Raketenbeschuss: Hamas zielt auf Großstädte in Israel

Erst Tel Aviv, jetzt Jerusalem: Die radikalislamische Hamas setzt ihren Raketenbeschuss auf Ziele in Israel fort. Am Spätnachmittag schlug ein Geschoss im Großraum Jerusalem ein - ersten Angaben zufolge wurde dabei niemand verletzt.

Blick auf Jerusalem (Archivbild): Angriff der Hamas Zur Großansicht
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Blick auf Jerusalem (Archivbild): Angriff der Hamas

Jerusalem - Der Konflikt zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas eskaliert weiter: Nach Angriffen auf Tel Aviv nahmen die radikalen Palästinenser am Freitag auch Jerusalem ins Visier.

Am Freitagnachmittag heulten in der Stadt die Luftsirenen. Wenig später erklärte der militärische Arm der Hamas, eine Rakete auf die Stadt abgefeuert zu haben. Damit wurde Jerusalem erstmals seit dem Beginn der israelischen Militäroffensive im Gaza-Streifen Ziel eines Angriffs der Hamas. In unbestätigten Medienberichten war bei der Attacke auf Jerusalem von drei Explosionen die Rede. Bei dem Angriff wurde offenbar niemand verletzt. Auch bei den Attacken auf Tel Aviv war am Freitag niemand zu Schaden gekommen.

Am Freitagmorgen hatte sich Israel zu einer kurzen Waffenruhe während eines Kurzbesuchs von Ägyptens Regierungschef Hischam Kandil im Gaza-Streifen bereit erklärt - unter der Bedingung, dass die Hamas ihre Angriffe einstelle. Später warf Israel der Hamas vor, die Feuerpause nicht einzuhalten. Bei Luftangriffen wurden daraufhin nach palästinensischen Angaben fünf Palästinenser getötet.

Israel begann nach Armeeangaben mit der Mobilisierung von 16.000 Reservisten. Die Rekrutierung sei Teil des Einsatzes "Säule der Verteidigung", mit dem Israel seit Mittwoch gegen radikale Palästinenser im Gaza-Streifen vorgeht. Israel schließt dabei auch den Einsatz von Bodentruppen nicht aus. Am Donnerstag hatte Israels Regierung den Weg für die Einberufung von bis zu 30.000 Reservisten freigemacht.

Israelische Kampfjets flogen seit Mittwoch bis Freitagnachmittag rund 500 Luftangriffe. Im selben Zeitraum hätten militante Palästinenser knapp 300 Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert, wie die Armee mitteilte. Nach palästinensischen Angaben wurden bei den Angriffen bis Freitag mehr als 20 Palästinenser getötet und mehr als 230 weitere verletzt. Drei Israelis starben durch einen Raketeneinschlag.

Am Mittwoch hatte Israel Ahmed al-Dschabari, den Militärchef der Hamas, durch eine Rakete getötet und eine mehrtägige Operation gestartet. Sie soll die Hamas-Führung einschüchtern, damit sie die Raketenangriffe auf Israel stoppt. In den Tagen zuvor waren südliche Grenzorte zunehmend aus dem Gaza-Streifen beschossen worden.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton machte die Hamas für die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten verantwortlich. "Die Raketenangriffe der Hamas und anderer Gruppen im Gaza-Streifen, mit denen die derzeitige Krise begann, sind für keine Regierung hinnehmbar und müssen aufhören", hieß es am Freitag in Brüssel in einer Erklärung Ashtons. "Israel hat das Recht, seine Bevölkerung vor dieser Art von Angriffen zu schützen. Ich fordere Israel auf, sicherzustellen, dass seine Antwort verhältnismäßig ist", erklärte Ashton. Sie sei "zutiefst besorgt über die eskalierende Gewalt in Israel und dem Gaza-Streifen und bedauere den Tod von Zivilisten".

