Haft in Damaskus US-Student berichtet von Folter in syrischem Geheimknast

Er war am falschen Ort zur falschen Zeit: Der US-Student Pathik Root geriet in die Nähe von regierungskritischen Protesten in Damaskus - und verschwand für zwei Wochen in einem syrischen Knast. Auf CNN berichtet er nun, wie brutal das Regime gegen seine Mithäftlinge vorging.

Student Root: Blutverschmierte Teppiche in der "Baghdad-Straße"
AP / The Burlington Free Press

Student Root: Blutverschmierte Teppiche in der "Baghdad-Straße"

Von Yassin Musharbash


Berlin - Es war der 18. März, als Pathik Root, Student am Middlebury College im US-Bundesstaat Vermont, während einer Sprachreise nach Syrien verschwand. "Ich wurde aufgegriffen, weil ich mit einem Blackberry etwa 90 Meter von einer Demonstration entfernt stand", sagte er in seinem ersten Interview nach der Freilassung dem Nachrichtensender CNN. Die syrischen Behörden hätten ihn "entweder für einen Journalisten oder einen CIA-Agenten gehalten." In seinem Pass befanden sich Stempel aus anderen Staaten der Region, unter anderem Jemen und Ägypten. Das habe ihn anscheinend verdächtig gemacht.

Zuhause in den USA wusste niemand, warum der 21-Jährige sich auf einmal nicht mehr meldete. Erst am 26. März wurde seine Festnahme bestätigt. Nach insgesamt 15 Tagen, am 1. April, kam Root schließlich frei.

Was er in der Zwischenzeit erlebte, wirft ein Schlaglicht auf die Methoden des syrischen Regimes, das sich seit einigen Wochen einem schwelenden Aufstand gegenübersieht. Er sei zeitweise mit 22 Personen in einer Zelle festgehalten worden, die etwa 13 Quadratmeter groß gewesen sei. "Mir selbst blieb ein Teil der physischen Gewalt erspart", berichtete er CNN. "Aber ungefähr drei Viertel der Anderen wurden ziemlich brutal geschlagen." So brutal, dass die Teppiche mit Blut eingefärbt waren. Ein Mann, so Root, sei derartig auf den Fuß geschlagen worden, dass seine Zehnägel ausfielen. Auch Elektroschocks hätten die Schergen des Regimes eingesetzt. Er selbst, vermutet Root, hätte im Staats-TV vorgeführt werden sollen. Dazu kam es aber nicht.

Geheimknast in der Bagdad-Straße?

Bei seiner Freilassung spielten offenbar Politiker in seinem Heimatstaat Vermont eine Rolle, außerdem das US-Außenministerium, aber auch der syrische Botschafter in den USA.

Der Knast, in dem er festgehalten wurde, gab Root in dem Interview anderen Angehörigen von Gefangenen mit auf den Weg, liege in der "Baghdad Straße " in Damaskus. Diese Adresse sei nicht allgemein bekannt - Root vermutet, dass er in einem Geheimknast saß.

Bis Januar hatte Root noch in Ägypten studiert. Er verließ das Land aber vorsorglich, als es dort zu Unruhen kam, die später in einer Revolution mündeten. Von Vermont aus, berichtete der "Addison County Independent", entschied er sich, seine Studien in Syrien fortzusetzen. Er hielt es für den ruhigsten Ort in der Region, wo Unruhen am wenigsten wahrscheinlich wären. Es kam anders.

In Syrien starben glaubwürdigen Berichten zufolge mittlerweile über hundert Demonstranten. Der Schwerpunkt des Aufstandes liegt im Norden und im Süden des Landes. In Daraa nahe der jordanischen Grenze nahmen die Proteste ihren Anfang, seit griffen dann auf Latakia an der Mittelmeerküste über. In beiden Städten kamen etliche Menschen ums Leben. Auch in der Hauptstadt Damaskus gab es Demonstrationen und Verhaftungen. Noch aber ist keine wirklich flächendeckende Revolte zustande gekommen.

