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Haiti: Polizei nimmt Ex-Diktator "Baby Doc" fest

Der frühere haitianische Diktator Jean-Claude Duvalier alias "Baby Doc" ist kurz nach seiner Rückkehr aus dem Exil in der Hauptstadt Port-au-Prince festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Korruption, Diebstahl und Veruntreuung gegen den 59-Jährigen erhoben.

Ex-Diktator Duvalier (auf einem Hotelbalkon in Port-au-Prince): Festnahme nach Verhör? Zur Großansicht
dpa

Ex-Diktator Duvalier (auf einem Hotelbalkon in Port-au-Prince): Festnahme nach Verhör?

Port-au-Prince - Der haitianische Ex-Diktator Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier ist knapp zwei Tage nach seiner überraschenden Rückkehr in Haiti festgenommen worden. Der 59-Jährige wurde mit einer Polizeieskorte von dem Luxushotel Karibe in Port-au-Prince weggebracht. Er sei festgenommen worden, hieß es. Zuvor war Duvalier von Polizei und Staatsanwaltschaft verhört worden. "Baby Doc" war am Sonntag nach 25 Jahren Exil in Frankreich nach Haiti zurückgekehrt.

Am Dienstagabend erhob die Staatsanwaltschaft dann Anklage gegen Duvalier. Dem 59-Jährigen werde unter anderem Korruption, Veruntreuung und Diebstahl vorgeworfen, teilte der leitende Staatsanwalt Aristidas Auguste mit. Ein Untersuchungsrichter müsse nun entscheiden, ob ein Verfahren eröffnet werde.

Für Dienstag hatte Duvalier eigentlich eine Pressekonferenz geplant, bei der er die Hintergründe seiner Rückkehr erläutern wollte. Die haitianische Regierung hatte zuvor einen Prozess gegen ihn grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Menschenrechtsorganisationen forderten die unverzügliche Festnahme Duvaliers.

Nach dem Tod seines Vaters François Duvalier, der "Papa Doc" genannt wurde, wurde Jean-Claude Duvalier 1971 mit 19 Jahren der jüngste Staatschef der Welt. Nach einem Volksaufstand, der Ende 1985 begann, musste er auf Druck der USA 1986 das Land verlassen und floh nach Frankreich, wo er an der Côte d'Azur lebte. Während seiner Herrschaft in Haiti sollen der inzwischen 59-Jährige, seine Familie und Anhänger nach Angaben der haitianischen Behörden mehr als hundert Millionen Dollar Staatsgelder unterschlagen haben.

Duvalier wird zudem für den Tod Tausender Menschen verantwortlich gemacht. Von ihm stammt das Zitat: "Es ist das Schicksal der Menschen von Haiti, zu leiden." 2007 bat Duvalier das haitianische Volk um Entschuldigung für die "während seiner Amtszeit begangenen Fehler". Präsident René Préval kündigte daraufhin an, eine Entschuldigung sei nur möglich, wenn sich Duvalier der Justiz stelle.

In Haiti, das immer noch mit den Folgen des verheerenden Erdbebens vom Januar 2010 kämpft, hatten am 28. November chaotische Wahlen mit massiven Unregelmäßigkeiten stattgefunden. Am Donnerstag hatte die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) ihre Empfehlungen für den Fortgang der Präsidentenwahlen in Haiti an Präsident René Préval übergeben. Über den Inhalt machten die Mitglieder der Expertendelegation keine Angaben.

