Großoffensive auf Gaza Israelischer Vize-Minister droht Palästinensern gewaltige Katastrophe an

Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind mindestens sechs palästinensische Zivilisten verletzt worden - unter ihnen drei Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren. Israel droht den Palästinenser mit einer Großoffensive, Vize-Verteidigungsminister Vilnai spricht vom Untergang.


Jerusalem/Tel Aviv - Israelische Kampfflugzeuge stiegen heute kurz vor Morgengrauen wieder in die Luft, um Stellungen der Hamas im Gaza-Streifen anzugreifen. Der Einsatz galt nach Angaben einer Militärsprecherin in Tel Aviv den Produktionsstätten der berüchtigten Kassam-Raketen, mit denen israelische Siedlungen seit Tagen beschossen werden.

Der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Matan Vilnai griff dabei zu drastischen Worten: "Wenn die Palästinenser noch mehr Raketen abschießen und deren Reichweite vergrößern, bringen sie sich in die Gefahr einer gewaltigen Katastrophe, weil wir alles in unserer Macht stehenden tun, uns zu verteidigen", sagte Vilnai dem Militärrundfunk.

Die israelische Regierung ist nach Aussagen Vilnais zu allen Schritten bereit, um die Raketenangriffe radikaler Palästinenser aus dem Gaza-Streifen zu stoppen. "Wir scheuen vor keiner Aktion zurück", sagte er.

Vilnai ist in Israel bekannt für seine drastischen öffentlichen Äußerungen. So hatte der Politiker beispielsweise Ende Januar nach der Sprengung der Grenzbefestigung zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen damit gedroht, Israel könnte seine Verbindungen zu dem Palästinensergebiet komplett kappen. Wie viele andere isralische Spitzen-Politiker machte Vilnai zunächst Karriere in der Armee.

Verteidigungsminister Ehud Barak hatte bereits gestern mit einer Bodenoffensive gedroht. "Vor diesem Schritt haben wir keine Angst", sagte er. Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft zeigte sich "zutiefst besorgt" und forderte eine Einstellung der Feindseligkeiten.

Die radikalislamische Hamas, die seit Sommer vergangenen Jahres die Kontrolle über den Gaza-Streifen hat, rief für heute zu Massenprotesten gegen die Angriffe auf. "Wir rufen die Massen in den arabischen und muslimischen Ländern auf, aus Solidarität mit dem palästinensischen Volk nach dem Freitagsgebet auf die Straße zu gehen", erklärte die Hamas in Gaza.

Bei israelischen Luftangriffen auf den Gaza-Streifen starben seit gestern mindestens 30 Menschen, darunter sechs Kinder. Zuvor war ein Israeli im Grenzort Sderot bei einem Raketenangriff aus dem Gaza-Streifen ums Leben gekommen.

Ein israelisches Kampfflugzeug beschoss gestern Abend einen Posten der Hamas-Sonderpolizei nahe der Wohnung des abgesetzten Ministerpräsidenten Ismail Hanija westlich von Gaza-Stadt und tötete zwei militante Palästinenser. Nach Augenzeugenberichten wurde fast zeitgleich ein Schäfer im Norden des Gaza-Streifens getötet, als er sich einer Abschussrampe für Kassam-Raketen näherte. Bei einem weiteren Luftschlag in Gaza kamen wenige Stunden später zwei Zivilisten ums Leben. In Chan Junis im Süden des Gaza-Streifens wurden am späten Abend zwei weitere Palästinenser getötet.

Ungeachtet der Drohungen setzte die Hamas ihre Raketenangriffe auf das israelische Grenzgebiet fort. Mehrere Geschosse schlugen im Zentrum der Hafenstadt Aschkelon sowie in Sderot ein.

Im Westjordanland starben bei einem Schusswechsel mit israelischen Soldaten zwei Mitglieder des militanten Arms der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

flo/als/AFP/dpa/Reuters

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