Todesstrafe im Nahen Osten Hamas lässt drei Männer hinrichten

Sie starben am Strang: Die radikal-islamische Hamas hat im Gaza-Streifen drei Todesurteile vollstrecken lassen. Einer der Männer wurde exekutiert, weil er mit Israel zusammengearbeitet haben soll.

Militante Islamisten in Gaza (2011): Die Hamas hat hier die Macht
REUTERS

Militante Islamisten in Gaza (2011): Die Hamas hat hier die Macht


Gaza/Berlin - Kollaboration mit Israel - in den Augen der Hamas gibt es kaum ein schlimmeres Verbrechen, als jenem Staat zu helfen, dessen Existenzrecht sie nicht anerkennt, den sie am liebsten auslöschen würde. Kollaboration kann aus Sicht der radikal-islamischen Organisation nur mit dem Tod gesühnt werden. So wurde an diesem Samstag im Gaza-Streifen erneut die Todesstrafe vollstreckt.

Drei Männer starben am Strang, einer wurde als Verräter und Israel-Helfer gehängt, die beiden anderen als Mörder. Die Hamas veröffentlichte ansonsten nur wenige Details zu den Fällen. Einer der Männer soll einen Jungen entführt, vergewaltigt und umgebracht haben. In einer Mitteilung hieß es, die Hinrichtungen seien "in Übereinstimmung mit unserer Religion, den palästinensischen Gesetzen" vorgenommen worden und um die Sicherheit zu erhöhen.

Die Hamas hat die Macht im Gaza-Streifen, seit sie im Jahr 2007 die gemäßigte Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vertrieben hat. Seitdem gibt es de facto zwei Regierungen in den Palästinensergebieten: die Hamas in Gaza, die Fatah im Westjordanland.

Wie die Hamas den Palästinenserpräsidenten ignoriert

In den fünf Jahren der Hamas-Herrschaft sind mindestens elf Gefangene hingerichtet und 30 Todesurteile gefällt worden, mehrere davon wegen vermeintlicher Zusammenarbeit mit israelischen Sicherheitskräften, so auch bei der letzten Exekution im Juli 2011. So eindeutig wie die Hamas es darstellt, ist die Rechtslage allerdings nicht. Eigentlich hat Präsident Abbas das letzte Wort in der Frage, ob jemand hingerichtet wird oder nicht. Doch die Hamas erkennt ihn nicht an und lehnt es ab, sich seine Einwilligung zu holen.

Zwar ist der Gaza-Streifen bei weitem nicht der einzige Ort, an dem die Todesstrafe verhängt und exekutiert wird - erstvor wenigen Tagen meldete Amnesty International, die Zahl der Hinrichtungen habe weltweit zugenommen. Doch auch im Gaza-Streifen haben Menschenrechtler immer wieder angeprangert, dass Menschen hingerichtet würden. Die Hamas weist solche Kritik jedoch zurück, sie sieht sich im Recht.

Die Geschichte der Hamas ist auch eine Geschichte der Gewalt. Sie ist militante Organisation, politische Partei und Wohlfahrtsorganisation in einem. Ihr militärischer Arm wird für zahlreiche Terroranschläge gegen israelische Zivilisten verantwortlich gemacht. In jüngster Zeit sendet sie zwar moderatere Signale, erkennt jedoch Israel offiziell nach wie vor nicht an.

otr/Reuters/dpa/dapd

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