Haider über Bush "Auch Hitler ist demokratisch an die Macht gekommen"

Jörg Haider, Landeshauptmann von Kärnten und früher gern gesehener Gast bei Saddam Hussein, wandelt auf den Spuren von Herta Däubler-Gmelin. Indirekt soll der österreichische Rechtspopulist jetzt US-Präsident Bush mit Adolf Hitler verglichen haben. Doch Haider fühlt sich falsch verstanden.


Rechtspopulist Haider
AP

Rechtspopulist Haider

Klagenfurt - Auf die Frage, ob er weiterhin den irakischen Präsidenten Saddam Hussein mit dem demokratisch gewählten US-Präsidenten George W. Bush vergleiche, sagte Haider heute: "Auch Hitler ist demokratisch an die Macht gekommen." Der frühere Vorsitzende der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) betonte, er stehe weiter zu seinen umstrittenen Äußerungen, bei denen er Bush und Saddam Hussein gleichgesetzt hatte.

Nach der Festnahme Saddams hatte der 54-jährige Landeshauptmann auf die Frage, ob er Saddam mit Bush gleichsetze, am 16. Dezember erklärt: "Da fällt mir die Wahl wirklich schwer, denn beide haben Sie mit dem Völkerrecht auf Kriegsfuß gestanden. Beide haben sie Menschenrechtsverletzungen begangen." Bush habe allerdings das Glück, eine Weltmacht zu befehligen, "während der andere ein schwacher Diktator gewesen ist".

Später erklärte Haider heute jedoch: "Ich habe keinen indirekten Vergleich zwischen Bush und Hitler gezogen, genau das Gegenteil ist der Fall." Er habe auf den "Vorwurf" eines Journalisten, er habe bei seinen Äußerungen über Saddam und Bush einen Diktator mit einem demokratisch gewählten Politiker verglichen, nur klar gemacht, dass es bei Menschen- und Völkerrechtsrechtsverletzungen keinen Unterschied mache, ob diese von einem demokratisch oder durch einen Putsch an die Macht gelangten Diktator begangen würden. In diesem Zusammenhang habe er festgestellt, dass auch Hitler demokratisch an die Macht gelangt sei.

Nach den Äußerungen Haiders zu Saddam hatten die großen österreichischen Parteien angekündigt, den Politiker nach der Wahl im Bundesland Kärnten am 7. März nicht wieder zum Regierungschef zu wählen. Haiders FPÖ liegt zur Zeit bei allen Umfragen an zweiter Stelle hinter den Sozialdemokraten. Bei der Wahl im Jahr 1999 war er mit Unterstützung der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) zum Ministerpräsidenten gewählt worden.



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