Eskalation in Nahost Hamas warnt Flugpassagiere vor Reisen nach Tel Aviv

Die islamistische Hamas hat Reisende vor Flügen von und nach Tel Aviv gewarnt: Der Flughafen Ben Gurion zähle zu den Zielen ihrer Raketen. Die Flugsicherung Eurocontrol lässt den Flugraum vorsorglich sperren.

Raketenbeschuss in Nahost: Hamas droht mit gezielten Anschlägen auf den Flughafen von Tel Aviv
DPA

Raketenbeschuss in Nahost: Hamas droht mit gezielten Anschlägen auf den Flughafen von Tel Aviv


Tel Aviv - Die islamistische Hamas droht mit gezielten Anschlägen auf den internationalen Flughafen von Tel Aviv. "Wir warnen Sie, Flüge zum Airport Ben Gurion zu nutzen, der eines unserer heutigen Ziele sein wird, weil auf dem Gelände auch eine Militärbasis stationiert ist", wandte sich die Hamas am Freitag direkt an die Reisenden.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll der Flugraum über Israel deshalb auf Anraten der Flugsicherheitsorganisation Eurocontrol ab Mitternacht weitgehend geschlossen werden.

Die Fluggesellschaften hatten bislang aus den neuerlichen Drohungen noch keine Konsequenzen gezogen: Alle Flüge von und nach Tel Aviv würden wie geplant stattfinden, hatte ein Sprecher von Air Berlin gesagt. Ebenso äußerten sich Lufthansa und British Airways. Jedoch könnten Passagiere, die einen Flug bis zum 18. Juli gebucht hätten, ihre Reise kostenlos nach hinten verschieben.

Bereits im Laufe des Freitags soll die Hamas aus dem Gazastreifen Raketen auf den Flughafen Ben Gurion geschossen haben. Die israelische Armee fing nach eigenen Angaben drei der Geschosse über der Stadt ab. Sie seien von dem Abwehrsystem "Iron Dome" ("Eiserne Kuppel") in der Luft zerstört worden, teilte das Militär mit.

Israel hat 1100 Ziele im Gazastreifen beschossen

Auch Israel drohte am Freitag öffentlich: Das militärische Vorgehen gegen Ziele im Gazastreifen werde so lange fortgesetzt, bis von dort keine Raketen mehr auf Israel abgeschossen würden, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf einer Pressekonferenz in Tel Aviv.

Vier Tage nach Beginn der Offensive wurden bei Luftschlägen israelischer Kampfflugzeuge nach palästinensischen Angaben bislang mindestens 103 Menschen getötet und knapp 700 weitere verletzt. Nach israelischen Angaben beschoss die Luftwaffe allein an den ersten drei Tagen der Offensive 1100 Ziele im Gazastreifen. Mehr als 800 Tonnen Raketen und Bomben schlugen nach Armeeangaben in dem kleinen Gebiet am Mittelmeer ein.

Im Gegenzug weiteten militante Palästinensergruppen ihre Raketenangriffe auf Israel erneut aus. Ins Visier nahmen sie dabei erstmals den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv. Militante Palästinenser hätten inzwischen 550 Raketen auf Israel abgefeuert, sagte der israelische Armeesprecher Peter Lerner. Die Raketenabwehr habe etwa 120 weitere Geschosse abgefangen.

Auslöser der schwersten Krise seit 2012 waren der gewaltsame Tod dreier jüdischer Jugendlicher und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Darüber hinaus will die Hamas Israel und Ägypten zwingen, die Abriegelung des Gebietes zu lockern.

jbe/Reuters

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insgesamt 5 Beiträge
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hatschon 12.07.2014
1. Das ist eine Schande
für Israel so eine Politik : Auge um Auge usw. Noch mehr Gewalt und Krieg und tote Menschen . Mir fehlen die Worte . Beide Seiten wollen keinen Frieden , beide Seiten wollen den Krieg . Die Hamas rüstet auf und Israel schlägt mit aller Macht zurück . Auf ein Neues .
correct 12.07.2014
2. Ohne Raketenbeschuss kein Krieg
Auf diese einfache Formel läßt sich die Situation bringen. Erst nach 48 Stunden fortgesetzter Raketenangriffe der Hamas reagierte Israel. Ziel ist schlicht, den Raketenbeschuss zu stoppen und das Raketenarsenal der Hamas weitgehend zu zerstören. Zu denken gibt: Hamas verfügte über genügend Geld für geschätzte 10.000 Raken, aber nicht für die Versorgung der Bevölkerung. Ihre Prioritäte ist der Dschihad, nicht das Wohlergehen der Bevölkerung
f.c.w. 12.07.2014
3. correct hat vollkommen recht
Die von der hamas betriebene politik ist jene die Verhandlungen zwischen Israel und Palästina unmöglich macht. Den Israel greift Ziele in Palästina nur an nachdem von dort Raketen gestartet wurden. Ohne die Hamas könnte man bei den Verhandlungen signifikante Fortschritte machen ( entgegen der meinung des spiegels in einem vorangegangenen Artikel )
herkurius 12.07.2014
4. Schon gewonnen
Der Krieg ist doch schon längst gelaufen. Deswegen ballert die Hamas anscheinend sowieso am häufigsten unbekümmert irgendwo auf's freie Feld bzw. benutzt Raketenartillerie, die gar nicht präzise genug ist, gezielt dorthin zu fliegen, wo's weh tut. Drei ältliche Geschosse in Richtung Atomkraftwerk, zwei fallen irgendwo kilometerweit entfernt runter, eine wird von "Iron Dome" abgeschossen. Laut Wikipedia hat das "Iron Dome" System in seinem jetzigen Ausbauzustand die Israeli (m.W. aber zu 100 Prozent die amerikanischen Steuerzahler) 375 Millionen Dollar gekostet und jeder Start von zwei Abwehr-Raketen 100.000 Dollar. Rüstung ist ein simples Abzählspiel: ist das, was man erobert, noch zu verteidigen oder hätte man's besser gekauft, wie weiland die USA von den Russen Alaska erworben haben oder Louisiana von den Franzosen. Nach israelischen Angaben besitzt die Hamas um zehntausend Raketengeschosse, die gleichgesinnte Hisbolla ist mit einem Arsenal von 42.000 Raketen eine der größten Raketenmächte der Welt. Einen ernstgemeinten Großangriff könnte "Iron Dome" nie und nimmer abwehren.
hermannheester 12.07.2014
5. Das ist die Frage aller Fragen....
Zitat von hatschonfür Israel so eine Politik : Auge um Auge usw. Noch mehr Gewalt und Krieg und tote Menschen . Mir fehlen die Worte . Beide Seiten wollen keinen Frieden , beide Seiten wollen den Krieg . Die Hamas rüstet auf und Israel schlägt mit aller Macht zurück . Auf ein Neues .
Nach all dem Getue rund um Liebermann und Netanyahu bleibt immer noch die Frage, warum hat Israel nicht eine ganz stinknormale Strafverfolgung in der Angelegenheit der zu Tode gekommenen Jugendlichen gestartet. Hat man etwa Angst, dass das FALSCHE dabei rauskommt?
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