Haider-Konten Seid vergessen, Millionen

Besaß Jörg Haider ein geheimes Riesenvermögen? Der verstorbene Rechtspopulist soll laut einem österreichischen Magazin bis zu 45 Millionen Euro in Liechtenstein gebunkert haben - von denen nur fünf Millionen übrig seien. Nun rätseln alle über die Herkunft, und die politischen Erben erklären, nichts gewusst zu haben.

Verstorbener Regierungschef Haider: 45 Millionen Euro in Liechtenstein gebunkert?
dpa

Verstorbener Regierungschef Haider: 45 Millionen Euro in Liechtenstein gebunkert?


Berlin - Der Mythos Jörg Haider bröckelt. Im Oktober 2008 bei einem Autounfall verunglückt, wurde der rechtspopulistische Kärntner Landeshauptmann in den Tagen und Wochen danach verklärt. "Unsere Sonne, unser Jörg ist vom Himmel gefallen. Unsere Uhren sind stehengeblieben", sagte sein Nachfolger Gerhard Dörfler bei der Trauerfeier in Klagenfurt.

Doch Rechercheergebnisse des österreichischen Magazins "profil" lassen ein neues Licht auf jenen Mann fallen, der für sich in Anspruch nahm, den "kleinen Leuten" eine Stimme zu geben.

Demnach sind im Fürstentum Liechtenstein 46 von Treuhändern eingerichtete Briefkastengesellschaften gefunden worden - im Zuge von Ermittlungen um die Privatisierung der österreichischen Wohnungsbaugesellschaft Buwog 2004 und die umstrittene Übernahme der Kärntner "Hypo Group Alpe Adria" (HGAA) durch die BayernLB (die dem bayerischen Steuerzahler letztlich einen Schaden von rund 3,7 Milliarden Euro zugefügt hat). Inhaber von zwölf der Briefkastengesellschaften soll Jörg Haider sein. An den Ermittlungen ist auch das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) beteiligt.

Nach Informationen von "profil" sollen in Liechtenstein noch fünf Millionen Euro geparkt sein. Ursprünglich habe das Haider-Vermögen sogar 45 Millionen Euro betragen, sei dann aber verspekuliert worden. Eine Sensation, wenn sich der Bericht bewahrheitet - denn plötzlich werden lauter Fragen laut. Woher könnte das Geld gekommen sein? Wer könnte davon gewusst haben?

Der Ursprung und die Verwendung des Geldes seien noch nicht bekannt, berichtet "profil" unter Berufung auf Justizinsider. Doch haben dem Magazin zufolge drei Weggefährten Haiders Zugriffsrecht auf das Geld, unter anderem ein ehemaliger Sekretär, dessen Aufenthaltsort seit Jahren unbekannt ist und der angeblich für die Spekulationsverluste verantwortlich gemacht wird.

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Jörg Haider: Rechtspopulist und Provokateur
Besonders pikant: Jörg Haiders mögliche Libyen-Connection, über die seit Jahren wild spekuliert wird. Dass er mit Said, dem Sohn von Staatschef Muammar al-Gaddafi, gut konnte, ist bekannt. Dass der langjährige Freund aber regelmäßig vor Wahlkämpfen zwischen 150. 000 und 200.000 Dollar Bargeld zur Verfügung gestellt haben soll, behauptet nun ein ungenannter Haider-Vetrauter in dem Magazin. "Gaddafi hat uns vor Wahlkämpfen immer wieder Geld zukommen lassen, und zwar in bar. Das war fest in Plastik eingeschweißt." Man habe die Beträge "anschließend in kleine Beträge von zirka 7000 Dollar aufgeteilt" und sei "quer durch Österreich gefahren, um das in Bankfilialen in Euro zu wechseln. Allein die Wechselspesen waren ein Wahnsinn".

Unter Haiders politischen Erben ist nun ein Kampf um die Interpretationshoheit ausgebrochen. Allen gemeinsam ist: Keiner will von dem Geld gewusst haben.

Haiders früherer Vertrauter und Pressesprecher Stefan Petzner versuchte sich anfangs gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA noch an einer Verwechslungsdeutung ("Ich glaube, dass eventuell Schilling mit Euro verwechselt wurden"), ein paar Stunden später aber witterte er schon eine Verschwörung von Sozialdemokraten und Christsozialen. "Das ist ein Versuch von rot-schwarzen Richtern und Staatsanwälten, Jörg Haider über die Hypo-Causa kaputt zu machen und Kärnten zu schaden, das lasse ich nicht zu", sagte er im ORF Kärnten. Das Geld auf den Liechtensteiner Konten sei außerdem garantiert kein Schmier- oder Schwarzgeld.

