Haiti Regierung stürzt über zu hohe Lebensmittelpreise

Zuerst führten massive Preissteigerungen bei Lebensmitteln zu tagelangen Hungerrevolten: Am Samstag stürzte die Regierung. Obwohl Haitis Präsident eine Preissenkung für Reis verkündete, entließ der Senat seinen politischen Alliierten, den Ministerpräsidenten Edouard Alexis.


Port-au-Prince - Nach tagelangen gewaltsamen Protesten wegen gestiegener Lebensmittelpreise hat das Parlament in Haiti am Samstag Ministerpräsident Jacques Edouard Alexis abgesetzt. 16 der 27 Senatoren hätten für Alexis' Absetzung gestimmt, teilte ein Senator in der Hauptstadt Port-au-Prince mit. "Ich glaube, dass wird die Bevölkerung zufrieden stellen", sagte Senator Youri Latortue.

Demonstranten verlangen vor dem Parlament die Absetzung des Ministerpräsidenten: Hungerevolte in Haiti
REUTERS

Demonstranten verlangen vor dem Parlament die Absetzung des Ministerpräsidenten: Hungerevolte in Haiti

Präsident René Préval, der kurz zuvor eine Preissenkung für Reis um fast 16 Prozent angekündigt hatte, erklärte nach der Abstimmung, er werde einen Nachfolger für Alexis suchen. Eine Sprecherin der UN-Friedensmission in Haiti, bezeichneten die Absetzung Alexis' als einen "schweren Rückschlag". Man warte jetzt die die Berufung einer neuen Regierung.

Nach der von Präsident Préval angekündigten Preissenkung soll ein Sack Reis statt umgerechnet 32 Euro nur noch 27 Euro kosten. Die Regierung werde internationale Finanzhilfen zur Subventionierung verwenden, außerdem habe er von Seiten der Privatwirtschaft die Zusage, den Preis pro Sack um zwei Euro zu senken, sagte Préval. Wann die Preissenkung in Kraft tritt, sagte er nicht. Angesichts der weltweit ansteigenden Lebensmittelpreise werde er sich für eine stärkere Produktion im eigenen Land einsetzen, fügte er hinzu.

Préval war es erst vor zwei Tagen gelungen, die Demonstranten mit einer Fernsehansprache zur Ruhe zu bringen. Bei den Protesten waren mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Die Preise für einige Lebensmittel haben sich im ärmsten Land Lateinamerikas innerhalb eines halben Jahres verdoppelt. Hintergrund sind höhere Energiepreise, eine höhere Nachfrage nach Lebensmitteln in Asien und der Biosprit-Boom.

Bei den Massenprotesten gegen die hohen Preise für Grundnahrungsmittel wurden nach inoffiziellen Angaben innerhalb einer Woche fünf Menschen getötet und 200 weitere verletzt.

Unterdessen wurde in der Hauptstadt Port-au-Prince ein UN-Soldat erschossen. Zu den näheren Umständen machte UN-Sprecherin Sophie Boutaud de la Combe keine Angaben. Im Zusammenhang mit gewaltsamen Protesten der Bevölkerung wegen der Lebensmittelpreise ist es in dieser Woche auch zu Zusammenstößen von Demonstranten mit UN-Soldaten gekommen.

cjp/AP



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