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Hamas-Außenminister Zahar im Interview: "Wir werden diese Wahlen in unserem Land niemals zulassen"

Aus Gaza berichtet Ulrike Putz

Die Hamas will die von Palästinenserpräsident Abbas ausgerufenen Neuwahlen mit allen Mitteln verhindern. "Wo wollen Sie die Wahlurnen aufstellen?", lautete die lakonische Entgegnung des Hamas-Außenministers Zahar im SPIEGEL ONLINE-Interview auf die Frage, wie seine Partei die Abstimmung verhindern wolle.

Gaza - Mahmoud Zahar ist die Nummer Zwei in der radikal-islamischen Hamas-Regierung. Er gilt als Hardliner. Und er ließ in einem kurzen Interview in seinem zerbombten Außenministerium keinen Zweifel daran, dass seine Organisation die Neuwahl-Pläne von Palästinenserpräsident Abbas entschieden ablehnt. Auf die Frage, was er zu Abbas Ankündigung sage, antwortete Zahar: "Wir werden diese Wahlen in unserem Land niemals zulassen."

Hamas-Vize Mahmoud Zahar: "Wir wissen alle, wer die Diebe sind" (Archivfotos aus dem Juni 2004)
AP

Hamas-Vize Mahmoud Zahar: "Wir wissen alle, wer die Diebe sind" (Archivfotos aus dem Juni 2004)

Die Frage, wie die Hamas die Wahlen verhindern wolle, stellt sich für den hochrangigen Hamas-Vertreter erst gar nicht: "Wo wollen Sie die Wahlurnen aufstellen? Die Schulen werden von uns verwaltet", beschied Zahar. Wenn die Fatah "illegale Schritte" unternehme, werde die Hamas Recht und Ordnung wieder herstellen. "Die Fatah wird sich dann mit rechtlichen Schritten konfrontiert sehen", sagte er, ohne konkret zu erläutern, wie solche Schritte aussehen könnten.

Einer Diskussion über die Gefahr eines Bürgerkrieges in den Palästinensergebieten wich Zahar im SPIEGEL-ONLINE-Interview aus: "Es darf keinen Bürgerkrieg geben", sagte er - über die Frage sichtlich verärgert.

"Schmuggler und Diebe"

Empört zeigte sich Zahar darüber, dass Präsident Abbas die Hamas in seiner Neuwahl-Ankündigung mit den Worten "Schmuggler und Diebe" belegt hatte." Wir wissen alle, wer die Diebe sind. Die Fatah hat während der elf Jahre, die sie an der Regierung war, das Geld in die eigenen Taschen gesteckt. Wenn wir das Geld hätten, das uns vorenthalten wird, würden wir es den Menschen geben, die es brauchen. Deshalb haben die Menschen Hamas gewählt, weil die Fatah so korrupt ist."

Dass die Gespräche zur Bildung einer Einheitsregierung aus Fatah und Hamas scheiterten ist nach Ansicht von Zahar alleinige Schuld der Fatah. "Wir waren immer zu Gesprächen bereit, es war die Fatah die die Gespräche abgebrochen hat, weil sie die Wünsche der USA und der Israelis befriedigen will".

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