Gefängnis in Pakistan: Inhaftierter indischer Spion stirbt nach brutaler Attacke

Indische Schulkinder beten für Singh (vor seinem Tod): Rettet Sarabjit Singh Zur Großansicht
AP/dpa

Indische Schulkinder beten für Singh (vor seinem Tod): Rettet Sarabjit Singh

Ein in Pakistan inhaftierter indischer Spion ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Er war von Mithäftlingen in Lahore mit Steinen brutal angegriffen worden und ins Koma gefallen. Indiens Premier reagiert empört und fordert Aufklärung.

Lahore - Gegen 1 Uhr lokaler Zeit stellten Ärzte im pakistanischen Lahore am Donnerstag den Tod von Sarabjit Singh fest. Der Tod des Patienten löst in Indien und Pakistan große Aufregung aus: Singh war angeblich ein indischer Spion, in Pakistan inhaftiert.

Mehrere Mithäftlinge attackierten ihn vergangene Woche brutal mit Steinen und verletzten ihn schwer. Er erlitt unter anderem einen Schädelbasisbruch. Singh fiel ins Koma, aus dem er nicht mehr erwachte.

Indiens Premier Manmohan Singh erklärte, er sei "tieftraurig über den Tod von Sarabjit Singh" und würdigte ihn als "mutigen Sohn Indiens". Per Twitter forderte er: "Die Kriminellen, die für diese barbarische und mörderische Attacke auf Sarabjit Singh verantwortlich sind, müssen zur Rechenschaft gezogen werden."

Sarabjit Singh war vor 16 Jahren als Spion zur Todesstrafe verurteilt worden. Er soll in eine Serie von Bombenanschlägen in der pakistanischen Provinz Punjab verwickelt gewesen sein, bei der 1990 insgesamt 14 Menschen starben.

Nach Angaben seiner Familie handelte es sich bei Singhs Festnahme um eine Verwechslung. Seine Gnadengesuche wurden von Gerichten und zuletzt 2008 von dem damaligen Präsidenten Pervez Musharraf abgewiesen. Musharraf setzte allerdings seine Hinrichtung damals aus.

Unklar ist, wie sich der Tod Singhs auf das Verhältnis von Indien und Pakistan auswirkt. Die rivalisierenden Nachbarländer haben sich seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 immer wieder bekämpft. Die Beziehungen gelten noch immer als angespannt, haben sich aber in den vergangenen Jahren verbessert.

Premier Singh erklärte jetzt auch, es sei "sehr bedauerlich", dass die Regierung in Islamabad nicht den früheren Appellen aus Indien gefolgt sei, in dem Fall Menschlichkeit zu zeigen. Ein Sprecher des indischen Außenministeriums bekräftigte, dass indische Häftlinge in Pakistan besser geschützt werden müssten.

Wegen des Angriffs auf Singh hat die Justiz bereits zwei Mithäftlinge angeklagt, wie Polizeivertreter von Lahore am Donnerstag mitteilten. Gegen sie werde nun auch wegen Mordes ermittelt. Die beiden Männer, die von der Polizei öffentlich Aamir und Mudasir genannt werden, waren bereits nach dem Angriff in der vergangenen Woche in besonderen Gewahrsam innerhalb der Haftanstalt genommen worden.

kgp/AFP

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insgesamt 5 Beiträge
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1. optional
amorphus 02.05.2013
Andere Länder andere Sitten. Wenn es stimmt das der Inhaftierte 14 Menschenleben ausgelöscht hat und in Pakistan spioniert hat dann ist die indische und politische Anteilnahme an seinem Tod doch merkwürdig. Natürlich ist die Art und Weise wie dieser zu Tode gekommen ist wiederwärtig, aber das ist ja nicht einmal Gegenstand der allgemeinen Kritik. Ich habe die Befürchtung das obiger Artikel einfach nicht dazu taugt sich ein wirkliches Bild davon machen zu können über die tatsächlichen Befindlichkeiten die da herrschen.
2. Es werden..
tamtamm 02.05.2013
sehr oft indische Bombenleger hinter den Anschlägen in Pakistan vermutet. Das geht bis in die heutige Zeit hinein. Aber in den Schlagzeilen steht da immer nur, dass angeblich Taliban hinter den Anschlägen in Pakistan stecken.....
3.
thanks-top-info 02.05.2013
brutal mit Steinen... geht's auch anders?
4.
wynkendewild 02.05.2013
Zitat von sysopEin in Pakistan inhaftierter indischer Spion ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Er war von Mithäftlingen in Lahore mit Steinen brutal angegriffen worden und ins Koma gefallen. Indiens Premier reagiert empört und fordert Aufklärung. Haft in Pakistan: Indischer Spion Singh stirbt nach brutaler Attacke - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/haft-in-pakistan-indischer-spion-singh-stirbt-nach-brutaler-attacke-a-897626.html)
Zwischen beiden Staaten tobt ja schon seit Jahrzehnten ein kalter Krieg, der Kaschmir-Region wegen. Ich vermute mal, dass dieser Agent gezielt in einen Knast verlegt wurde, wo man für seine Sicherheit keine Garantie abgeben könnte. Indien wollte den vielleicht nicht wieder zurückschicken.So kann der Staat seine Hände in Unschuld waschen, schließlich kommt es in Gefängnissen häufiger zu Übergriffen und Pakistan hat einen Spion verloren. Führen Staaten gegeneinander "Krieg" wird jeder zu einem "Patrioten" gemacht, der für die Zwecke der Regierung eingesponnen wird.
5. Gescheiterte Staaten
FfM2013 03.05.2013
In den mehr als 20 Jahren Haft konnte Sarabjit Singh nicht als Spion oder Terrorist bewiesen werden. Das weiss man in Pakistan auch. Wie kann jemand, der in EINZELHAFT unter strenger Sicherheit inhaftiert ist, von anderen Häftlingen angegriffen werden? Es war ein geplanter Akt, bei dem der Wächter die Türe öffnete und zwei Personen mit Steinen reinlies. Man lies Singh 2 Stunden(!) lang im Gefängnis verbluten, bevor man ihm ins Jinnah-Hospital Lahore brachte. Seiner Familie wurde kurzfristig ein Visum gewährt, aber die Ärzte durften nur jene Informationen zum Gesundheitsstand geben, bei denen die Polizei d'accord war... Die dortige Regierung kann nun vor allem bei den Fundamentalisten und Hardlinern Wahlkampf betreiben. Wie Singh sind noch etliche Menschen, beispielsweise Fischer die mit ihrer spatanischen Bootsnavigation versehentlich in feindliches Gewässer geraten inhaftiert und werden gefoltert. In diesen Ländern kann nur Normalität einkehren, wenn die Bevölkerung demokratisiert wird. Es ist ein langer Weg, jedoch ist die Zeit überreif dafür.
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