Israel Guatemala will im Mai Botschaft nach Jerusalem verlegen

Guatemala unterhält enge Beziehungen zu Israel - und will seine Botschaft nun von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen. Das mittelamerikanische Land folgt damit dem Vorbild der USA.

Jimmy Morales und Benjamin Netanyahu
REUTERS

Jimmy Morales und Benjamin Netanyahu


US-Präsident Donald Trump hat im Dezember den ersten Schritt gemacht, nun folgt Guatemala: Die Botschaft in Israel soll von Tel Aviv nach Jerusalem umziehen - in die Stadt, die Israelis und Palästinenser als ihre Hauptstadt reklamieren.

Die Auslandsvertretung werde zwei Tage nach der US-Botschaft zum Unabhängigkeitstag Israels umziehen, sagte Präsident Jimmy Morales in Washington bei einem Treffen der proisraelischen Lobbyorganisation AIPAC. Das Datum sei der 16. Mai.

Die US-Regierung hatte bereits Ende Februar den 14. Mai als Umzugstermin verkündet. An diesem Tag jährt sich Israels Staatsgründung zum 70. Mal. Aktuell haben die USA nur ein Konsulat in Jerusalem und die Botschaft in Tel Aviv.

In Guatemala leben zwar nur einige Hundert Juden, aber es war das erste Land in Lateinamerika, das Israel nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 anerkannte und zunächst in Jerusalem seine Botschaft eröffnete. Später wurde sie aus politischen Gründen nach Tel Aviv verlegt.

Für Israel ein Feiertag, für Palästina die "Katastrophe"

Es gibt enge Beziehungen zwischen beiden Staaten, Israel unterstützte das mittelamerikanische Land zuletzt beim Bau einer Spezialklinik sowie im Agrar- und Umweltsektor. Zudem wurden Polizeikommissare aus Guatemala in Israel ausgebildet, und es gibt eine Kooperation im Militärbereich.

Die Palästinenser hatten entrüstet auf die US-Ankündigung reagiert. Chefunterhändler Saeb Erekat kritisierte auch scharf das Datum - einen Tag bevor die Palästinenser am 15. Mai der Nakba (Katastrophe) gedenken. Dabei geht es um den Verlust ihrer Heimat nach der Gründung des Staates Israel 1948. Während des ersten Nahostkriegs nach der Staatsgründung gab es nach unterschiedlichen Schätzungen rund 700.000 palästinensische Flüchtlinge und Vertriebene.

Trump hatte im Alleingang im Dezember Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und die Verlegung der Botschaft angekündigt, was weltweite Kritik hervorrief. In den Palästinensergebieten kam es zu Unruhen.

Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil Jerusalems als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates. Der endgültige politische Status von Jerusalem sollte eigentlich in Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern geklärt werden.

cht/dpa

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