2010
5.
Zitat von sysopAtomwaffen abschaffen, Terrorismus verhindern: US-Präsident Obama setzt sich ehrgeizige Ziele für seinen historischen Nuklear-Gipfel in Washington. Staatslenker aus 46 Nationen sind geladen - doch nicht alle teilen seine Vision einer atomwaffenfreien Welt. Ist die Abrüstung wieder eine realistische Vision?
Obama nannte als Ziel eine atomwaffenfreie Welt. Israel verweigert sich dieser Vision und Netanjahu kommt nicht zu der von Obama einberufenen Konferenz: Binyamin Netanyahu pulls out of Washington nuclear weapons summit (http://www.guardian.co.uk/world/2010/apr/09/netanyahu-snubs-nuclear-weapons-summit) Präsident Obamas Reaktion auf diesen Affront durch Israel wird zeigen, wie ernst es Obama mit seinem Plan ist. Oder ob seine "atomwaffenfreie Welt" sich nur auf Staaten wie den Iran bezieht. Wie die Vorredner schon sagten: außer Atombomben gibt es noch genug andere Waffen, mit denen die USA und andere Länder die Welt zerstören können. Auch diese Waffen müssten verschwinden, wenn man dafür sorgen wollte, dass Menschen nicht mehr zu Millionen in Kriegen sterben sollen.
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