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Hamas-Finanzierung: Schwere Vorwürfe gegen Saudis

US-Terrorfahnder schlagen Alarm. Saudi-Arabien gehört nach ihren Erkenntnissen zu den größten Geldgebern des Terrors gegen Israel. Ein bei einer Razzia in Gaza gefundenes Protokoll soll belegen, dass die palästinensische Extremistenorganisation Hamas aus dem Königreich finanziert wird.

Saudi-Arabiens Kronprinz Abdullah in Texas: Die Amerikaner schauen den Saudis genauer auf die Finger
AP

Saudi-Arabiens Kronprinz Abdullah in Texas: Die Amerikaner schauen den Saudis genauer auf die Finger

Hamburg - Es sei eine lächerliche Anschuldigung, niemals gehe Geld der saudischen Regierung an die Hamas, weder direkt noch indirekt. Der außenpolitische Berater von Prinz Abdullah, Adel al-Jubeir, echauffiert sich: "Warum in aller Welt sollten wir dieses Sponsoring nicht stoppen? Warum in aller Welt sollte unser Kronprinz sagen, wir wollen die Hamas nicht unterstützen, um dann Leuten zu erlauben, dies unter der Hand zu tun?"

Doch die US-Regierung scheint den Worten al-Jubeirs nicht zu glauben. Sie will nach Erkenntnissen der "New York Times" Hinweise haben, wonach saudisches Geld direkt in den Terror gegen Israel fließt.

Seitens saudischer Regierungsbeamter werde eingeräumt, so die "New York Times", dass ihr Land 80 bis 100 Millionen Dollar pro Jahr nach Palästina hineinbuttert - doch dieses Geld gehe einzig und allein an die palästinensische Autonomiebehörde. Diese, so der saudische Außenminister Saud al-Faisal, sei der einzige Repräsentant des palästinensischen Volkes. An Hamas oder an Wohltätigkeitsvereine, die der Hamas als Deckorganisation dienten, gehe kein Geld.

Dies sieht Israel anders, und dies sehen die USA anders. Und sie wollen Beweise dafür haben. Ein von der israelischen Armee bei einer Razzia vergangenen Dezember sichergestelltes Dokument soll belegen, dass die Hamas aus Riad sehr wohl finanziell großzügig bedacht wird.

Bei dem Papier handelt es sich um ein von der Hamas angefertigtes Protokoll, das ein Treffen zwischen dem Hamas-Funktionär Chalid Mishaal und Kronprinz Abdullah, dem saudischen Regierungschef, dokumentiert. Nach Informationen der "New York Times" nahm Mishaal im Oktober 2002 an einer Fundraising-Konferenz in Riad teil, wo er sich lange mit Abdullah unterhalten hat.

Laut Protokoll dankten Mishaal und andere Hamas-Vertreter den saudischen Gastgebern für ihre Beharrlichkeit, dafür, dass sie "dem Volk weiter Hilfe zukommen ließen durch zivile und bekannte Kanäle trotz des amerikanischen Drucks, dem sie ausgesetzt sind". Dies sei eine mutige Haltung, die Wertschätzung verdiene, lobte Mishaal die Saudis.

Das Dokument ließen die Israelis der Regierung in Washington zukommen. US-Ermittler halten es offenbar für authentisch. Ein früherer israelischer Beamter schickte eine Kopie auch an die "New York Times". Das Original ist in arabisch verfasst und trägt einen Briefkopf der Hamas. Die englische Übersetzung stamme vom israelischen Militär.

Das Dokument wurde auch an die saudischen Behörden geschickt. Dort hieß es, das Papier belege keinesfalls, dass die Regierung in Riad der Hamas habe Geld zukommen lassen. Es belege lediglich eine verzerrte Sicht der Dinge. "Das Schreiben ist Schrott", sagte ein Beamter, es gebe lediglich Eindrücke und Blickweisen einiger Hamas-Mitglieder wieder, die an der Wohltätigkeitskonferenz teilgenommen hätten.

Das US-Finanzministerium jedoch nahm Mishaal jüngst in seine Liste der Terror-Financiers auf. Mishaal, so die Zeitung, stehe heute einem Arm der Hamas vor, der sich für den bewaffneten Kampf gegen Israel ausspreche - auch in Form von Selbstmordattentaten.

Mindestens 50 Prozent des zehn Millionen Dollar starken Etats der Hamas kommen nach Überzeugung amerikanischer Gesetzeshüter aus Saudi-Arabien. Fünf Millionen - eine vergleichsweise kleine Summe gemessen an den Hunderten von Millionen, die jedes Jahr an saudische Wohltätigkeitsvereine gehen. Sowohl saudische als auch amerikanische Ermittler tun sich schwer, Geldkanäle auszumachen: Nahezu alle Spenden werden bar gemacht. Oft sind es private Geber, die die arabischen Brüder in Palästina unterstützen.

Der amerikanische Finanzminister John Snow reist gerade durch den Nahen Osten. Eines seiner Ziele ist es, den Druck auf saudische und palästinensische Behörden zu erhöhen, damit diese der Hamas die Geldhähne zudrehen. Snow sagte in Israel, das Weiße Haus habe auch Syrien aufgefordert, gegen Hamas vorzugehen. Ausgerechnet Chalid Mishaal hat sich wie andere Hamas-Führer in Syrien niedergelassen.

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