Tel Aviv/Gaza - Es ist bereits das zweite Mal, dass in Tel Aviv die Sirenen heulten: Die Küstenmetropole löste Luftalarm aus. Die Hamas erklärte am Freitag, eine Rakete auf Tel Aviv abgefeuert zu haben - angeblich auf ein Einkaufszentrum. Der israelischen Polizei zufolge erreichte die Rakete ihr Ziel allerdings nicht. Mindestens ein Geschoss sei in offenem Gelände eingeschlagen. Im Zentrum der Stadt war deutlich eine schwere Explosion zu hören. Opfer gab es nach Angaben der Behörden nicht.
Anschließend fuhren Lautsprecherwagen der Armee durch die Stadt und gaben Entwarnung. Die Menschen könnten die Schutzräume wieder verlassen. Eine weitere von der Hamas abgefeuerte Rakete, die Tel Aviv treffen sollte, landete am Freitag im Meer.
Die Hamas ignorierte am Freitag eine mit Israel vereinbarte Waffenruhe. Während des Besuchs des ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil im Gaza-Streifen schoss die radikalislamische Organisation innerhalb von zwei Stunden mehr als 50 Raketen auf Israel ab und traf Häuser im südisraelischen Aschkelon. Die israelische Armee reagierte mit Luftangriffen, bei denen zwei Palästinenser getötet wurden. Kämpfer der Hamas greifen Israel immer wieder mit Raketen an.
Israel verstärkt Offensive
In der Nacht hatte das Land seine Offensive verstärkt: Unvermindert bombardierte die israelische Luftwaffe Ziele im Gaza-Streifen. Auch von dort wurde gefeuert.
Die Regierung von Benjamin Netanjahu machte am Freitag deutlich, dass sie bereit ist, die Operationen auch zu einer Bodenoffensive auszuweiten. Die Streitkräfte begannen 16.000 Reservisten einzuberufen, wie sie per Twitter bekannt gaben. Verteidigungsminister Ehud Barak hatte einen solchen Schritt am Donnerstag genehmigt. Laut Informationen aus Israel stehen bis zu 30.000 Reservisten zur Verfügung.
Einen etwaigen Einmarsch in den Gaza-Streifen bereitete Israel auch durch die Stationierung von Panzern und Truppentransportern im Grenzgebiet am Donnerstagabend vor. Zudem wurden zahlreiche Soldaten mit Bussen in die Region gebracht. Israelische Fernsehsender berichteten, die Invasion sei für diesen Freitag geplant. Die Streitkräfte dementierten und erklärten, bisher sei noch keine Entscheidung über einen Einmarsch in den Gaza-Streifen gefallen.
"Hamas, bombardiert Tel Aviv!"
Im Westjordanland gingen am Freitag Tausende Palästinenser aus Protest gegen die israelische Offensive im Gaza-Streifen auf die Straße. In Ramallah und Nablus riefen sie Parolen wie "Hamas, bombardiert Tel Aviv!". Wütende Menschen verbrannten die israelische Flagge und riefen "Tod Israel".
Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi sicherte den Palästinensern im Gaza-Streifen die Unterstützung seines Landes zu. "Kairo wird Gaza nicht alleinlassen", sagte er. An die Adresse Israels sagte er nach Angaben der staatlichen Medien: "Was in Gaza im Moment geschieht, ist aus unserer Sicht eindeutig ein Angriff auf die Menschlichkeit."
Merkel besorgt
Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton machte ebenfalls die Hamas für die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten verantwortlich. "Die Raketenangriffe der Hamas und anderer Gruppen im Gaza-Streifen, mit denen die derzeitige Krise begann, sind für keine Regierung hinnehmbar und müssen aufhören", hieß es am Freitag in einer Erklärung Ashtons.
Ähnlich äußerte sich Kanzlerin Angela Merkel. "Es gibt keinerlei Rechtfertigung für den Abschuss von Raketen auf Israel", sagte Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag. Die Kanzlerin betrachte die Entwicklung mit großer Sorge. Der Beschuss Israels müsse sofort eingestellt werden.
Ein Sprecher der Uno-Menschenrechtsbeauftragten Navi Pillay rief am Freitag in Genf beide Seiten zur Mäßigung auf und verwies auf das Leid der Zivilbevölkerung.
heb/hen/dpa/dapd
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