Syriens Präsident Baschar al-Assad hat Reformen versprochen und seine Regierung umgebildet. Doch die Opposition glaubt seinen Versprechen nicht und will die Proteste weiterführen.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
albert schulz 05.04.2011
1. Spitzenmeldung
Zitat von sysopEr war am falschen Ort zur falschen Zeit: Der US-Student Pathik Root geriet in die Nähe von regierungskritischen Protesten in Damaskus - und verschwand für zwei Wochen in einem syrischen Knast. Auf CNN berichtet er nun, wie brutal das Regime gegen seine Mithäftlinge vorging. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,755143,00.html
Und so wahnsinnig glaubhaft wie alles, was aus Amerika kommt. Oder aus irgendeinem anderen Teil der Welt. Immer irgendwie amerikanisch. Die Amis sind so bombengut und behüten uns vor jeder Moral und Information. Ich glaube nur an den Osterhasen.
ratem 05.04.2011
2. Wozu die Aufregung?
Da kennen wir doch ganz andere bekannte Staaten, die Personen sogar aus befreundeten Drittländern entführen, um sie dann in ihren Folterknasts in Afghanistan, Polen oder Guantanamo verschwinden zu lassen. Also ... kein Grund mit dem Finger auf Syrien zu zeigen ... die wahren Ferkel sitzen woanders.
albert schulz 05.04.2011
3. Freibier für alle
Beim zweiten Durchlesen fiel mir dann doch auf, daß Syrien neben dem Iran wohl das letzte Land der Unwilligen ist, also nicht so wahnsinnig überzeugt von der Wohltätigkeit des Westens, auch wenn es kein Öl hat wie Libyen, das ja derzeit vom Gutmenschentum human überrollt wird. Obwohl sich Syrien seit Jahren nach der Decke streckt und fast so folgsam ist wie Rußland. Demnächst werden wohl alle Guten die Menschenrechte nach Syrien bringen, ob denen das paßt oder nicht. Irgendwie langweilig, immer die gleiche Show mit den immer gleichen Argumenten und Vorwürfen. Ob es danach gar keine menschenverachtenden Diktaturen mehr geben wird ? Man kann keineswegs leugnen, daß es positive Aspekte gibt, wenn ein Staat verantwortlicher Weltpolizist ist. Man kann hoffen, aber in Grenzen.
thunderhand 06.04.2011
4. guantanamo haben
Zitat von sysopEr war am falschen Ort zur falschen Zeit: Der US-Student Pathik Root geriet in die Nähe von regierungskritischen Protesten in Damaskus - und verschwand für zwei Wochen in einem syrischen Knast. Auf CNN berichtet er nun, wie brutal das Regime gegen seine Mithäftlinge vorging. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,755143,00.html
und sich dann beschweren-lachhaft!
frubi 06.04.2011
5. .
Zitat von ratemDa kennen wir doch ganz andere bekannte Staaten, die Personen sogar aus befreundeten Drittländern entführen, um sie dann in ihren Folterknasts in Afghanistan, Polen oder Guantanamo verschwinden zu lassen. Also ... kein Grund mit dem Finger auf Syrien zu zeigen ... die wahren Ferkel sitzen woanders.
So siehts aus. Ich würde sogar mal behaupten, dass um das Jahr 2001 herum Folterungen in Nordafrikanischen Staaten an möglichen Terroristen von den Amerikanern begrüßt und ggf. unterstützt wurden. Das Interesse der amerikanischen Regierung zu der Zeit war jedenfalls nicht die Einführung der Demokratie in diesen Staaten. Ich finde es daher auch etwas zynisch wenn die Amerikaner nun derart erschrocken sein sollen zu was Gaddafi im Stande ist. Daher ist die deutsche Entscheidung gegen einen Militäreinsatz auch mehr als richtig. Vor allem dann, wenn man in 10-15 Jahren eventuell feststellen sollte, dass man eine Taliban 2.0 hochgerüstet hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.