Camp Pendleton - Das Massaker von Haditha ist eines der schwersten Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak: Am 19. November 2005 zog eine Einheit von Marineinfanteristen in einem regelrechten Rachefeldzug durch die Stadt Haditha in der Provinz al-Anbar im Nordwesten des Irak. Rund drei Stunden lang gingen sie von Haus zu Haus, schossen auf unbewaffnete Bewohner und töteten 24 Menschen, darunter zehn Frauen und Kinder. Zuvor war ihr Militärkonvoi auf einen Sprengsatz gefahren; ein Kamerad war dabei ums Leben gekommen.
Jetzt, sieben Jahre später, hat sich ein amerikanischer Unteroffizier im letzten Militärprozess um das Verbrechen schuldig bekannt. Frank Wuterich erklärte am Montag vor einem Militärgericht im Bundesstaat Kalifornien, seine Dienstpflicht verletzt zu haben.
Die US-Armee hatte anfangs erklärt, die Zivilisten seien durch einen Sprengsatz ums Leben gekommen. Recherchen des US-Magazins "Time" brachten das Massaker 2006 schließlich ans Licht. Die "New York Times" veröffentlichte im Dezember Informationen aus streng geheimen Unterlagen über die Gräueltat.
Nach einer Vereinbarung zwischen Anklage und Verteidigung darf Wuterich allerdings auf ein mildes Urteil hoffen: Demnach erkennt der 31-Jährige eine Schuld wegen Verletzung der Dienstpflicht an und übernimmt damit die Verantwortung für den Befehl, der zu den Tötungen geführt hatte. Im Gegenzug ließ die Anklage den Vorwurf des Totschlags in neun Fällen fallen. Der Vereinbarung zufolge drohen dem Soldaten nach dem Schuldeingeständnis lediglich maximal drei Monate Haft. Weiterhin könnte der Unteroffizier zum einfachen Gefreiten degradiert und mit Gehaltseinbußen bestraft werden. Ein Urteil wird für Dienstag erwartet.
Gegen sieben andere Soldaten, die wegen des Haditha-Massakers beschuldigt worden waren, wurde das Strafverfahren bereits eingestellt. Wuterich, der die Einheit befehligt hatte, stand seit Anfang Januar vor Gericht. Der Unteroffizier hatte zunächst alle Vorwürfe von sich gewiesen. In einem Interview der CBS-Dokumentarsendung "60 Minutes" hatte Wuterich jedoch bereits im Jahr 2007 eingeräumt, seine Einheit angewiesen zu haben, "zuerst zu schießen und dann zu fragen". Der Unteroffizier hatte vor dem fatalen Patrouillengang in Haditha keinerlei Kampferfahrung.
Die Entscheidungen der US-Militärjustiz zum Haditha-Massaker hatten in der irakischen Bevölkerung immer wieder für Empörung gesorgt. Im Dezember waren die letzten US-Truppen aus dem Zweistromland abgezogen worden. Eine weitere Stationierung war daran gescheitert, dass Bagdad den US-Soldaten keinen Schutz vor Strafverfolgung gewähren wollte.
lgr/AFP/dapd/AP
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