Seoul - Dass der G-20-Gipfel in Seoul keine harmonische Veranstaltung wird, war von vornherein klar. Doch die Differenzen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama traten dann doch überraschend deutlich zutage. Deutschland und die USA suchen im Streit über die richtige Handels- und Geldpolitik nach der weltweiten Wirtschaftskrise eine gemeinsame Basis.
Dabei ging Merkel noch vor Beginn des Gipfels auf Konfrontation zur US-Regierung und ließ diese wissen, dass sie keine konkreten Zusagen beim Thema Abbau von Handelsüberschüssen machen werde. Hier konnte die Kanzlerin offenbar einen Etappensieg erreichen. Der G-20-Gipfel verzichte darauf, Zielvorgaben zum Abbau von Handelsungleichheiten zu machen, erklärte sie nach einem Treffen mit dem US-Präsidenten. Stattdessen sollen künftig die Waren- und Kapitalströme besser beobachtet und so rechtzeitig übermäßige Überschüsse und Defizite vermieden werden. Wann ein solches Überwachungssystem kommen soll, war zunächst noch nicht entschieden.
Dagegen scheiterte Obama zunächst mit dem Versuch, ein Freihandelsabkommen der USA mit Südkorea zu erreichen. Eine Einigung hätte Obama auch in den USA wieder etwas Rückenwind gebracht.
Das Gespräch zwischen Merkel und dem US-Präsidenten verlief extrem kühl. Teilnehmern zufolge bemühten sich die beiden gar nicht erst um vordergründige Nettigkeiten. Nach Angaben aus Merkels Team sagte der US-Präsident, man könne ja wohl auf die sonst üblichen freundlichen Floskeln verzichten und gleich zur Sache kommen.
Eine knappe Stunde dauerte das Treffen zwischen Obama und Merkel. Es blieb sogar Zeit für ein kurzes Vier-Augen-Gespräch. Beide gaben sich danach diplomatisch. Obama sprach sogar von seiner "großen persönlichen Bewunderung" für die Kanzlerin. Doch die Kommunikation zwischen den beiden funktioniert nicht - das macht auch die Episode um einen Brief des US-Präsidenten deutlich. Das Schreiben, das Obama kurz vor dem Gipfel an seine G-20-Kollegen geschickt hatte, erreichte Merkel nicht mehr vor dem Abflug nach Seoul.
Zumindest bemühten sich beide aber um verbale Abrüstung: "Sie waren sich beide einig, dass es nicht ideal ist, in den Zeitungen von gegenseitigen Angriffen zu lesen", erzählten deutsche Teilnehmer über das Treffen von Merkel und Obama. Beide hätten sich in die Hand versprochen, dass man künftig frühzeitig miteinander sprechen wolle.
Bei einem Vortrag vor Top-Managern aus aller Welt wollte sich die Kanzlerin einen Seitenhieb auf die USA nicht verkneifen und verwies auf die üppigen Wachstumsraten "Made in Germany" und die niedrige Arbeitslosigkeit. Die Industrieländer, sagte Merkel, müssten sich aus den Milliarden-Konjunkturprogrammen allmählich zurückziehen, Defizite und Schulden abbauen.
Obama seinerseits schoss gegen die Bundesregierung: "Länder wie Deutschland profitieren von unserem offen Markt und davon, dass wir ihre Waren kaufen", erklärte er.
mmq/Reuters/dpa/dapd/AFP
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