Despoten-Maschine: Lufthansa wartet Lukaschenkos Luxus-Boeing

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Lufthansa Technik hat einen zweiten Auftrag von Alexander Lukaschenko ergattert. Die Mechaniker in Hamburg warten nach SPIEGEL-Information zurzeit einen Luxusjet des weißrussischen Diktatoren. Die Boeing 767 soll mit juwelenverzierter Dusche und goldenen Vorhängen ausgestattet sein.

Alexander Lukaschenko: Die Wartung der Maschinen hat Lufthansa übernommen Zur Großansicht
REUTERS

Alexander Lukaschenko: Die Wartung der Maschinen hat Lufthansa übernommen

Hamburg - Der Flug verlief ohne große Umwege, immer Richtung Westen. Um genau 9.57 Uhr setzte die Maschine mit den rot-grünen Streifen und einem Staatswappen in Hamburg-Fuhlsbüttel auf der Landebahn auf. Reine Routine soweit.

Doch die Boeing 767 mit dem Kennzeichen EW-001PB, die kurze Zeit später in der Wartungshalle von Lufthansa Technik verschwand, ist keine gewöhnliche Verkehrsflugmaschine. Sie hat einen Besitzer, der in westlichen Demokratien als Paria gilt: Alexander Lukaschenko, der Herrscher Weißrusslands.

Die Ankunft am Freitag in Hamburg wurde kritisch beobachtet von vielen Planespottern, die an den Landebahnen ihre Objektive auf die an- und abfliegenden Maschinen halten. Dort hatte schon die Ankunft einer anderen Regierungsmaschine aus Weißrussland im vergangenen Monat für Diskussionen gesorgt darüber, ob es für die Lufthansa moralisch vertretbar sei, einen solchen Auftrag anzunehmen.

SPIEGEL ONLINE gegenüber äußerte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne), sein Unverständnis, warum Lufthansa Technik für einen Diktator arbeitet, der Oppositionelle mit der Todesstrafe belegen und Demonstrationen brutal niederknüppeln lässt.

Schon in der Vergangenheit hat sich Lufthansa Technik nicht sonderlich wählerisch bei ihren Kunden gezeigt. Die VIP-Flotte Lukaschenkos reiht sich ein in Aufträge für das saudische Herrscherhaus, genauso wie jenes aus Bahrein. Und auch die Regierungsmaschine von Äquatorialguinea parkte schon einmal in Hamburg.

Lufthansa Technik wollte sich auch nach der Landung der Boeing 767 nicht weiter zu dem Wartungsauftrag oder den geplanten Reparaturen oder Umbauten der Maschine äußern. Den Langstreckenflieger mit einem geschätzten Preis ab 124 Millionen Dollar hatte Lukaschenko erst im Mai dieses Jahres von einem anderen Diktator gekauft: dem turkmenischen Staatspräsidenten Gurbanguly Berdymuchammedow.

Das Flugzeug ist mit vielerlei Extras ausgestattet: breiten weißen Ledersitzen und -sofas, edler Holzvertäfelung, goldenen Vorhängen. Im Duschbereich der VIP-Maschine sollen wertvolle Metalle und sogar Juwelen verbaut worden sein.

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Warum auch nicht?
graphicdog 10.11.2012
Zitat von sysopREUTERSLufthansa Technik hat einen zweiten Auftrag von Alexander Lukaschenko ergattert. Die Mechaniker in Hamburg warten nach SPIEGEL-Information zurzeit einen Luxusjet des weißrussischen Diktatoren. Die Boeing 747 soll mit juwelenverzierter Dusche und goldenen Vorhängen ausgestattet sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/hamburg-lufthansa-wartet-erneut-eine-boeing-747-von-lukaschenko-a-866489.html
Warum sollte eine Deutsche Firma nicht das protzige Flugzeug für einen Diktator warten? Wir verkaufen Panzer an Scharia-Regime, U-Boote an Kriegstreiber, und Maschinengewehre an jeden, der zahlt. Wir vermieten sogar unsere Polizeibeamten an diktatorische Regime zur Ausbildung der eigenen Polizei. Also, wo ist das Problem? graphicdog
2. Auch bei anderen Despoten
JuergenM 10.11.2012
bietet Lufthansa Technik Dienste an. Beispielsweise in Äquatorialguinea wird die Präsidentenmaschine von der Lufthansa Technik gewartet (Stand 2006). Geld stinkt bekanntlich nicht.
3. Geld stinkt nicht
Join_Me 10.11.2012
Zitat von sysopREUTERSLufthansa Technik hat einen zweiten Auftrag von Alexander Lukaschenko ergattert. Die Mechaniker in Hamburg warten nach SPIEGEL-Information zurzeit einen Luxusjet des weißrussischen Diktatoren. Die Boeing 747 soll mit juwelenverzierter Dusche und goldenen Vorhängen ausgestattet sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/hamburg-lufthansa-wartet-erneut-eine-boeing-747-von-lukaschenko-a-866489.html
Geld stinkt nicht. Obwohl viele neuerdings denken, man sollte auf Geld verzichten, nur weil es von "Diktatoren" oder anderen "Subjekten" kommt, stinkt Geld nicht. Packt euch an die eigene Nase, ihr verwendet jeden Tag dutzende Geräte "Made in China", das fängt beim Radiowecker an und hört beim dem Mülsi auf (überspitzt gesagt). Kauft solchen Produkte nicht, wenn ihr keine Diktatoren unterstützen wollt und es der Lufthansa vorwerfen wollt. Ach, es ist euch zu Teuer, ausschließlich nicht in Ländern ohne Diktatoren hergestellte Produkte zu kaufen? Fragt euch mal woran es liegt! Doppelmoralisten sind die Sozialisten des Kapitalismus!
4. Geld stinkt nicht, erst Recht nicht...
Cortado#13, 10.11.2012
Zitat von sysopREUTERSLufthansa Technik hat einen zweiten Auftrag von Alexander Lukaschenko ergattert. Die Mechaniker in Hamburg warten nach SPIEGEL-Information zurzeit einen Luxusjet des weißrussischen Diktatoren. Die Boeing 747 soll mit juwelenverzierter Dusche und goldenen Vorhängen ausgestattet sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/hamburg-lufthansa-wartet-erneut-eine-boeing-747-von-lukaschenko-a-866489.html
in Deutschland! Sicherlich freut sich das politische Deutschland. Merkel wird diesen Deal abgesegnet haben, oder, nachdem er bekannt wurde, sofort absegnen!!!
5. Bilder fehlen
delta120 10.11.2012
Ein paar Bilder aus dem inneren der Maschine als Beleg fehlen.
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