Kampf der vermeintlichen Nachfolger

Petzner ist Abgeordneter des "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ) im Wiener Nationalrat, dem österreichischen Bundesparlament. Es war Haider, der das BZÖ einst als Abspaltung der Freiheitlichen Partei (FPÖ) gründete. Die Kärntner Landesgruppe des BZÖ wiederum - also Haiders einstige Machtbasis - trennte sich als "Die Freiheitlichen in Kärnten" (FPK) im vergangenen Jahr von der Bundespartei und kooperiert nun mit der Bundes-FPÖ.

So verworren das österreichische Rechtsaußen-Lager inzwischen strukturiert, so verworren auch die Reaktionen auf die Liechtensteiner Berichte. FPK-Chef Uwe Scheuch sagte im ORF, ihm sei "davon überhaupt nichts bekannt". Er könne "nur garantieren und ausschließen, dass die Partei in irgendeiner Form darin verstrickt ist".

Bleibt noch die FPÖ. Deren Vorsitzender Heinz-Christian Strache, der einstmals österreichischer Bundeskanzler werden möchte, suchte sich in den vergangenen Monaten vom Haider-Renegaten zum einzig legitimen Haider-Erben zu wandeln - und dessen BZÖ aufzusaugen. In der Causa Liechtenstein gibt er nun den Aufklärer: "Der Sachverhalt muss lückenlos mit allen Ecken und Enden untersucht und aufgeklärt werden." Haider habe doch bei der BZÖ-Abspaltung 2005 die FPÖ-Parteikasse mit einem Millionenloch hinterlassen.

Claudia Haider indes, die Witwe des Verunglückten, erklärte der APA zu dem Fund: "Ich weiß von diesem Geld nichts. Ich höre das zum ersten Mal."

sef/AFP/dpa

insgesamt 18 Beiträge
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pascal 66, 01.08.2010
1. Solche Summen...
...können in solchen Kreisen (Rechtspopulisten?) durchaus schon mal aus dem "Nichts" auftauchen - liegt wahrscheinlich quasi in der Natur der Sache... Da ist doch sehr viel verwerflicher, wie der Ernst überhaupt dazu kommt, seine (angeblichen) 17000 Euro monatlich zu rechtfertigen? Bei Haider ist es doch normal, wenn Leute seines Kalibers, seiner Ausrichtung und seiner Einstellung plötzlich nur so mit den Millionen rumwerfen können - da ist doch wohl echt nirgends ein Widerspruch zu entdecken... (Siehe auch Strauß, Berlusconi etc.)
langsamer 02.08.2010
2. Haider sagte "Danke, Faltlhauser, Stoiber & Konsorten!"
Durch Vermittlung von Faltlhauser, Stoiber & Co. hatte Haider immerhin 3,7 Milliarden Euro von den dummen, armen bayerischen Wählern und Steuerzahlern. Dumm, weil in Bayern damals etwa 60% der Rindviecher ihren eigenen Schlächter gewählt haben, das war nämlich mal die sagenhafte CSU-Landtagswahlquote. Und arm, weil sie halt dafür um ein paar Milliarden ärmer sind, die Bayern. Wenn von diesen Milliarden nun ein Bruchteil auf Liechtensteiner Konten dieses schon zu Lebzeiten überaus seriösen Landeshauptmannes auftaucht, sollte dies etwa irgendjemanden wundern?
Intelligenz_93 02.08.2010
3. So oder so
Wie auch immer - ich bin gegen Parteien des eindeutig sehr rechten Spektrums, Geld hin oder her!
tsitsinotis 02.08.2010
4. Lesen!
Hervey Cleckley: "The mask of sanity". Klassifikation des Psychopathen von Robert Hare(s. Wikipedia). Arno Gruen: z.B. "Der Wahnsinn der Normalität". Im 19. Jahrhundert gab es dafür noch die schöne Definition "Moralischer Schwachsinn", heute sind Psychopathen anerkannte Persönlichkeiten, die z.B. als Investmentbanker und Chefs unser Leben dirigieren. Und kaum einer merkt was - siehe "Anne Will - Diskussion Kachelmann" am 2.8.10. Open your mind.
herbert 02.08.2010
5. Ganz einfach, die 5 Millionen werden gespendet !
was Haider gebunkert hat, sollte Bedürftigen zugute kommen. Aber auch Opfer, die durch RECHTS massiv geschädigt worden sind.
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