400 Tage Haft in Kairo Australischer Al-Jazeera-Reporter Greste ist frei

Der australische TV-Journalist Peter Greste ist auf dem Weg in sein Heimatland. Ägypten hat nach 400 Tagen Haft die Abschiebung des Al-Jazeera-Reporters angeordnet - das Schicksal seiner beiden arabischen Leidensgenossen ist unklar.

REUTERS

Kairo - Peter Greste befindet sich offenbar auf dem Weg in sein Heimatland Australien. Er habe ein Flugzeug in Richtung Zypern bestiegen, berichtete ein Flughafenvetreter.

Kurz zuvor hatte Ägypten nach 400 Tagen in einem Kairoer Gefängnis die Abschiebung des inhaftierten australischen Al-Jazeera-Reporters angeordnet. Nach einem Erlass von Präsident Abdel Fattah el-Sisi konnte Greste das Gefängnis verlassen, wie die ägyptische Nachrichtenagentur Mena am Sonntag berichtete.

Der Reporter war gemeinsam mit zwei Kollegen des arabischen Fernsehsenders Al Jazeera Ende 2013 festgenommen worden - wegen angeblicher Unterstützung der islamistischen Muslimbruderschaft. Außerdem hätten sie Berichte gefälscht, um Ägypten zu schaden.

Verlobte: "Wir sind voller Hoffnung"

Ein Gericht verurteilte sie im Juni vergangenen Jahres zu Haftstrafen zwischen sieben und zehn Jahren. Beweise dafür, dass Greste und seine Kollegen Muslimbrüder nicht nur interviewt, sondern aktiv unterstützt hätten, konnte die Staatsanwaltschaft nicht vorlegen.

Das Urteil stieß weltweit auf scharfe Kritik. Im Januar entschied ein Kassationsgericht, der Prozess gegen die Angeklagten solle neu aufgerollt werden. Unter dem Hashtag #FreeAJStaff hatten sich Al Jazeera und andere immer wieder öffentlich für die Freilassung der Reporter eingesetzt.

Greste, Jahrgang 1965, solle nun den Rest seiner siebenjährigen Haftstrafe in Australien absitzen, sagte ein Vertreter des Innenministeriums in Kairo am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Über das Schicksal seiner beiden Kollegen, dem ägyptisch-kanadischen Al-Jazeera-Bürochef in Kairo, Mohammed Fadel Fahmi, und dem ägyptischen TV-Produzenten Baher Mohammed, wurde zunächst nichts bekannt. Al Jazeera zufolge befinden sie sich noch im Gefängnis.

Der Sender teilte mit, er würde keine Ruhe geben, solange die beiden nicht in Freiheit seien. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sagte die Verlobte von Mohammed Fadel Fahmi kurz nach der Freilassung von Greste: "Seine [Fahmis] Abschiebung steht kurz bevor. Wir sind voller Hoffnung."

Festnahme kurz nach Weihnachten

Kairo betrachtet Al-Jazeera als Sprachrohr der Regierung in Katar, wo der Sender seinen Sitz hat. Kairo wirft Katar vor, die Muslimbrüder zu unterstützen. Die Bewegung selbst wurde in Ägypten nach dem Sturz des aus der Muslimbruderschaft hervorgegangenen Präsidenten Mohammed Mursi als Terrororganisation eingestuft und verboten.

Aus Sicht vieler Ägypter hat der Sender den Auftrag, das Land zu destabilisieren, diese Meinung wird von lokalen Medien häufig noch geschürt - dort wurden die Journalisten als "Marriott-Zelle" bezeichnet, in Anlehnung an das Hotel, von dem aus sie arbeiteten.

"Ich bin ein Journalist mit 30 Jahren Berufserfahrung und erst zwei Wochen vor meiner Festnahme in Ägypten gelandet", sagte Greste während des Prozesses, als er in Handschellen vor den Richter trat. "Die Idee, ich würde mit der Muslimbruderschaft verbunden sein, ist grotesk."

Grestes Verhängnis begann damit, dass er Ende 2013 einer Kollegin einen Gefallen tun wollte: Damit die für Kairo zuständige Reporterin von Al Jazeera Weihnachten mit ihrer Familie feiern konnte, bot der eigentlich als Afrika-Korrespondent in Kenia stationierte damals 48-Jährige an, sie zu vertreten.

Heiligabend skypte er noch mit seinen Eltern, sprach davon, dass das Klima für Journalisten in Ägypten immer unangenehmer werde. Er werde angefeindet, könne sich nicht mehr mit einem Notizbuch in der Hand auf die Straße wagen. Vier Tage später wurden er und seine beiden Kollegen in dem Nobelhotel verhaftet.

lgr/Reuters/AFP/AP/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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Phildemos 01.02.2015
1. Und jetzt?
Es wäre vielleicht noch interessant gewesen, zu erfahren, wie die australische Regierung jetzt reagieren will. Muss er jetzt die Reststrafe in Australien absitzen? Was tut Australien, um Ägypten für die Freiheitsberaubung zu bestrafen? Sanktionen? Oder wird das Militär wie von den USA noch mit Geldgeschenken belohnt?
flexoflix 01.02.2015
2. Recherchiert ihr eigentlich überhaupt was?
"Er habe ein Flugzeug in Richtung Zypern bestiegen" Das bedeuted für mich er ist ein freier Mann, was ja auch die Überschrift suggeriert. "Den Rest der Strafe in Australien absitzen"... was heißt das jetzt? Muss er die Strafe absitzen? wird er nach Australien überführt? Die wichtigen Informationen fehlen einfach...
LS8361 01.02.2015
3. Peter Greste ist auch EU-Bürger
Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch die EU aktiv bei der Freilassung mitgewirkt hat. Peter Greste ist nicht nur Staatsbürger Australiens, sondern auch des EU-Staates Lettland, das von 1-6/2015 die Ratspräsidentschaft der EU innehat. Greste ist Sohn lettischer Flüchtlinge nach dem 2.Weltkrieg und daher Doppelstaatsbürger von Australien und Lettland. Die Botschafterin Lettlands in Kairo hat dort bereits monatelang über die Freilassung von Greste verhandelt. Greste hat auch schon mitgeteilt, dass er für die Freilassung seiner beiden Kollegen kämpfen wird.
Philibus 01.02.2015
4. Reststrafe?
das mit dem Absitzen der Reststrafe ist blanker Unsinn. Das wird nur aus innenpolitischen Überlegungen von den Ägyptern behauptet. Sollte man nicht unhinterfragt einfach so verbreiten.
derdesillusionierte 01.02.2015
5. Hier muss sich
der Westen den Vorwurf gefallen lassen, diese Militärdiktatur erst geschaffen zu haben. Durch die Unterstützung des illegalen Putsches des Militärs gegen den demokratisch gewählten Mursi, konnte so etwas unerhörtes wie das Vorgehen gegen Journalisten und Parteien (Muslimbrüder) erst möglich werden.
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