Präsident Donald Trump Putins Werk, Clintons Beitrag

Eine Supermacht greift in den Wahlkampf einer anderen Supermacht ein: Der russische Cyberangriff in den USA ist ein Skandal. Vergessen sollte man nicht, dass Hillary Clinton für ihre Niederlage selbst verantwortlich ist.

Verliererin Hillary Clinton
AFP

Verliererin Hillary Clinton

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Die 25 Seiten, die die amerikanischen Geheimdienste zum angeblich aus Moskau koordinierten Hackingangriff veröffentlicht haben, werden die USA noch lange beschäftigen. Im Kern behaupten die Sicherheitsbehörden, Russlands Präsident Wladimir Putin persönlich habe eine Cyberkampagne befohlen, um Hillary Clintons Image zu zerstören und so Donald Trump zu helfen. Eine Supermacht fingert im Wahlkampf einer anderen Supermacht herum - welch ein Wahnsinn.

Angesichts der problematischen Geschichte von CIA, NSA und Co. kann man an der Darstellung seine Zweifel haben. Aber warum sollten die drei größten Geheimdienste die Geschichte eigentlich erfinden?

Erstens haben sie ihre Unterschrift unter ein Dokument gesetzt, mit dem sie ihren künftigen Chef in den Verdacht rücken, Präsident von Putins Gnaden zu sein. Das ist ein riskanter Schritt. Macht das jemand, der sich nicht sicher ist?

Zweitens ist das Papier eine kolossale Blamage für Amerika. Es lässt die zwei größten Parteien sowie die Regierung als digitale Trottel erscheinen, für die der Virenscanner ein Fremdwort ist. Putin dagegen steht da wie ein Mann, der von einem großen Schaltpult im Kreml aus mal eben die ganze Welt manipulieren kann. Streut jemand einen solch peinlichen Bericht, wenn er keine eindeutigen Ermittlungsergebnisse hat?

Allergrößtes Misstrauen gegen Putin ist richtig

Die Geschichte dürfte also im Wesentlichen stimmen. Und es ist richtig, Putin, der russischen Regierung und ihren Handlangern mit allergrößtem Misstrauen zu begegnen. Auch in Europa, wo Putins Vertraute mit der Finanzierung von rechtspopulistischen Parteien längst an der nächsten Destabilisierung arbeiten.

Richtig ist aber auch, daran zu erinnern, dass Hillary Clinton ihre Niederlage schon weitgehend selbst verursacht hat. Das geht in diesen Tagen ein wenig unter. Die Wahlcomputer wurden nicht angegriffen, auch das haben die Dienste noch einmal betont.

Wahrscheinlich hatten die von Hackern gestohlenen und von Wikileaks veröffentlichten E-Mails aus ihrem Umfeld einen Effekt. Der Effekt wäre aber weit weniger groß gewesen, hätte Clinton besser Wahlkampf gemacht und irgendwann einmal daran gedacht, eine Kommunikationsstrategie in Sachen E-Mail-Affäre zu erarbeiten.

Manche Demokraten gefallen sich derzeit allzu sehr als Opfer Moskaus. Hinter dem Thema Putin verschwindet, wie fahrlässig Clintons Kampagne Wähler im mittleren Teil der USA vernachlässigte. Dahinter verschwindet auch, dass die Demokratin keine Botschaft entwickelte, außer zu flöten, unter ihr würden sich schon alle irgendwie lieb haben. Und das Putin-Thema überdeckt, dass ihre Partei auch nach der Wahl nicht den Eindruck macht, als hätte sie eine Lektion gelernt.

Im Senat und im Abgeordnetenhaus sitzen die Methusalem-Politiker Chuck Schumer und Nancy Pelosi auf den Chefsesseln. Für den Posten des Parteivorsitzenden bewerben sich zweitklassige Männer. Obama kümmert sich nur darum, sein Erbe zu retten. Und alle schimpfen auf - Putin.

Für Trump werden es harte Jahre: Die Diskussion über die Legitimität seines Wahlsiegs dürfte seine Präsidentschaft überschatten. Verlassen sollte sich aber niemand darauf, auch die Demokraten nicht. Sonst geht es für sie 2020 wieder schief.