Eigentlich hätte am Sonntag die Stichwahl stattfinden sollen. Doch der provisorische Wahlrat sagte den Termin kurzfristig ab. Da die Ergebnisse der ersten Abstimmung vom November noch nicht verkündet seien, könne der Termin nicht eingehalten werden. Der scheidende Staatschef Préval hatte zuvor gesagt, er werde nicht zum Ende seines Mandats am 7. Februar aus dem Amt scheiden können, weil es bis dahin kein neues Staatsoberhaupt geben werde.

ffr/dpa/AFP/Reuters

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1. ...
jonimuc 18.01.2011
Zitat von sysopDer frühere haitianische Diktator Jean-Claude Duvalier alias "Baby Doc" ist*kurz nach seiner Rückkehr aus dem Exil in der Hauptstadt Port-au-Prince festgenommen worden. Zuvor hatte die Polizei den 59-Jährige*vernommen. Laut ersten Angaben*geht es um Veruntreuung von Staatsgeldern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,740229,00.html
Was für eine unglaubliche Chuzpe dieses Ex-Diktators, sie sollten ihn einfach im Gefängnis behalten für den Rest seines Lebens, denn dort gehört er hin!
2. Das ist natuerlich ein Grund, ein wichtiger Grund
Gandhi, 18.01.2011
Zitat von sysopDer frühere haitianische Diktator Jean-Claude Duvalier alias "Baby Doc" ist*kurz nach seiner Rückkehr aus dem Exil in der Hauptstadt Port-au-Prince festgenommen worden. Zuvor hatte die Polizei den 59-Jährige*vernommen. Laut ersten Angaben*geht es um Veruntreuung von Staatsgeldern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,740229,00.html
Allerdings sollte der Tod von zu seiner Amtszeit ermordeten Hautianern ein viel gewichtigerer Grund sein.
3. Hergeben
die_andere 18.01.2011
Der wollte sich wohl reinwaschen, darum die Rückkehr. Hat der Mensch doch ein Gewissen? Wäre ja den Haitianern zu wünschen, vor allem, dass er das geraubte Vermögen zurück gibt.
4. Zurück mit der Kohle
NormanR, 18.01.2011
Hauptsache,man kann auch die viele gestohlene Kohle zurückholen, die das Land dringend braucht. Das müsste doch machbar sein. Muss die Schweiz halt wieder was rausgeben für nen guten Zweck!!
5. Hoffentlich........
Hannowald 18.01.2011
.......wird dieser Verbrecher hart bestraft. Ich empfehle einen Einsatz mit Schippe und Hacke beim Wiederaufbau des Landes.
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Fläche: 27.065 km²

Bevölkerung: 10,604 Mio.

Hauptstadt: Port-au-Prince

Staatsoberhaupt:
Jocelerme Privert (interimistische seit 14. Februar 2016)

Regierungschef: Enex Jean-Charles

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Hintergrund Haiti
Geografie
Haiti liegt im westlichen Teil der Insel Hispaniola in der Karibik, der Name bedeutet "bergiges Land". Das Nachbarland der im Osten der Insel gelegenen Dominikanischen Republik ist mit 27.000 Quadratkilometern fast so groß wie das deutsche Bundesland Brandenburg und hat laut aktuellen Uno-Angaben mehr als neun Millionen Einwohner. Hauptstadt des 1804 als erstes Land Lateinamerikas in die Unabhängigkeit entlassenen Staates ist Port-au-Prince mit rund 2,8 Millionen Einwohnern.
Wirtschaft
Der Staat mit mehr als neun Millionen Einwohnern gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Etwa 80 Prozent der Haitianer müssen von weniger als zwei US-Dollar am Tag leben, die Hälfte der Bevölkerung hat sogar weniger als einen Dollar am Tag zur Verfügung. Trotz internationaler Hilfen liegt die Wirtschaft des Staates am Boden. 80 Prozent der staatlichen Investitionen und 40 Prozent des Staatsetats werden international finanziert.
Armenhaus Amerikas
Misswirtschaft und Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Zyklone haben aus der einst reichen französischen Kolonie Haiti das Armenhaus Amerikas gemacht. Wegen oft gewalttätiger Unruhen und ausufernder Kriminalität, aber auch wegen verheerender Tropenstürme wird immer wieder vor Reisen nach Haiti gewarnt.
Uno-Friedenstruppen
Seit 2004 sorgen Uno-Friedenstruppen für Sicherheit und Ordnung in Haiti. Die Einheit setzt sich aus rund 7000 Soldaten aus 18 Ländern zusammen.


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