Haider brüllt wieder Chirac ist ein "Westentaschen-Napoleon"

Nach seinem Rücktritt vom Amt des FPÖ-Chefs kann Jörg Haider sich wieder auf das konzentrieren, was er am besten kann: lautstark auf sich aufmerksam machen. Besonders auf Jacques Chirac hat der Rechtspopulist es dabei wieder abgesehen.


Wien - Österreich brauche keinen "Westentaschen-Napoleon des 21. Jahrhunderts", sagte Haider über Chirac am Mittwochabend bei einer Veranstaltung der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei (FPÖ) in Ried in Oberösterreich. Chiracs ausgestreckter Zeigefinger habe die moralische Qualität eines Pinocchio, fügte er hinzu. Zur Kritik aus der EU und dem Ausland an der Regierungsbeteiligung der FPÖ sagte Haider, die Zeit der Besatzungsmächte in Österreich sei seit 1955 vorbei.

Jörg Haider in seinem Element
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Jörg Haider in seinem Element

Haider, der sich vor zehn Tagen von der FPÖ-Spitze zurückgezogen hatte, kritisierte beim "politischen Aschermittwoch der FPÖ" nach Zeitungsberichten auch den österreichischen Präsidenten Thomas Klestil. Er habe Österreich nicht gegen die EU verteidigt und versucht, die Sozialdemokraten (SPÖ) in der Regierung zu halten. Haider sagte, er hoffe aus dem "ungläubigen Thomas einen gläubigen" zu machen, der einsehe, dass der Wechsel in Österreich notwendig gewesen sei. Im Volksmund habe es geheißen, dass der frühere österreichische Bundespräsident Kurt Waldheim nicht ins Ausland könne. Klestil könne nicht ins Inland, erklärte Haider. Waldheim war wegen seiner Kriegsvergangenheit umstritten und blieb für die Dauer seiner Amtszeit im Ausland isoliert.

Neben Haiders Äußerungen dürften dem Koalitionspartner der FPÖ, der konservativen Volkspartei (ÖVP) von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, auch die Worte von Infrastrukturminister Michael Schmid (FPÖ) ungelegen kommen. Schmid warnte im ORF am Mittwochabend vor Gefahren der Erweiterung der EU. Es werde nicht das "wahre Paradies" ausbrechen, sondern es werde "wirkliche Probleme" geben. Die neue FPÖ-Chefin und Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer betonte hingegen am Donnerstag im ORF, die gesamte FPÖ-Mannschaft stehe zur Erweiterung der EU. Diese müsse nur gut und sorgfältig vorbereitet werden.



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