China EU verlangt Freilassung von inhaftiertem Hongkonger Buchhändler

Buchhändler Gui Minhai soll in Hongkong Peking-kritische Bücher verlegt haben - und sitzt deshalb in China in Haft. Die Europäische Union fordert die Freilassung des Mannes mit schwedischem Pass.

Plakat mit dem damals vermissten Buchhändler Gui Minhai 2016 in Hongkong
DPA

Plakat mit dem damals vermissten Buchhändler Gui Minhai 2016 in Hongkong


Die Verhaftung des Hongkonger Buchhändlers Gui Minhai sorgt für politische Spannungen zwischen China und der Europäischen Union. Die Vertretung der EU in Peking forderte die chinesischen Behörden dazu auf, den Mann mit einem schwedischen Pass wieder freizulassen.

Der 53-Jährige war im Oktober 2015 im Urlaub in Thailand verschwunden. Seine Familie vermutet, dass er von chinesischen Agenten verschleppt wurde, weil er in Hongkong politisch heikle Bücher über China herausgegeben hatte. Im Januar 2016 hatte die schwedische Außenministerin Margot Wallström erklärt, sie sei "sehr besorgt" über Minhais Schicksal. Er wurde im Oktober aus einer Haftstrafe entlassen und lebte seither in einer Form von Hausarrest.

Peking spricht von "unangemessener" Forderung

Minhai wurde nach Angaben seiner Tochter am Samstag nun erneut in einem Zug nach Peking von Sicherheitsbeamten in Zivil abgefangen und abgeführt. "Wir erwarten, dass die chinesischen Behörden Gui Minhai sofort aus der Haft entlassen und ihm erlaubt wird, zu seiner Familie zurückzukehren", sagte EU-Botschafter Hans Dietmar Schweisgut in Peking. Gui Minhai habe als EU-Bürger ein Recht auf konsularische und medizinische Unterstützung.

Eine Sprecherin des Pekinger Außenministeriums wies die Forderungen der EU und Schwedens als "unangemessen" zurück. Ausländische Regierungen, die ihre eigenen Bürger schützen wollen, sollte sie im Voraus erziehen. Die Gesetze des Gastlandes seien zu respektieren.

Nach seiner ersten Verhaftung war Gui Minhai, neben dem zwischenzeitlich vier weitere Buchhändler verschwunden waren, im chinesischen Staatsfernsehen mit einem Geständnis aufgetaucht: Er habe vor mehr als zehn Jahren in China Fahrerflucht mit Todesfolge begangen. Angaben über die Hintergründe der aktuellen Inhaftierung gibt es bislang nicht.

Hongkong hat einen Sonderstatus und wird nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" regiert. Diese Vereinbarung sieht vor, dass die Metropole bis 2047 "ein hohes Maß an Autonomie" und viele Freiheiten genießt.

apr/dpa

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Seite 1
fritze_bollmann 24.01.2018
1. Austausch
...vielleicht sollte man den eingesperrten chinesischen Buchhändler gegen einen ehemaligen deutschen Buchhändler austauschen, damit dieser hier nicht noch mehr Schaden anrichtet...
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