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Israel-Feinde in der Türkei: Erdogan-Anhänger feiern Hamas-Chef

Hamas-Chef Mashal (l.) mit dem türkischen Premierminister Davutoglu: "Auf dem Weg zum Sieg" Zur Großansicht
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Hamas-Chef Mashal (l.) mit dem türkischen Premierminister Davutoglu: "Auf dem Weg zum Sieg"

Die türkische Regierung zeigt demonstrativ Nähe zur radikal-islamischen Hamas. Deren Chef Khaled Mashal trat überraschend bei einem Kongress der Erdogan-Partei AKP auf. Seine Rede wurde begleitet von "Nieder mit Israel"-Rufen.

Istanbul - Der Chef der radikal-islamischen Hamas hat überraschend einen Kongress der türkischen Regierungspartei AKP in der zentralanatolischen Stadt Konya besucht. In seiner Rede beschwor Khaled Mashal die Freundschaft zwischen der Türkei und den Palästinensern. "Eine starke Türkei bedeutet ein starkes Palästina", sagte Mashal.

Dabei stellte er laut einem Bericht der englischsprachigen Online-Ausgabe der "Hürriyet" die Souveränität Israels infrage. Vor den Anhängern der AKP gab Mashal seiner Hoffnung Ausdruck, "Palästina und Jerusalem" gemeinsam mit der Türkei eines Tages befreien zu können. Allah sei "mit uns und mit euch auf dem Weg zum Sieg", sagte Mashal weiter.

Die islamisch-konservative Regierung der Türkei pflegt gute Beziehungen zu der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Das Verhältnis zu Israel hingegen gilt als schwierig. Der Vorfall um das Hilfsschiff "Mavi Marmara" belastet bis heute die Beziehungen. Israelische Elitesoldaten hatten das Passagierschiff Ende Mai 2010 in internationalen Gewässer aufgebracht, weil es eine Seeblockade vor dem Gazastreifen brechen wollte. Neun Aktivisten an Bord, acht Türken und ein türkischstämmiger US-Bürger, starben bei dem Einsatz. Ein weiterer Türke starb vier Jahre später an den Folgen seiner Verletzungen.

Die kurze Ansprache des Hamas-Chefs auf dem AKP-Kongress wurde immer wieder von Rufen wie "Allah ist groß" und "Nieder mit Israel" unterbrochen. Zuvor hatte der türkische Premierminister Ahmet Davutoglu den Überraschungsgast persönlich dem Publikum vorgestellt.

Mashal gratulierte den Parteianhängern im Saal dazu, Davutoglu und den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als "Führer" zu haben. Eine demokratische, stabile und fortschrittliche Türkei sei für alle Muslime eine Quelle der Kraft, fügte Mashal hinzu.

Zudem dankte er den AKP-Anhängern in Konya, schon in den Achtzigerjahren gegen Israel auf die Straße gegangen zu sein, als die Israelis Jerusalem zu ihrer Hauptstadt erklärt hatten.

Der türkische Ministerpräsident sagte laut der Nachrichtenagentur Anadolu, sein Land werde für Palästina eintreten.

sun/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 83 Beiträge
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1. Das wahre Gesicht
sheriff69 28.12.2014
...dieser türkischen Regierung. Und ein weiteres Signal für all jene, die einem Beitritt der Türkei zur EU das Wort reden. Dieses Land hat eine klerikal-autoritäre Regierung bekommen und man darf gespannt sein, was nach der Ära Erdogans vom Erbe Atatürks übrig geblieben ist.
2. Erdogan nur Spielart des Islamismus
Steve Kadisha 28.12.2014
Brutalste Verfolgung politischer Gegner, Tötung von Demonstranten, Nachsicht und Schützenhilfe für die IS, Verbrüderung mit den Mordbuben der Muslimbruderschaft im Gaza-Streifen, maßlose Attacken gegen die einzige Demokratie im Nahen Osten, Israel: Erdogans Weg führt direkt in den radikalen politischen Extremismus. Auch wenn dieser Demokradiktator gewählt wurde - man mag sich einen neuen Atatürk wünschen, der das ganze islamistische Gesindel zum Teufel jagt. Die Clique um Erdogan ist für die Region 10 mal schlimmer als Putin für Europa. Man sollte die Türkei aus der NATO schmeißen und Israel aufnehmen.
3. Spagat
Ernieone 28.12.2014
Das ist ja toll, dass ich das noch erleben darf. Jetzt muss Merkel, Steinmeier und Co. einen zirkusreifen Spagat machen. Zwischen der traditionellen Zuneigung zur Israel und der eingewanderten Macht der Anhänger des türkischen Diktators. Ich wette: die Türkei, mit ihrem islamischen Scharfmacher, wird nicht aus der Nato und der EU-Beantragung gejagt und Israel bekommt zum Ausgleich mehr Geld aus Deutschland, da ja, wie errechnet, die islamischen Bürger mehr zum Steueraufkommen beitragen. Also kann man diesen Zugewinn auch nach Israel überweisen. Somit ist wieder die allgemeine Zufriedenheit hergestellt. Der islamische Diktator ist weiter im Rennen und die israelischen Militärs können weiter mit deutschem Geld bomben.
4. Türkei und Demokratie - ein Widersruch in sich
lukas_martin 28.12.2014
Die von Erdogan regierte und repräsentierte Türkei hat sich damit endgültig von den Werten der EU verabschiedet. Verhandlungen über einen Beitritt in die EU, Verhandlungen über eine 'privilegierte Partnerschaft' sind eine Farce. Wer ernsthaft etwas anderes verfolgt, der ist kein Demokrat.
5. Eine laizistisch geprägte
RV6284 28.12.2014
Türkei entwickelt sich unter Erdogan zu einem islamischen Staat. Kritiker, Minderheiten(Christen, ..) und westlich-freiheitlich gesinnte Sekulare sind die Leidtragenden. Ich sage, eine solche Türkei sollten wir nicht in der EU haben, die Beitrittsverhandlungen sind auszusetzen.... und Stopp russischer Sanktionen... Russland ist nicht unser Gegner, auch wenn die USA oder unsere DDR-Politiker das meinen. Aus der Türkei werden wir in den nächsten Jahren nix Gutes erwarten können.
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