Guantanamo Pentagon räumt falsche Koran-Behandlung ein

Nach wiederholten Dementis haben die USA eingeräumt, dass im US-Lager Guantanamo der Koran nicht korrekt behandelt wurde - zumindest in fünf von 13 untersuchten Fällen. Es gebe aber keine glaubwürdigen Belege, dass das heilige Buch der Muslime die Toilette heruntergespült worden sei.


US-Kommandeur Jay Hood: Mehrfach unkorrekte Behandlung des Korans in Guantanamo
REUTERS

US-Kommandeur Jay Hood: Mehrfach unkorrekte Behandlung des Korans in Guantanamo

Washington - Fünf von insgesamt 13 näher untersuchten Vorfällen könnten "allgemein als falsche Behandlung (des Korans) definiert werden", sagte Brigadegeneral Jay Hood, der Kommandeur des Gefängnisses, gestern Abend auf einer Pressekonferenz im US-Verteidigungsministerium in Washington. In drei Fällen habe offenbar Absicht dahinter gesteckt, zwei seien eher unbeabsichtigt gewesen. In vier Fällen seien Aufseher die Urheber gewesen, im fünften Fall sei es einer der Vernehmungsbeamten gewesen. Worin diese unkorrekten Handlungen bestanden, wollte Hood nicht sagen. Die Ermittlungen dauern an. Teils habe ein Wachsoldat im US-Gefangenenlager Guantanamo in Kuba den Koran jedoch nur "versehentlich berührt", teils das Buch "gar nicht angerührt", habe die Untersuchung ergeben. Das Pentagon habe 31.000 Schriftstücke durchgesehen, um den Vorwürfen nachzugehen.

Die Veröffentlichung eines Zwischenstands der Ergebnisse ist ungewöhnlich und Ausdruck der Bemühungen des Pentagons, die Empörung in der muslimischen Welt über berichtete Vorfälle von Koran-Schändungen einzudämmen. Ein Gefangener, der angeblich bereits im Jahr 2002 einem FBI-Beamten von der Schändung des Buches in der Toilette berichtet hatte, habe bei einer erneuten Vernehmung am 14. Mai erklärt, er habe nur von derartigen Vorfällen gehört, sei selbst aber nie direkter Zeuge gewesen, erklärte Hood weiter.

Der Sprecher des Pentagon, Lawrence di Rita, erklärte auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Hood, es sei nun klar, dass jede unkorrekte Behandlung von Koran-Ausgaben lediglich aus Versehen geschehen sei. Zugleich werde durch die Ermittlungen deutlich, dass der Glauben der muslimischen Gefangenen in Guantanamo geachtet werde.

Das amerikanische Nachrichtenmagazin "Newsweek" hatte am 9. Mai unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten US-Beamten berichtet, einer regierungsinternen Untersuchung zufolge hätten Aufseher im Gefangenenlager Guantanamo Ausgaben des Korans in Toiletten ausgelegt, in einem Fall sei sogar ein Exemplar im Klo hinuntergespült worden. Der Bericht löste in islamischen Ländern Massenproteste aus, in deren Verlauf mindestens 15 Menschen ums Leben kamen. Eine Woche nach Erscheinen zog "Newsweek" den Artikel zurück. Zur Begründung hieß es, der Informant sei sich seiner Sache nicht mehr sicher.

Kurz darauf meldete die "Los Angeles Times" aber, Recherchen hätten die Vorwürfe bestätigt, auch das Rote Kreuz hat Kenntnisse über inadäquaten Umgang mit dem Koran.



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