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Guantanamo-Akten: Amerikas gefährlichste Gefangene

Terrorstrategen, Computerspezialisten, Bombenbauer - und fanatische Feinde Amerikas: US-Ermittler haben zu allen Guantanamo-Häftlingen umfangreiche Geheimakten angelegt. 16 Männer gelten als so gefährlich, dass die Bevölkerung für immer vor ihnen geschützt werden soll.

Hamburg - Dass er ein Feind Amerikas ist, daraus macht Chalid Scheich Mohammed keinen Hehl. In den Verhören im US-Gefangenenlager Guantanamo erzählt der Mann, der als Drahtzieher der Anschläge des 11. Septembers 2001 gilt, wie er die Weltmacht USA in die Knie zwingen will. In den jetzt von WikiLeaks enthüllten Akten aus Guantanamo, die auch dem SPIEGEL vorliegen, findet sich seine Akte, ebenso wie jene von 15 anderen Häftlingen, die als hochgefährlich eingestuft wurden - zum Teil aber auch als wichtige Informanten. Die Akten enthalten interessante Details aus den Befragungen der Gefangenen ( mehr zu den wichtigsten Erkenntnissen aus den Geheimdokumenten finden Sie hier).

Scheich Mohammed soll sich den Unterlagen zufolge erst durch den Tod seines Bruders radikalisiert haben, der in Afghanistan gegen die Sowjets gekämpft habe. "Das hat den Gefangenen deutlich beeinflusst und ihn dazu gebracht, sich dem Dschihad zuzuwenden", heißt es in der Akte. Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon seien sein "Traum und sein Lebenswerk". Das soll er seinem Abu Subaida Mithäftling erzählt haben. Da es ihm aber nicht gelungen sei, das Weiße Haus ebenfalls zu treffen, werde er dies abermals versuchen, weil es von hohem "symbolischen Wert für Amerika" sei.

Al-Qaida plane, die USA in einen "nuklearen Höllensturm" zu stürzen, erzählt Chalid Scheich Mohammed seinen Befragern. Als mögliche Ziele nennt er unter anderem "das höchste Gebäude in Kalifornien" (das mittels eines Schuhbombers in einem Flugzeug angegriffen werden sollte), die Hauptquartiere der Bundespolizei FBI und des Auslandsgeheimdienstes CIA, Atomkraftwerke und die Brooklyn Bridge in New York (durch Kappen der Halteseile).

Wie genau die Aussagen zustande gekommen sind, geht nicht aus dem Dokument hervor. Es ist aber bekannt, dass gerade Chalid Scheich Mohammed bei den Verhören mehrfach Folter ausgesetzt war. Er wurde unter anderem dem Waterboarding ausgesetzt, bei dem das Opfer Todesängste aussteht und glaubt zu ertrinken.

Neben Chalid Scheich Mohammed zählt auch der in dessen Akte erwähnte Gesprächspartner Abu Subaida zu den 16 Top-Gefährdern. Er gilt als hochrangiges Qaida-Mitglied und macht in den Verhören einen "kooperativen Eindruck" - das allerdings könne auch nur vorgespielt sein, notieren die Protokollanten, möglicherweise wende Subaida besondere Techniken an, um Informationen zurückhalten zu können.

Wer sind die 16 Männer, die Washington für so gefährlich hält, und was wissen die Ermittler über die Häftlinge? Ein Tankwart mit Märtyrer-Phantasie, ein Flugschüler mit Architekturdiplom und Bin Ladens Koch: Lesen Sie die Informationen über Amerikas gefährlichste Gefangene - klicken Sie oben auf die Grafik oder hier.