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi verurteilte die israelischen Luftangriffe auf den Gaza-Streifen als "unverhüllten Angriff auf die Menschlichkeit". Ägypten werde die Palästinenser in dieser Lage nicht im Stich lassen, sagte Mursi nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Mena am Freitag.

hen/dpa/Reuters

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insgesamt 51 Beiträge
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1. Timing....
Hank the voice 16.11.2012
10 Tage nach der U.S. Wahl und wenige Monate vor der israelischen Wahlen schießt die Hamas mit Iranischen Raketen um sich. Es scheint, als hätten sich die kriegswilligen Kräfte abgesprochen oder wer glaubt hier noch an Zufälle?
2. Wenn das das Ergebnis ist, ...
criticus nixalsverdruss 16.11.2012
Zitat von sysopErst Tel-Aviv, jetzt Jerusalem: Die radikal-islamische Hamas setzt ihren Raketenbeschuss auf Ziele in Israel fort. Am Spätnachmittag schlug ein Geschoss im Großraum Jerusalem ein - ersten Angaben zufolge wurde dabei niemand verletzt. Hamas feuert Rakete auf Jerusalem - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/hamas-feuert-rakete-auf-jerusalem-a-867726.html)
... der angeblichen Waffenstillstandsbemühungen von Hischam Kandil, dann war das ja jetzt wohl der Startschuss für eine Bodeninvasion. Wie gehabt, bis Israel die Ziele ausgehen. Obwohl man ursprünglich vielleicht nur auf den Busch klopfen wollte, um zu sehen, was denn die Hamas so versteckt hat und mit was man im Fall eines Angriffs auf den Iran aus Gaza rechnen muss.
3. Reicht es nicht,
luwigal 16.11.2012
Zitat von sysopErst Tel-Aviv, jetzt Jerusalem: Die radikal-islamische Hamas setzt ihren Raketenbeschuss auf Ziele in Israel fort.
dass sich die Lage zwischen ISR und dem Iran langsam aber sicher hochdreht bis es knallt? Steckt mehr dahinter? Der Gaza-Streifen ... Soll er ISR ablenken, beschäftigen? Der Beschuß der wichtigsten Städte in ISR, wird er zum Schuß ins eigene Knie? Jedem wird nun klar, in welch immenser Gefahr sich ISR mittlerweile befindet. Und, ich gehe davon aus, die gefährlichsten Raketen sind noch nicht einmal aus den Lagern geholt worden.
4. Hamas
hahewo 16.11.2012
Diese Organisation macht sich zum Handlanger von Syrien und dem Iran. Diese beiden Staaten glauben wohl mit Terrorakten dieser Art könnten sie Israel von einer Intervention in ihren Ländern abhalten. Ein äußerst gefährliches Spiel. Denn die Israelis haben, anders als die arabischen Staaten, bewiesen, dass sie durchaus ion der Lage sind, einen 2 Frontenkrieg zu führen. Das nunmehr auch Ägypten seine relativ neutrale Haltung gegenüber Israel aufgibt, ist der islamistischen Regierung geschuldet. Man muß sich mehrmals überlegen, ob man in die arabischen-islamistischen Staaten überhaupt Waffen liefern sollte. Auch wenn hierzulande die Waffenlobby aufjault und einige Spenden an die parteinahen Stiftungen wegfallen sollten.
5. Huch
hman2 16.11.2012
Zitat von Hank the voice10 Tage nach der U.S. Wahl und wenige Monate vor der israelischen Wahlen schießt die Hamas mit Iranischen Raketen um sich.
Iranische Raketen? Das sind selbstgebastelte ungelenkte Geschosse, die so gut wie nichts treffen.
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Fotostrecke
Kampf gegen Hamas: Netanjahus gefährliche Strategie

Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 7,837 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt: Schimon Peres

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

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Fotostrecke
Israels gezielte Tötungen: Raketen, Gift und Schokolade
Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
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Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
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Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
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Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
AP
Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
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Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
DPA
Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
REUTERS
Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.