Rassistische Bemerkungen China verärgert über Oettingers "Schlitzaugen"-Rede

EU-Kommissar Oettinger will seine Äußerungen über Chinesen nicht abfällig gemeint haben. Chinas Außenministerium versteht sie aber genau so - und gibt dem CDU-Mann einen Rat.

Günther Oettinger
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Günther Oettinger


Das chinesische Außenministerium ist angesichts der umstrittenen "Schlitzaugen"-Ansprache von Günther Oettinger verärgert. Die Bemerkungen offenbarten ein "verblüffendes Überlegenheitsgefühl" bei so manchen westlichen Politikern, kritisierte eine Sprecherin. "Wir hoffen, dass sie lernen, sich selbst und andere objektiv zu betrachten und andere zu respektieren und als Gleichberechtigte zu behandeln."

Oettinger hatte sich vor Unternehmern in Hamburg abfällig über Chinesen, Frauen und die Homo-Ehe geäußert. Dafür war er scharf kritisiert worden. "Die Äußerungen von Herrn Oettinger sind homophob und rassistisch und sie entsprechen nicht dem, was ein EU-Kommissar leisten muss", sagte Familienministerin Manuela Schwesig.

Der CDU-Politiker hatte am vergangenen Wochenende seine Rede verteidigt. Dass er in seiner umstrittenen Rede das Wort "Schlitzauge" verwendet habe, sei nicht anstößig gemeint gewesen. "Das war eine etwas saloppe Äußerung, die in keinster Weise respektlos gegenüber China gemeint war", sagte Oettinger der "Welt".

Der Verleger Sebastian Marquart hatte einen Ausschnitt der Rede auf YouTube gestellt. Er habe angefangen zu filmen, als Oettinger von "Schlitzohren und Schlitzaugen" gesprochen habe, so Marquart.

Am Freitag war bekannt geworden, dass Oettinger in der EU-Kommission aufsteigt. Der derzeitige Kommissar für digitale Wirtschaft soll zum Jahreswechsel das Haushaltsressort von der Bulgarin Kristalina Georgiewa übernehmen, die zur Weltbank wechselt.

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley zweifelte angesichts der Äußerungen an der Eignung Oettingers für die neue Aufgabe. "Jemand, der offen rassistische und homophobe Ressentiments bedient, disqualifiziert sich für politische Spitzenposten", sagte Barley SPIEGEL ONLINE. Auch in der EU wird seine Rede kritisch gesehen.

Meinungskompass

brk/AFP

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