Guinea-Bissau Militär versucht Putsch gegen Ministerpräsidenten

Stundenlang setzten sie ihn fest, erst nach Protesten Hunderter Demonstranten ließen Soldaten in Guinea-Bissau ihren Regierungschef wieder frei - in dem Land kam es nach dem Putschversuch zu Unruhen. Die Lage sei wieder unter Kontrolle, erklärte Präsident Malam Bacai Sanha.

Massenauflauf in Bissau: Putschversuch gegen Ministerpräsident Carlos Gomes junior
dpa

Massenauflauf in Bissau: Putschversuch gegen Ministerpräsident Carlos Gomes junior


Lissabon/Bissau - Im krisengebeutelten westafrikanischen Guinea-Bissau sind am Donnerstag nach einem Putschversuch des Militärs Unruhen ausgebrochen.

Der Ministerpräsident des westafrikanischen Landes sei mehrere Stunden festgehalten und erst nach dem Protest Hunderter Demonstranten freigelassen worden, sagte der Minister für Landverwaltung, Luis Sanca, der Nachrichtenagentur AP. Der ebenfalls festgenommene Oberkommandierende der Streitkräfte blieb zunächst in der Hand von Aufständischen. Offenbar steckt sein Stellvertreter hinter dem Umsturzversuch.

Kurz nach der Freilassung des Regierungschefs Carlos Gomes junior war der Stellvertreter des Oberkommandierenden, Antonio Ndjai, im staatlichen Fernsehen zu sehen. "Wenn die Leute weiter für Carlos Gomes junior auf die Straße gehen, werde ich ihn töten oder töten lassen", sagte Ndjai.

Nach Angaben des Ministers für Landverwaltung wurden er und der Ministerpräsident am Morgen von Soldaten in eine Kaserne verschleppt. Dort hätten sie den Oberkommandierenden der Streitkräfte, Zamora Induta, gesehen, der ebenfalls festgesetzt worden sei. Gegen 11 Uhr hätten die Umstürzler den Ministerpräsidenten und ihn selbst ziehen lassen, sagte Sanca. Hunderte Menschen hätten vor dem Regierungssitz "Niemals wieder ein Staatsstreich in Guinea-Bissau" skandiert.

Portugiesischen Medienberichten zufolge habe Antonio Ndjai, der bisherige Vize des festgenommenen Generalstabschefs Zamora Induta, das Kommando übernommen. Staatspräsident Malam Bacai Sanha erklärte am späten Donnerstagnachmittag, die Lage sei inzwischen wieder unter Kontrolle. Es habe ein Problem zwischen Soldaten gegeben. Er werde seinen Einfluss geltend machen, um die Probleme zu lösen.

Die USA fordern in dem westafrikanischen Krisenland eine Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung. Dies müsse "so schnell wie möglich" geschehen, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, am Donnerstag. Washington beobachte die Situation in dem Land. Die Lage sei "sehr komplex".

Vor etwa einem Jahr war der damalige Präsident des Landes von Soldaten getötet worden. Wegen der anhaltenden Gewalt und Instabilität rangiert Guinea-Bissau auf dem drittletzten Platz der Entwicklungsrangliste der Uno. Die meisten Menschen müssen ohne Strom und sauberes Wasser auskommen. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 46 Jahren.

hen/apn/Reuters/dpa



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