Humanitäre Helfer: Drei Deutsche im Norden Syriens verschollen

Zerstörungen im nordsyrischen Harim: "Relativ sicherer Platz" Zur Großansicht
REUTERS

Zerstörungen im nordsyrischen Harim: "Relativ sicherer Platz"

Sie sind seit sieben Wochen verschollen, doch erst jetzt wendet sich die Hilfsorganisation "Grünhelme" an die Öffentlichkeit: Nach SPIEGEL-Informationen wurden drei Deutsche im Norden Syriens verschleppt. Die Nothelfer bauen Krankenhäuser und Schulen in der Krisenregion.

Berlin - Bereits in der Nacht zum 15. Mai wurden die drei deutschen Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Grünhelme e.V." aus ihrem Haus im Ort Harim nahe der türkischen Grenze entführt. Die Nothelfer arbeiteten dort am Aufbau eines Krankenhauses.

Man sei bislang nicht an die Öffentlichkeit gegangen, so "Grünhelme"-Gründer Rupert Neudeck im SPIEGEL, "weil wir hofften, unsere Mitarbeiter zu finden und freizubekommen". Doch die wochenlange Suche syrischer Mitarbeiter und örtlicher Rebellengruppen blieb ergebnislos, von den drei Deutschen fehlt seit nunmehr sieben Wochen jede Spur.

Die "Grünhelme" sind seit September 2012 in Teilen Nordsyriens aktiv, aus denen Rebellen die Truppen des Regimes vertrieben haben. Sie bemühen sich darum, die Infrastruktur in den verwüsteten Orten wiederherzustellen und bauen Schulen, Krankenhäuser und Kindergärten auf.

"Grünhelme"-Gründer Neudeck, 74, war bereits im April von einem Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes dafür kritisiert worden, seine Mitarbeiter beim Einsatz in einem Krisengebiet wie Syrien möglicherweise zu großen Gefahren auszusetzen. Gegen den Vorwurf der Leichtsinnigkeit verwehrte sich der Nothilfeveteran damals in einem Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger": "Der (...) Ort Harim ist ein relativ sicherer Platz, weil er in der Nähe der türkischen Grenze liegt. (...) Man muss das Risiko für die Mitarbeiter kalkulieren. Wir sind keine tollkühnen und lebensmüden Agenten der humanitären Hilfe."

Neudeck, der einst mit der "Cap Anamur" vietnamesische Boatpeople vor dem Ertrinken rettete, sagte dem Blatt, er habe wesentlich gefährlichere Regionen erlebt. Im Norden Syriens sei man "an einem Ort, an dem noch gar nichts passiert ist. (...) Hier versuchen die Menschen, wieder ein normales Leben zu leben. Die Kinder und Lehrer gehen wieder zur Schule, das ist für die Selbsterhaltung der Gesellschaft sehr wichtig, deshalb ist es mir ganz wichtig, ihnen eine helfende Hand anzubieten."

Die Scharmützel zwischen den Regierungstruppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und den Aufständischen konzentrieren sich zurzeit eher auf die südwestlich von Harim gelegene Rebellenhochburg Homs. Am Samstag startete die Armee eine heftige Offensive in der drittgrößten syrischen Stadt, um die von Rebellenmilizen kontrollierte Altstadt einzunehmen. Schauplatz massiver Auseinandersetzungen war in den vergangenen Wochen auch die südlich von der Hauptstadt Damaskus gelegene Stadt Daraa, in der die Rebellen einen strategisch wichtigen Militärstützpunkt erobern konnten.

Themen im neuen SPIEGEL
Sie wollen wissen, was in der neuesten SPIEGEL-Ausgabe steht? Melden Sie sich jetzt einfach für den SPIEGEL-Brief an. Die Redaktion des Magazins informiert Sie persönlich und kostenlos per Mail.

bor

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Bürgerkrieg in Syrien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite