Cyberattacke USA werfen Russland Wahlbeeinflussung vor

Die US-Regierung wirft Moskau erstmals direkt vor, mit einem Hacking-Angriff die Präsidentschaftswahl beeinflussen zu wollen. Nur "höchstrangige Beamte" hätten diese "Aktivitäten" erlauben können.

Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten
AP

Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten


Russische Hacker sollen mit Erlaubnis von oberster Stelle in amerikanische Computersysteme eingedrungen sein. Ziel sei es gewesen, die anstehenden US-Präsidentschaftswahlen zu beeinflussen. So steht es in einem Statement, welches das US-Heimatschutzministerium und das Büro des nationalen Geheimdienstdirektors am Freitag veröffentlicht haben.

Schon Anfang September hatten die US-Behörden ihre Ermittlungen gegen russische Hackergruppen intensiviert, nachdem es Hinweise auf eine Einflussnahme auf den US-Wahlkampf gegeben hatte. Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte gehackte E-Mails von Mitgliedern und Mitarbeitern des Parteivorstandes der Demokraten veröffentlicht. Die Nachrichten enthielten abfällige Kommentare über den in den Vorwahlen gegen Hillary Clinton unterlegenen Bernie Sanders. Eine russische Hackergruppe namens Guccifer 2.0 hatte die Verantwortung für den Angriff übernommen.

Der Republikaner Donald Trump sorgte für Empörung, als er Russland nach der Attacke aufforderte, nun auch in das E-Mail-System Clintons einzudringen. Moskau solle die rund 30.000 E-Mails aus Clintons Zeit als Außenministerin besorgen, weil sie diese nicht habe veröffentlichen wollen. Angeblich ein sarkastischer Kommentar, wie Trump später abwiegelte.

Kreml-Sprecher weist Vorwürfe zurück

Die USA erheben jetzt zum ersten Mal offiziell den Vorwurf, dass Russland die Attacken steuere. In der Stellungnahme der US-Behörden heißt es, die E-Mails "sollen den Wahlkampf in den USA stören". Mit Blick auf das Ausmaß und das vorsichtige Vorgehen glauben die Amerikaner, dass nur Russlands "höchstrangige Beamte diese Aktivitäten erlauben konnten". Präsident Wladimir Putin und die russische Regierung werden nicht namentlich genannt.

Wie die USA auf die Cyberattacken reagieren werden, ist noch unklar. Barack Obama hat sich bisher nicht zu den jüngsten Vorwürfen gegen Moskau geäußert. Experten haben jedoch in den vergangenen Wochen immer wieder diskutiert, ob die USA weitere Wirtschaftssanktionen verhängen oder selbst einen verdeckten Hacking-Angriff auf russische Server unternehmen sollten.

Ein Kreml-Sprecher wies die Vorwürfe aus Washington zurück. Das sei "Unsinn", sagte Dmitrij Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax. "Unsere Website wird tagtäglich von Zehntausenden Hackern angegriffen."

Mit der offiziellen Schuldzuweisung verschlechtert sich das russisch-amerikanische Verhältnis weiter. Zuletzt hatten beide Seiten Gespräche über ein Fortkommen im Syrienkonflikt abgebrochen. US-Außenminister John Kerry forderte nach den jüngsten Angriffen russischer und syrischer Streitkräfte auf Aleppo, man müsse mögliche "Kriegsverbrechen" untersuchen.

mja/dpa/Reuters



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