Talking Points Zehn Aussagen zur Briten-Wahl, mit denen Sie punkten können

Warum lagen die Demoskopen so falsch? Was wird aus Londons Bürgermeister Boris Johnson? Was treibt die Schotten um? Mit diesen Sätzen zur Großbritannien-Wahl können Sie überall mitreden.

Britischer Premierminister Cameron: "Jetzt bekommen doch wieder die Schreihälse die Oberhand"
REUTERS/ UK Parliament

Britischer Premierminister Cameron: "Jetzt bekommen doch wieder die Schreihälse die Oberhand"

Von , London


  • "Irre, wie falsch die Demoskopen lagen, oder?" Fast alle Umfrage-Institute prognostizierten ein Patt zwischen den Konservativen und Labour. Niemand, wirklich niemand, sah eine absolute Mehrheit für die Tories voraus, wie sie sich seit dem frühen Morgen abzeichnet.
  • "Jetzt bekommen doch wieder die Schreihälse die Oberhand." Zumindest in Europafragen wird sich Cameron dem Druck der Hinterbänkler beugen müssen, noch stärker als bisher. Das EU-Referendum kommt jetzt auf jeden Fall, spätestens 2017. Es gibt schon Stimmen, die sagen, das Referendum werde vorgezogen, weil Cameron verhindern will, dass das Land in eine zwei Jahre währende Unsicherheit stürzt.
  • "Nick Clegg ist Geschichte." Clegg konnte zwar seinen Parlamentssitz verteidigen, aber mit derzeit nur acht Mandaten für die LibDems? Good night, Mr Clegg. Traurig, weil die LibDems die einzige Bürgerrechtspartei in Großbritannien waren. Alternativer Satz: "Clegg ist der britische Westerwelle."
  • "Miliband, Schniliband." Poor thing, dieser Ed Miliband. Bis zuletzt hatte der Labour-Chef gehofft, in die Downing Street 10 einzuziehen, notfalls mit Hilfe der Liberaldemokraten und womöglich unter Tolerierung durch die Schottische Nationalpartei. Labour stürzte radikal ab.
  • "Nicola ist doch die wahre Wahl-Gewinnerin, oder?" Eindeutig. Nicola Sturgeon hat 56 von 59 Sitzen in Schottland abgeräumt, die schottischen Nationalisten sind so mächtig wie nie.
  • "Der arme Boris." Johnson, der Londoner Bürgermeister, muss jetzt doch länger warten als gedacht, bis er Tory-Vorsitzender wird. Cameron hat zum Glück eine dritte Amtszeit ausgeschlossen, womöglich macht er nach vier Jahren Platz für einen Nachfolger. Das wäre Boris' Chance. Oder die Chance von George Osborne, Theresa May und allen anderen ambitionierten Tories.
  • "Gott sei Dank müssen wir diesen biertrinkenden Kettenraucher nicht mehr sehen, wie heißt er noch mal?" Nigel Farage. Er hat sein Mandat in Thanet South nicht gewonnen, es war knapp. Dummerweise (oder geschickterweise) hat er einen Sieg in Thanet mit seinem Amt als Ukip-Chef verknüpft. Das heißt: Auch er verschwindet von der politischen Bühne, zusammen mit Clegg und Miliband.
  • "Tja, Ukip hat zwar nur ein Mandat bekommen, ist aber wahnsinnig stark im Süden." In England kommt Ukip auf fast 14 Prozent der Stimmen und ist drittstärkste Partei hinter den Tories und Labour. Das zahlt sich zwar nicht in Mandaten aus, verschafft den Europafeinden aber einen indirekten Einfluss auf Labour und Konservative. Trotzdem ist die Partei stark geschwächt durch den Abgang von Farage.
  • "Haha, Paddy muss jetzt den Hut essen." Der bislang "lustigste" Gag der BBC-Wahlkampfnacht. Der frühere Parteichef der Liberaldemokraten Paddy Ashdown hatte im laufenden Programm leichtsinnigerweise angekündigt, einen Hut zu essen, falls sich die ersten Prognosen bewahrheiteten. Leider bewahrheiteten sich die Prognosen. Im BBC-Studio liegt schon der Hut.
  • "Man kann vom Unvereinigten Königreich sprechen." Schlaumeier-Spruch, stimmt aber, wegen Ukip in England und der SNP in Schottland. Großbritannien wird von zwei patriotischen Bewegungen geprägt. Der Kampf um zwei Unionen wird das Land in den nächsten Jahren bewegen.

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So wählen die Briten

insgesamt 8 Beiträge
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senfreicher 08.05.2015
1. Ukip?
lt. guardian haben die nicht fast 14% sondern fast 13% stimmanteil. auch ist der scheinbar nicht so richtig zurückgetreten. könnte lt. seinem statement sein, dass er sich im sommer überlegt ob er im september wieder als parteivorsitzender antritt.
leafs 08.05.2015
2. thx
Danke für den Service. Hatte ehrlich gesagt erst gestern so halb mitbekommen, dass in GB irgend ne Wahl stattfindet und kann nun mitreden.
w.diverso 08.05.2015
3.
Institute die Wahlvorhersagen machen, können scheinbar nur sich selber richtig gut vermarkten. Vorhersagen wie Wahlen ausfallen, sind nicht unbedingt ihre Stärke. Sie scheitern scheinbar dabei immer an der Zukunft. Oder sie sind schlicht unfähig. Die könnten so auch in die Politik gehen, da würden sie auch nicht auffallen.
worldalert11 08.05.2015
4. Kommt immer öfter vor
Auf irgendwelche selbsternannten Experten und Umfrage-Institute muss man nicht mehr viel geben. Syrien, Irak, Ukraine, die letzte Griechenland-Wahl und nun das hier. Syriza würde schon nicht so stark werden und wenn doch, dann würden sie sich eine moderate Partei als Partner aussuchen. Und überhaupt, würden sie tatsächlich regieren, würden sie schnell zur Vernunft kommen. Leider ziemlich daneben, diese Prognosen. Entweder fehlt es diesen Leuten an Phantasie oder die Recherchen und Hochrechnungen sind mangelhaft. Vielleicht liegt es auch nur an Realitätsverweigerung.
bazingabazinga 08.05.2015
5. Nicht alle Demoskopen lagen falsch
Nur die PRO-EU-Demoskopen. Und das ist - sind wie erhlich - nichts neues. Schon erstaunlich wie viele Journalisten sich diesen Vorraussagen anschließen und vor Wahlen entsprechend Stimmung machen.
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