Hamas-Festnahme Palästinenser wollen Israel in Den Haag verklagen

Das palästinensische Parlament will Israel vor dem Internationalen Gerichtshof verklagen. Die Richter in Den Haag sollen über die Festnahme der Hamas-Minister und -Abgeordneten urteilen. Israel hat inzwischen ein Ultimatum im Zusammenhang mit dem entführten Soldaten Schalit abgelehnt.


Ramallah - Bei einer Sondersitzung in Ramallah fasste das Parlament heute den Beschluss, sich an Den Haag zu wenden. Zunächst soll ein Ausschuss gebildet werden, der die Klage gegen Israel vorbereiten soll. Die israelische Armee hatte die Hamas-Mitglieder, darunter 30 Minister und Abgeordnete, am Donnerstag festgenommen.

Palästinensisches Parlament: An die Parlamentarier, die in israelischer Haft sitzen, wurde mit Bildern erinnert
AP

Palästinensisches Parlament: An die Parlamentarier, die in israelischer Haft sitzen, wurde mit Bildern erinnert

Parlamentspräsident Asis Dweik unterstützte heute die Forderung der Entführer, palästinensische Gefangene im Tausch für den vor mehr als einer Woche verschleppten israelischen Soldaten Gilad Schalit freizulassen. "Unsere Botschaft an die Israelis ist: Lasst unsere Gefangenen frei und dann werden wir Euren Gefangenen freilassen. Auge um Auge, Zahn um Zahn."

In der Geisel-Krise hat Israel am Mittag auf das Ultimatum der militanten Palästinenser reagiert. Das Büro von Ministerpräsident Ehud Olmert teilte mit, man werde sich nicht den Erpressungsversuchen der Palästinenserbehörden und der Hamas-Regierung beugen. Beide würden von "terroristischen Organisationen" geführt. Verhandlungen über die Forderungen werde es nicht geben.

Die Entführer Schalits hatten der Regierung in Jerusalem nur wenige Stunden zuvor ein Ultimatum gestellt. Israel habe demnach bis 5 Uhr (MESZ) morgen früh Zeit, die Forderungen nach einer Freilassung palästinensischer Gefangener zu erfüllen. Die Erklärung wurde vom bewaffneten Arm der in den Palästinensergebieten regierenden Hamas und zwei weiteren Gruppen veröffentlicht.

In früheren Stellungnahmen hatten die Gruppen gefordert, dass Israel zunächst palästinensische Frauen und Jugendliche freilassen müsse. Im Gegenzug solle es Informationen über Schalit geben. Zudem haben die Gruppen die Freilassung von 1000 palästinensischen Gefangenen verlangt.

ler/dpa/Reuters

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