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Hamas-Reaktion: "Palästina wird sich in einen Vulkan verwandeln"

Von Alexander Bürgin

Die Exekution des Hamas-Führers Jassin hat scharfe Reaktionen ausgelöst. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira berichtet von wütender Empörung bei Israels arabischen Nachbarn. Aber auch israelische Medien befürchten, dass von Jassins Tod vor allem die Hamas und der Terror profitiert.

Ermorderter Hamasführer Jassin: Von israelischen Raketen getötet
AFP

Ermorderter Hamasführer Jassin: Von israelischen Raketen getötet

Hunderte skandierten auf den Straßen der Innenstadt von Gaza Parolen für den heiligen Krieg, während al-Rantissi, ein führendes Hamas-Mitglied, den Israelis Vergeltung für die Ermordung ihres Führers Scheich Jassin androhte: "Der Krieg gegen die israelischen Terroristen ist eröffnet. Israel versucht dem palästinensischen Volk das Recht auf eine Heimat zu nehmen, doch Scharon und seine zionistische Gang werden keinen Erfolg haben", zitiert ihn der arabische Sender al-Dschasira auf seiner englischsprachigen Internetseite.

Und Ismael Haniyah, ein weiteres führendes Hamas-Mitglied, diktierte den Reportern in den Block: "Ganz Palästina wird sich in einen Vulkan verwandeln, der die Feinde verbrennen wird." Haniyah hatte sich gerade den toten Körper Jassins angesehen, der nach einem Moschee-Besuch am Montagfrüh einem Raketenangriff der israelischen Armee zum Opfer fiel. Acht weitere Menschen starben.

In einer ersten Stellungnahme charakterisierte der palästinensische Regierungschef Kurei die Tötung des Hamas-Führers als "eine verrückte und sehr gefährliche Tat". Scheich Jassin habe die Hamas kontrolliert. Jetzt drohe das Chaos. Die Exekution sei eine klare Botschaft an die Welt, dass Israel nicht bereit sei zu Friedensgesprächen mit den Palästinensern. Saib Uraiqat, Verhandler der Autonomiebehörde, forderte die internationale Gemeinschaft dazu auf, "ernsthaft darüber nachzudenken", dem palästinensischen Volk internationalen Schutz zur Verfügung zu stellen.

Israelische Regierung gespalten

Die israelische Regierung steht derweil nicht geschlossen hinter dem Tötungsbefehl von Ministerpräsident Ariel Scharon. Innenminister Avraham Poraz stimmte wie ein weiterer Minister im Kabinett gegen die Exekution des Hamas-Führers. Er begründete sein Nein damit, dass viele Israelis mit ihrem Leben für die Tötung von Jassin bezahlen werden. "Ich fürchte, dass wir die Hamas damit nur in ihrem Kampf weiter motiviert haben. Scheich Jassin wird ein Märtyrer werden."

Auch Danny Rubenstein, Analyst der israelischen Tageszeitung "Haaretz", kommt zu dem Schluss, dass die Ermordung den israelischen Interessen mehr Schaden als Nutzen zufüge, da der Schlag gegen die Hamas vor allem die palästinensische Autonomiebehörde treffe. "Je mehr Israel die Hamas bekämpft, desto populärer wird sie. Gegen sie vorzugehen wird für die Sicherheitskräfte der palästinensischen Autonomiebehörde daher immer schwieriger. Mehr als zuvor wird jetzt jede Operation als verräterische Zusammenarbeit mit Israel gewertet." Die Ermordung trage daher zum Scheitern der Autonomiebehörde bei, so der Autor.

Arabische Empörung

Von wütender Empörung bei de arabischen Nachbarn berichtet al-Dschasira. Der Sender zitierte auf seiner Internetseite den kuweitischen Ministerpräsidenten Scheich al Sabah, der befürchtet, dass mit der Tötung eine neue Spirale der Gewalt in Gang gesetzt worden ist. Mohammed al-Saqir, Vorsitzender des Parlamentsausschuss für Außenpolitik, erklärte: "Die Israelis bezeichnen die Hamas als eine terroristische Organisation, in Wahrheit ist aber Israel ein terroristischer Staat."

Mahdi Akif von der ägyptischen muslimischen Bruderschaft forderte die arabischen Länder laut al-Dschasira auf, die diplomatischen Beziehungen zu Israel zu unterbrechen. "Die Regierungen sollten alle zionistischen Diplomaten ausweisen."

Der jordanische Regierungsprecher Asma Khader nannte die Tötung ein "Massaker, das jede Chance auf Frieden in der Region beschädige".

Der libanesische Präsident Emile Lahoud sagte: "Israel irrt, wenn es denkt, durch Gewalt den Willen der Palästinenser unterdrücken zu können." Israel werde in den besetzten Gebieten das gleiche Schicksal erleiden wie im Südlibanon.

In einem Fernseh-Interview mit al-Dschasira prognostizierte Hassan Turabi, ein islamischer Führer im Sudan, eine Ausweitung des Konflikts. "Arabische Regierungen müssen jetzt klar Position beziehen, sonst werden sie ihre Macht verlieren."

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