Hackerangriff: NSA-Spione fingen Medwedews Botschaften ab

NSA-Spione: Spähaktion auf britischem Boden Fotos
REUTERS

Nicht nur in der Heimat klinkte sich der US-Geheimdienst NSA in E-Mails und Telefonate ein - auch auf britischem Boden sind die Spione offenbar sehr aktiv. 2009 geriet der damalige russische Präsident Medwedew ins Visier der Überwacher.

London - Wie gigantische weiße Pilze stehen die 33 Radaranlagen auf der Luftwaffenbasis von Menwith Hill in Nord-Yorkshire. Offiziell residiert dort die britische Luftwaffe. Doch tatsächlich beherbergt die 220-Hektar-Anlage mehr als tausend amerikanische Geheimdienstler. Faktisch ist Menwith Hill ein gigantischer Außenposten der National Security Agency, kurz NSA. Wie der "Guardian" am Montag berichtet wurde von hier unter anderem ein Spionageangriff auf Dmitrij Medwedew gestartet.

Es ist die neueste Enthüllung rund um Whistleblower Edward Snowden. Auch die Informationen über die Medwedew-Aktion hat der Ex-NSA-Ermittler dem britischen Blatt zur Verfügung gestellt. Aus dem Bericht geht hervor, dass Mitarbeiter der NSA im April 2009 die Kommunikation des damaligen russischen Präsidenten und seiner Delegation angezapft haben. Anlässlich des G-20-Gipfels war dieser nach London gereist. Besonders brisant: Auf dem Gipfel kam es zum ersten offiziellen Termin zwischen Medwedew und US-Präsident Barack Obama. Beide betonten danach eine enge Zusammenarbeit ihrer Länder. Gleichzeitig lief die Spähaktion der NSA.

Der "Guardian" zitiert aus einem streng geheimen NSA-Papier, das offenbar auch an Geheimdienstler in Großbritannien, Kanada, Neuseeland und Australien weitergegeben wurde. Darin ist von "einer Veränderung in der Übertragungsart der russischen Führung" die Rede. Die Signalaktivität sei rund um die russische Botschaft in London festgestellt worden. Was mitgeteilt wurde - und worin die Veränderung genau besteht - ist offen. Klar ist nur, dass die Nachrichten in der Basis von Menwith Hill abgefangen wurden.

Treffen zwischen Obama und Putin geplant

Dennoch ist die Veröffentlichung eines Hackerangriffs auf solch hoher politischer Ebene bemerkenswert. Beim Treffen zwischen Obama und dem amtierenden russischen Präsidenten Wladimir Putin während des aktuellen G-8-Gipfels in Nordirland dürfte der Bericht für Gesprächsstoff sorgen.

Am Morgen war bekannt geworden, dass auch auf Großbritannien ein Abhörskandal zukommen dürfte. So hatten britische Spione im großen Stil die Kommunikation von Top-Diplomaten bei zwei G-20-Gipfeln in London im Jahr 2009 abgefangen. Mit der Aktion wollte die Regierung offensichtlich einen Verhandlungserfolg beim Gipfeltreffen sicherstellen.

jok

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insgesamt 57 Beiträge
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1. Frage an Experten
darthmax 17.06.2013
Wo ist das Problem? Geheimdienste arbeiten im Geheimen und Spione werden fürs Spionieren bezahlt.
2. Der Fehler passierte nie wieder
carolian 17.06.2013
Sogar das FAX mit dem Protokoll des Treffens von Gerhard Schröder als Bundeskanlzer der Bundesrepublik Deutschland wurde vom NSA abgefangen und genüsslich der Weltöffentlichkeit präsentiert. Deutschland wurde bewusst von seinen "Freunden" vorgeführt. Das FAX war selbstverständlich verschlüsselt und geheim. Damit merkten selbst die deutschen Geheimdienste, was "Echolon" ist.
3. Was soll daran ungewöhnlich sein?
franks meinung 17.06.2013
Das passiert jeden Tag irgendwo auf der Welt, dass hochrangige Diplomaten und Politiker belauscht werden. Kein Geheimdienst dieser Welt wird sich die Gelegenheit entgehen lassen, so sie sich ihm bietet.
4.
Ponce 17.06.2013
Ich lach mich schlapp. Zu Zeiten der Sowjetunion und des KGB wäre das mit Sicherheit nicht passiert. Daran sieht man mal, dass der russische Auslandsgeheimdienst um Längen schlechter ist als der alte KGB.
5.
krasmatthias 17.06.2013
Zitat von sysopNicht nur in der Heimat klinkte sich der US-Geheimdienst NSA in Mails und Telefonate ein - auch auf britischem Boden sind die Spione offenbar sehr aktiv. 2009 geriet der damalige russische Präsident Medwedew ins Visier der Überwacher. Hackerangriff: NSA-Spione fingen Medwedews Botschaften ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/hackerangriff-nsa-spione-fingen-medwedews-botschaften-ab-a-906107.html)
Das ganze Gerede vom neuen Vertrauen nach dem Kalten Krieg ist Unsinn! Niemand vertraut sich und der Westen tut alles, damit es so bleibt. 20 Jahre Ende des Kalten Krieges aber einen weltweiten Feiertag fuer die Annaeherung der Voelker wird es wohl nicht geben. Das waere des Menschen wuerdig aber die menschliche Spezies hat sich leider nicht weiterentwickelt, nur pruegelt man heute nicht mehr mit Keulen aufeinander ein.
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