Haftstrafe für britischen Ex-Minister Bitteres Ende eines Glamour-Paares

Der Fall erregte die ganze Nation: Offiziell ging es um Täuschung der Justiz, doch der Prozess gegen den früheren britischen Minister Chris Huhne und seine Ex-Frau Vicky Pryce gab tiefe Einblicke in menschliche Triebe wie Ehrgeiz und Rache. Nun wurde das vormalige Power-Paar verurteilt.

Getty Images

Es ist der Schlusspunkt unter einen Prozess, der Großbritannien monatelang in Atem hielt - eine nicht enden wollende Seifenoper voller emotionaler Wendungen und bitterer Enthüllungen: Chris Huhne, 58, der frühere Energieminister der liberalkonservativen Koalition, und seine Ex-Frau Vicky Pryce, 61, wurden am Montag vom Southwark Crown Court in London zu je acht Monaten Haft verurteilt.

Ihr Vergehen: Huhne war 2003 auf der Autobahn in der Nähe von London geblitzt worden und hatte seiner Frau die drei Raser-Punkte zugeschustert. Er wollte seinen Führerschein nicht verlieren, weil er für seinen Unterhauswahlkampf das Auto brauchte. Nun wurden beide wegen Täuschung der Justiz verurteilt.

Aus der kleinen Lüge war ein großer Skandal geworden, als Pryce nach der Scheidung im Frühjahr 2011 mit der Geschichte an die Öffentlichkeit ging. Huhne hatte sie nach 26 Ehejahren für eine Mitarbeiterin verlassen - und Pryce wollte Rache. In der "Sunday Times" lancierte die gehörnte Ehefrau damals anonym das Familiengeheimnis, das ihren Ex-Mann die Karriere kosten sollte. "Ich möchte ihn fertigmachen", erklärte sie der Journalistin.

Wütende SMS des Sohnes

Einige Monate später hatte Pryce ihr Ziel erreicht: Huhne trat nach vielen Dementis im Februar 2012 von seinem Ministeramt zurück. Doch damit war die Geschichte noch nicht ausgestanden. Die Justiz kam nun erst richtig in Fahrt, und Pryce fand sich als Komplizin ihres Ex-Mannes auf der Anklagebank wieder.

Die Aufklärung des Falles erfolgte dann vor den Augen der gesamten Nation. Fassungslos verfolgten die Briten, wie die beiden Ex-Gatten sich gegenseitig immer tiefer ins Desaster trieben. Belastende E-Mails, Zeugenaussagen, selbst die wütenden SMS des Teenager-Sohnes an den lügenden Vater wurden in allen Details öffentlich abgedruckt und diskutiert.

Huhne wurde als herzloser, unmoralischer Karrierist dargestellt, seine Frau als rachedurstige Furie, die in ihrer unbändigen Wut alles nur noch schlimmer machte. Vor Gericht erklärte Pryce unter anderem, Huhne habe sie zu einer Abtreibung gezwungen.

Zwei ruinierte Karrieren

Dabei waren sie einst das goldene Paar des Parlamentsviertels Westminster: Er ein Minister mit Ambitionen auf den Parteivorsitz der Liberaldemokraten, sie eine bekannte Ökonomin und bestens vernetzte Sozialdemokratin. Nun sind beide Karrieren zerstört, das Familienleben vollends ruiniert.

Bevor er seine Haftstrafe antrat, war Huhne am Montag bereits dabei, seinen Ruf zu reparieren. In einer Reihe von Interviews zeigte er Reue. Es tue ihm leid, dass er seine Familie und Freunde in diese "zermürbende Erfahrung" hineingezogen habe, sagte er dem "Guardian".

Zuletzt war in Leserbriefen und Online-Diskussionen vereinzelt Mitleid mit den beiden Angeklagten aufgekommen. Sie seien genug gestraft, lautete eines der Argumente. Wem sei damit gedient, wenn sie nun auch noch im Gefängnis säßen?

Richter Nigel Sweeney sah indes keinen Grund für Milde. Wenn der Fall Elemente einer Tragödie habe, sagte er den beiden Verurteilten, sei dies ganz und gar ihre Schuld.



insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
grobian24 11.03.2013
1. Normal
Völlig normal dieses Paar. Der Unterschied zu den anderen "Vorzeigepaaren" ist das ihr Umgang miteinander in der Zeitung steht.
expendable 11.03.2013
2. Wenn´s dem Esel zu gut geht...
...geht er aufs Eis tanzen. Die beiden haben aus schierer Dummboshaftigkeit mit dem Ar*** umgeschmissen, was sie mit den Händen aufgebaut haben. Da sieht man mal wieder, das das bei weitem wichtigste im Leben ein Partner ist, dem man blind trauen kann. Wenn das nicht gegeben ist, kann auch der tollste Höhenflug im Totalabsturz enden. Was solls, die 2-3 Jährchen, die sie von den 8 wirklich absitzen, holen die Überflieger wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Sollte man prinzipiell jedem Politiker empfehlen, damit die aufgeblasenen, abgehobenen Gestalten nicht am Ende noch vor Dünkel zerplatzen.
Kimoya 11.03.2013
3. @expendable
..richtig lesen. die sollten nicht 8 jahre, sondern lediglich 8 monate absitzen
raly 11.03.2013
4. ...
Zitat von expendable...geht er aufs Eis tanzen. Die beiden haben aus schierer Dummboshaftigkeit mit dem Ar*** umgeschmissen, was sie mit den Händen aufgebaut haben. Da sieht man mal wieder, das das bei weitem wichtigste im Leben ein Partner ist, dem man blind trauen kann. Wenn das nicht gegeben ist, kann auch der tollste Höhenflug im Totalabsturz enden. Was solls, die 2-3 Jährchen, die sie von den 8 wirklich absitzen, holen die Überflieger wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Sollte man prinzipiell jedem Politiker empfehlen, damit die aufgeblasenen, abgehobenen Gestalten nicht am Ende noch vor Dünkel zerplatzen.
haben sie den Artikel eigentlich gelesen? Die Rede war nicht von 8 Jahren, sondern von 8 Monaten... Eigentlich vermeide ich es Mitforisten auf derlei Missverstaendnisse hinzuweisen, die ja vorkommen - hier allerdings ist das ein wenig anders: Sie hielten es also fuer angemessen jemanden fuer 8 JAHRE der freiheit zu berauben, nur weil die Person 3 Verkehrspunkte auf sich genommen beziehungsweise abgegeben hatte (sie bezeichnen diesen Vorgang gar als Boshaft - das ist schon erstaunlich) und das alles mit der Begruendung, dass die ja Politiker sein... Das koennen sie doch nicht ernsthaftig behaupten. Ich persoenlich finde es schon sehr hart die zwei mit je 8 Monaten Haft fuer eine Lappalie zu bestrafen
maliperica 11.03.2013
5. Nur ein Ehepaar, ein von Millionen...
...mit leider einer traurigen Geschichte. Was nicht bei der Betrachtung dieser persönlichen Geschichte fehlt ist die übermüßige Interesse der Öffentlichkeit es einsehen zu dürfen, wie sich die ehemalige Eheleute öffentlich zerfleischen. Dieser Voyeurismus des breiten Publikums und Mitspielen des Gerichtes und Medien ist etwas was auch unter die Kuppe der öffentlichen Interessen stehen dürfte. Wo beginnt und endet das persönliche private was eigentlich niemanden interessieren sollte, besonders nicht ein Publikum das selbst in zahllosen Varianten eigene ähnliche Geschichten lebt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.