EU-Internetbeauftragter Guttenberg Der Phantom-Berater

Karl-Theodor zu Guttenberg sollte die EU als Internetbeauftragter beraten - doch in dieser Funktion glich er eher einem Phantom. Zwar fielen Reisekosten in Höhe von rund 20.000 Euro an, aber seit Monaten gibt es keine konkreten Initiativen von ihm.

Von , Brüssel

Karl-Theodor zu Guttenberg: Chance in Brüssel nicht genutzt
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Karl-Theodor zu Guttenberg: Chance in Brüssel nicht genutzt


Es war ein Auftritt, über den heute noch viele in Brüssel frotzeln, so seltsam mutete er an. Gerade einmal neun Monate nach seinem Rücktritt als Bundesverteidigungsminister trat Karl-Theodor zu Guttenberg im Dezember 2011 in Brüssel neben EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes vor die Kameras und teilte der versammelten europäischen Presse mit, künftig als Internetberater der Europäischen Kommission zu fungieren. Ausgerechnet Guttenberg, den Internet-Plagiatsjäger Doktortitel und politische Karriere kosteten.

Guttenberg solle herausfinden, wie Bloggern und Netzaktivisten in autoritär geführten Ländern geholfen werden könne, um der Unterdrückung durch ihre Regime zu entgehen, sagte Kroes damals. Ein Gehalt und eigene Mitarbeiter erhielt Guttenberg für seine Beratertätigkeit zwar nicht. Aber jede Menge Lob, endlich mal wieder. Kroes sprach bei der Vorstellung: "Er denkt unkonventionell. Ich suche keine Heiligen, ich suche Talente."

Doch das war bereits der Höhepunkt von Guttenbergs europäischer Beratertätigkeit - und nun klingt die seltsame Beschäftigungsmaßnahme offenbar aus.

Wie SPIEGEL ONLINE aus Brüsseler Kreisen erfuhr, hat Guttenberg sich seit Monaten nicht mehr mit konkreten Initiativen gemeldet. Zwar gibt es keinen formellen Beschäftigungsvertrag, der auslaufen könnte. Aber mit einer echten Wiederbelebung von Guttenbergs EU-Tätigkeit rechnet niemand - auch weil deren Bilanz eher negativ gesehen wird.

Stilles Ende einer seltsamen Berufung

Zwar habe Guttenberg eine ganze Reihe von Treffen abgehalten, bei denen rund 20.000 Euro Reisekosten anfielen, die ihm erstattet wurden. Doch insgesamt lautet das nüchterne Fazit: "Wer die Chance für eine Rehabilitierung auf europäischer Ebene erhält, muss sie auch selber nutzen." Der grüne Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht schimpft: "Tausende Euros, die in Gutenbergs Reisen gesteckt wurden, wären in der Unterstützung hart arbeitender Nichtregierungsorganisationen wie Reporter ohne Grenzen tausendmal besser angelegt gewesen."

Die durchwachsene Bilanz passt ins Bild. Guttenberg hat auch andere Jobs, die mit viel Pomp angekündigt wurden, wenig überzeugend ausgefüllt. Seine Tätigkeit bei der Denkfabrik Center for Stategic and International Studies (CSIS) in Washington, wo er als "Distinguished Statesman", als angesehener Staatsmann, Diskussionsveranstaltungen und Studien leiten sollte, beschränkt sich weitgehend auf Auftritte hinter den Kulissen.

Auch als Vortragsreisender blieben seine Meriten überschaubar: Bei einer Guttenberg-Rede über die "Mythen der transatlantischen Beziehungen" in Yale demonstrierten Doktoranden lautstark. Einen weiteren geplanten Auftritt am Dartmouth College sagte der Ex-Minister nach Protesten von Studenten im Januar 2013 sogar ab.

Stattdessen meldete sich der CSU-Politiker - der mit seiner Familie in einem rund drei Millionen Euro teuren Anwesen im US-Bundesstaat Connecticut residiert - regelmäßig mit Zeitungsbeiträgen zu Wort. In der "New York Times" warf Guttenberg der Bundesregierung in Sachen Syrien mangelnde Solidarität mit der Nato vor. Zwei Tage vor der Bundestagswahl bescheinigte er Kanzlerin Angela Merkel in der britischen Financial Times einen "faden Wahlkampf" - und schien sich als Galionsfigur für Traditionskonservative unter Deutschlands Wählern zu empfehlen.



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insgesamt 135 Beiträge
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Seite 1
goodcharlotte 21.10.2013
1. Wie jetzt,
seine Ernennung war keine Zeitungsente?
zwietracht 21.10.2013
2. Maulwurf
Unser lieber von und zu Guttenberg ist ein Maulwurf. Ich darf aber nicht sagen für wen.
gifmemore 21.10.2013
3. Endlich ganz weg
Nunja - das zeigt eigentlich nur, dass seine politische Karriere vorbei ist. Großkotze und Blender laufen genug in der Gegend rum. Ich schreie: "auf Nimmerwiedersehen"
r.muck 21.10.2013
4. Struktur
Ist denn noch niemanden aufgefallen, dass der Freiherr für all das schlichtweg zu einfach strukturiert ist?
siegfriedrottenburg 21.10.2013
5. habe ich richtig gelesen?
es gibt dort eine EU-Digitalkommissarin - warscheinlich gibt's dann auch noch eine EU-Klopapierkommissarin
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