Dokumentation: Almut Cieschinger, Cordelia Freiwald, Anne-Sophie Fröhlich, Bertolt Hunger, Hauke Janssen, Walter Lehmann-Wiesner, Rainer Szimm, Eckart Teichert
Grafik: Alexander Trempler
Redaktion: Friederike Freiburg

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1.
ryul 26.04.2011
Aha, kaum kommen Enthüllungen über illegale Festnahmen und die widrigen Knastbedingungen heraus, sind die Medien ganz schnell bemüht, dass tolle Guantanamo als wichtige und richtige Infrastrukutur festzusetzen. Mir ist schlecht.
2. Was sind das eigentlich für Dateien?
Glasperlenspiel, 26.04.2011
Im Newsticker des ct-Magazin steht folgende Nachricht: "Der britische Guardian, die New York Times und das US-amerikanische National Public Radio haben mit der Veröffentlichung von 750 Dateien begonnen, die Details über die Verhöre von auf der US-Marinebasis Guantánamo Bay internierten Gefangenen enthalten." Interessanter ist jedoch folgender Passus: "der beim Guardian zuständige Recherche-Spezialist David Leigh (erklärte) im begleitenden Blog: 'Anders als bei früheren Veröffentlichungen durch den Guardian war diesmal Wikileaks nicht beteiligt. Das umfangreiche Bündel an geheimem US-Material wurde mit der New York Times geteilt, und die New York Times erhielt es nicht von Wikileaks.'" Spiegel und SPON schreiben, dass sie diese Akten von Wikileaks erhalten haben. Sind das nun die identischen Akten oder andere Papiere? Ist der Spiegel von der NYT und dem Guardian ausgebootet worden oder wollte der Spiegel einfach nicht die Zusammenarbeit mit Wikileaks gefährden? Es wäre sehr gut, wenn es hierzu von der Redaktion eine Klarstellung gäbe.
3. Wechstaben verbuchselt
Alexander Berg 26.04.2011
Da wird schnell aus Osama Bin Laden, Obama sin Laden.
4. ...
atzlan 26.04.2011
Zitat von sysopTerrorstrategen, Computerspezialisten, Bombenbauer - und fanatische Feinde Amerikas: US-Ermittler haben zu allen Guantanamo-Häftlingen umfangreiche Geheimakten angelegt. 17 Männer gelten als so gefährlich, dass die Bevölkerung für immer vor ihnen geschützt werden soll. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,759148,00.html
Zitat Artikel: "Scheich Mohammed soll sich den Unterlagen zufolge erst durch den Tod seines Bruders radikalisiert haben, der in Afghanistan gegen die Sowjets gekämpft habe. "Das hat den Gefangenen deutlich beeinflusst und ihn dazu gebracht, sich dem Dschihad zuzuwenden", heißt es in der Akte." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,759148,00.html Entweder KSM selbst oder die Fälscher der Akten haben hier bewiesen, dass sie zu blöd sind, ihren war-on/of-terror zu rechtfertigen. "Der Aufschwung des radikalen Islam in Afghanistan war ein Produkt der Zusammenarbeit von Saudi-Arabien, dem pakistanischen Geheimdienst und der CIA bei der Bekämpfung der Sowjets in Afghanistan." http://derstandard.at/1220460221725?sap=2&_pid=10888787 "„Während der 1980er-Jahre wurde er von der CIA bewaffnet und von den Saudis finanziert, um den Jihad gegen die russische Besetzung Afghanistan zu führen. Al-Qaida, wörtlich ‚die Datenbank‘, war ursprünglich eine Computer-Datei mit den Tausenden Mudschahidin, die mit Hilfe des CIA rekrutiert und trainiert wurden, um die Russen zu besiegen”." http://de.wikipedia.org/wiki/Robin_Cook_%28Politiker%29#Politische_Position
5. Danke
elschmido, 26.04.2011
Wir sollten den USA dankbar dafuer sein, dass sie den Job machen, den sonst keiner machen will. Es mag zwar rechtlich bedenklich sein, was da in Guantanamo ablaeuft, aber meines Erachtens gibt es hierzu keine Alternative. Sollen wir erst warten, bis dieses Pack zugeschlagen hat bevor wir handeln? Das hat mittlerweile ja offensichtlich sogar der linke US-Praesident eingesehen. Danke, USA!
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