16. November 2012, 18:47 Uhr

Palästinensische Machtverhältnisse

Die Stunde der Hamas

Von Raniah Salloum

Zerstörungen im Gaza-Streifen, Raketenalarm in Tel Aviv und Jerusalem: Hunderttausende fürchten einen neuen Krieg in Nahost. Doch die Hamas dürfte von dem Konflikt profitieren - er könnte gleich drei Probleme der Radikalislamisten lösen.

Schon wieder heulen am Freitag die Warnsirenen in Tel Aviv auf, das zweite Mal seit Beginn der Gaza-Offensive. Kurz darauf twittern die Hamas-Kämpfer selbstbewusst: "Die Kassam-Brigaden beschießen Tel Aviv mit einem selbstgebauten M-75-Projektil."

Seit mehr als 48 Stunden beschießt Israels Luftwaffe den Gaza-Streifen. Eine Pause gab es nur während der kurzlebigen Waffenruhe am Freitag während des Besuchs des ägyptischen Premierministers. Das erklärte Ziel der Israelis: die Raketen der Hamas zerstören, vor allem solche mit einer Reichweite über Südisrael hinaus. Dazu wollte man der Hamas eine Lektion erteilen, nachdem in den vergangenen Monaten wieder Raketen aus dem Gaza-Streifen in Südisrael landeten.

Doch trotz der Bombardierungen gelang es der Hamas nach Angaben der israelischen Armee, mehr als 340 Raketen auf Israel abzuschießen. Sicherlich hat der israelische Beschuss den radikalen Islamisten schwer zugesetzt. Militärische Einrichtungen und Infrastruktur wurden zerstört und Militär-Chef Ahmed Dschabari getötet. Doch dass die Hamas im Gaza-Streifen trotzdem in der Lage ist weiterzuschießen, ist ein Triumph. Es scheint, als würde sie zum großen Gewinner der jüngsten Gaza-Offensive.

In dem Konflikt kann die Hamas-Führung im Gaza-Streifen gleich mehrfach profitieren:

Die Aufstände in der arabischen Welt haben auch die palästinensischen Machtverhältnisse verändert. Bisher sah es aus, als könnte die Hamas zum Verlierer des Arabischen Frühlings werden. Sie sah sich gezwungen, vorsichtig von Damaskus abzurücken, und büßte damit wichtige militärische Hilfe, auch aus Iran, ein.

Nun kann sie sich über neue Verbündete freuen. Ihre Interpretation des Arabischen Frühlings als ein islamisches Wiedererwachen scheint aufzugehen. Gerade erst hatte sie ihren ersten ausländischen Staatschef zu Gast, den Emir von Katar, der ihr 400 Mio. Dollar versprach. Zudem erhofft sich die Hamas Unterstützung von den neuen islamistischen Regierungen - allen voran in Ägypten. Die Hamas ging aus der nun in Kairo regierenden ägyptischen Muslimbruderschaft hervor. Die israelischen Bombardierungen dürften ihr nun weiteren Auftrieb geben.


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