Streit um Geld Abdel-Samad wurde von Bekannten verschleppt

Der deutsch-ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad ist leicht verletzt in Kairo wieder aufgetaucht. Ägyptens Polizei sagt, dass nicht Radikalislamisten hinter der Tat stecken. Stattdessen hatten Bekannte Abdel-Samad verschleppt, mit denen er um Geld stritt.

Hamed Abdel-Samad: Die Polizei glaubt nicht an eine Entführung
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Hamed Abdel-Samad: Die Polizei glaubt nicht an eine Entführung


Kairo - Der deutsch-ägyptische Publizist Hamed Abdel-Samad ist in Kairo nicht von radikalen Islamisten entführt worden. Ein Beamter der Sicherheitsdirektion der ägyptischen Hauptstadt sagte am Mittwoch: "Er wurde im Azhar-Park von Menschen verschleppt, die er kannte."

Mit seinen Entführern habe Abdel-Samad Geschäftsbeziehungen gehabt, sagte die ägyptische Polizei. Nachdem er eine Schuldverschreibung unterzeichnet hatte, hätten sie ihn wieder freigelassen. In dem Streit sei es um einen Betrag von 250.000 ägyptischen Pfund, umgerechnet knapp 27.000 Euro, gegangen.

Abdel-Samad, 41, der seit 23 Jahren in Deutschland lebt und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, war am Sonntag während eines Besuchs in Kairo verschwunden.

Auch sein Bruder hatte diesen Verdacht am Montagabend in einer ägyptischen Fernsehsendung geäußert. Hamed Abdel-Samad habe sich mit seinen Geschäftspartnern wegen einer gemeinsamen Investition und ausstehender Schecks überworfen. Der Streitfall beschäftige bereits ein Gericht in dem Kairoer Vorort Chanka. Allerdings verdächtigte der Bruder des Autors auch Radikalislamisten. Abdel-Samad war von ihnen in der Vergangenheit bedroht worden.

Abdel-Samad soll leicht verletzt worden sein

Kacem Al Ghazzali, ein Freund Abdel-Samads, sagte SPIEGEL ONLINE, dass der deutsch-ägyptische Autor bei dem Vorfall verwundet worden sein soll. "Er ist an einem Auge verletzt worden und leicht am Kopf." Dies habe ihm der Bruder des Publizisten, Mahmud Abdel-Samad, am Dienstagmorgen mitgeteilt. Der Autor selbst war für SPIEGEL ONLINE bislang nicht zu erreichen.

Nach Angaben Ghazzalis war Abdel-Samad in Ägypten, um seine Familie zu besuchen und eine persönliche Angelegenheit zu regeln. Der Vorfall habe ihn nun dazu gebracht, früher als geplant wieder nach Deutschland zurückzukehren. Bereits am Donnerstag oder Freitag soll er nach Deutschland zurückkehren.

"Am Donnerstag, spätestens am Freitag wird er nach Deutschland fliegen", sagte Ghazzali. "Ich glaube, Hamed will sich erst äußern, wenn er wieder in Deutschland ist. Da ist er sicherer und kann eher sprechen", sagte Ghazzali.

Radikalislamistenhatten dem Autor im Sommer mit Mord gedroht, nachdem dieser den Muslimbrüdern bei einem Vortrag im kleinen Kreis in Kairo "Islamfaschismus" vorgeworfen hatte. "Kurz darauf begann im Internet eine Hetzkampagne gegen mich, auf Facebook erschienen mehrere Seiten mit Fotos von mir, auf denen 'Wanted Dead!' geschrieben war", sagte Abdel-Samad damals gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes befindet sich Abdel-Samad in der Obhut des deutschen Botschafters in Kairo.

ras/dpa

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