Guantanamo FBI soll schon früh von Koran-Schändungen gewusst haben

Die US-Bundespolizei FBI soll bereits im August 2002 über Schändungen des Korans im Gefangenenlager Guantanamo informiert gewesen sein. Die Akten wurden nun von einer amerikanischen Bürgerrechtsorganisation veröffentlicht.


Proteste gegen Koranschändungen: Mindestens 16 Tote bei Demonstrationen
AP

Proteste gegen Koranschändungen: Mindestens 16 Tote bei Demonstrationen

Washington - In dem auf den 1. August 2002 datierten Dokument sind Äußerungen eines Gefangenen in Guantanamo zusammengefasst, die dieser wenige Tage zuvor in Gesprächen mit einem Mitarbeiter der US-Bundespolizei gemacht hatte. In den Aufzeichnungen des FBI-Mitarbeiters heißt es: "Persönlich hat er (der Gefangene) nichts gegen die USA. Die Aufseher in dem Lager behandeln ihn nicht gut. Ihr Verhalten ist schlecht. Etwa vor fünf Monaten schlugen die Wächter die Häftlinge. Sie spülten ein Exemplar des Korans die Toilette hinunter."

Das US-Verteidigungsministerium wies die Anschuldigungen zurück. "Es ist nicht glaubhaft", sagte Sprecher Lawrence Di Rita unter Verweis auf den Vorwurf, der Koran sei die Toilette hinunter gespült worden. Das US-Militär habe den Gefangenen am 14. Mai ebenfalls befragt, und dabei habe er die am 1. August 2002 aufgezeichneten Vorwürfe nicht bekräftigt. Es sei unklar, ob der Mann die Vorwürfe zurückziehen werde.

Ein mittlerweile zurückgezogener Bericht des US-Magazins "Newsweek" über derartige Vorfälle hatte vor kurzem in muslimischen Ländern zu heftigen Protesten geführt, bei denen in Afghanistan 16 Menschen ums Leben kamen.

Später berichteten auch das Internationale Rote Kreuz (IKRK) und die "L.A. Times" über Schändungen des Korans durch US-Wächter. IKRK-Sprecher Simon Schorno sagte, seine Organisation habe die US-Behörden darüber unterrichtet, dass amerikanische Militärangehörige den Koran verunglimpft hätten. Entsprechende Vorfälle hätten sich in den Jahren 2002 und 2003 ereignet, seien aber inzwischen abgestellt worden.

Detailliert berichtete die "L.A. Times" aus Gefangenenaussagen: Wärter sollen das heilige Werk mit den Füßen getreten, an Wachhunde verfüttert und mit Urin besprenkelt haben.



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