Meinungskompass
insgesamt 269 Beiträge
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Seite 1
spon-facebook-10000228292 09.01.2017
1. Richtig witzig ist,
das hier nicht das Versagen Clintons und der Wahrung geheimer Dokumente bzw. dem naiven Umgang mit ihnen, sondern dass diese Informationen geleakt wurden. Mir ist es egal, wer die Daten geleakt hat, denn die Information ist interessant und nicht der Bote.
Ein_denkender_Querulant 09.01.2017
2. Wahrheiten oder Lügen?
Haben die Russen Lügen erzählt, oder Stimmiges an den Tag gebracht?`Das sie es einseitig und selektiv machten, dass es die Wahl hätte beeinflussen können, mag unschön sein, es gab aber einen guten Blick in demokratische Verhältnische der Partei. Aber wenn selbst der Chaos Computer Club keine eindeutige Herkunft erkennt, sagt das viel. Irgendwie wirkt es nach der NSA-Affäre auf mich, als ob ein Schwerverbrecher schreit, weil ihn jemand bestohlen hat.
spon-facebook-10000168153 09.01.2017
3. Macht man sowas? Ja man macht!
"Erstens haben sie ihre Unterschrift unter ein Dokument gesetzt, mit dem sie ihren künftigen Chef in den Verdacht rücken, Präsident von Putins Gnaden zu sein. Das ist ein riskanter Schritt. Macht das jemand, der sich nicht sicher ist?" Nun die Amerikaner suchen im Irak immer noch nach den Atomwaffen. Die EU sollte die Amis und die Russen sehr kritisch betrachten.
joes.world 09.01.2017
4. So schön hat sich Clinton das ausgedacht, und so hart daran gearbeitet:
sie ist in der zweiten Amtszeit Obamas als Ministerin gegangen, um die Jahre zu nutzen, um alle wichtigen Player der Demokratischen Partei geschlossen hinter sich zu versammeln. Natürlich konnte ihr Bill dabei viel helfen. Der selber auch gerne wieder ins Weiße Haus eingezogen wäre. Monatelange Lobbying-Arbeit in eigener Sache. In den Hinterzimmern der Macht. So konnte sie die Vorwahl der Demokraten hinter den Kulissen schön dirigieren. Nur ein halbwegs ernst zu nehmender Kandidat trat gegen sie an, dem aber keine echten Chancen eingeräumt wurden, die Vorwahlen zu gewinnen. Alle gefährlichen Kandidaten konnten von Clinton im Voraus abgewehrt werden. Ähnlich, wie es Putin bei seiner Präsidentenwahl macht: nur die zuzulassen, denen man keine Chance ausrechnet, gegen einen selber zu gewinnen. Alle Stimmen der Superdeligierten hatte sich Clinton schon in den Jahren davor erarbeitet. Sie begann also den Vorwahlkampf mit einem immensen Vorsprung an Delegiertenstimmen für ihre Präsidentschaftsbewerbung. Und dann passierte es doch: der Außenseiter Sanders kam immer besser an. Das war so nicht vorgesehen. Also nützte Clinton ihre erarbeitete Machtstellung innerhalb der Demokraten und begann mit Intrigen gegen Sanders. Insgesamt wurde die Vorwahl der Demokraten immer mehr zur Farce. Als dann Trump, entgegen alle Vorhersagen, doch gewann, war der Schock bittergroß. So groß, dass Clinton etwas tat, das seit vielen Jahrzehnten mehr, kein unterlegener Kandidat gemacht hatte: sie sprach nach der Wahlniederlage nicht zu ihren Wahlhelfern. Die harrten völlig umsonst in einer extra dafür angemieteten Halle aus, um die, für deren Erfolg sie Monate lang gelaufen und gerackert hatten, noch einmal zu sehen. Um von Clinton mit tröstenden Worten für ihre unbelohnte Arbeit, verabschiedet zu werden. Denkste. Clinton brauchte diese Typen nun nicht mehr. Also kam sie auch nicht und ließ ihre Wahlhelfer, die meisten ehrenamtlich, schließlich von einem besseren Boten wegschicken, den Saal räumen. Und hier stimmte wohl der Spruch: in Extremsituationen lernst du erst den wahren Charakter eines Menschen kennen. Aber dann nahm Clinton doch ihre Arbeit rasch wieder auf: vor der Wahl (als sie noch glaubte, sicher zu gewinnen) hatte man aus ihrem Lager Trump vorgeworfen, den Sieg seiner Konkurrentin nicht anerkennen zu wollen. So er verliert. Und genau dies tat Clinton nun selber: sie anerkannte Trumps Sieg nicht an. Denn sie setzte Taten, um die Wahl, nach der Wahl, doch noch zu drehen. Die Grüne Kandidatin wollte just in den 3 Staaten, die Clinton zum Sieg fehlten, die Wahlen anfechten. Und nicht in den Staaten, in denen Clinton noch viel knapper gewonnen hatte. Und Clintons Anwälte waren von Anfang an voll dabei. Parallel dazu, wurde eine Petition im Internet gestartet, um Trumps Wahlmänner so unter Druck zu setzen, dass sie dann für sie anstatt ihm stimmen würden.
DJ Bob 09.01.2017
5. Sehr guter Beitrag
Aber selbst wenn Clinton einen Mitschuld für ihre Niederlage hat, bleibt denoch offen das zb in Pennsylvannia, Ohio, Florida etc die Ergebnisse so eng waren da kann man schon auf die Idee kommen das Putins "Vorstoß" das Zünglein an die Waage war für den Sieg Trumps. Auch die Einschätzung und glasklare Logik warum die Behauptung der 3 Sicherheitsdienste richtig wäre ist schlüssig. Mr Putin legt es drauf an "autoritäre" oder ähnliche Regierungen überall in der westlichen Welt man kann fast schon sagen zu "installieren" Da muss sich Obama die Frage gefallen zu lassen wie ein "Regionalmacht" das zustande bringen konnte. Nur hat Putin eins vergessen Mr Trump sitzt bei weitem nicht fest im Sattel. Denn die normalerweise zugestandene ersten 100 Tagen für den Präsidenten ist im Zeitalter von Twitter Soziale Netzwerke nicht mehr existent. Und wenn sein Klientel (und deren Geduld sehr dünn) merken das Ihre Jobs trotzdem weg sind oder sogar noch weiterhin wegfallen dann überlebt er politisch kein Jahr. Ich hab das Gefühl das wir nächstes Jahr in den USA Neuwahlen haben..Warum eigentlich nicht?? Herr Schröder hat auch vorzeitig hingeschmissen
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