Es ist ein Kracher, den ich als noch ganz junge Mutter erlebe: Am 9. Februar knallen die obersten Rechtssprecher in Deutschland der Bundesregierung Hartz IV vor die Füße - zur Überarbeitung. Die monatlichen Gelder für fast sieben Millionen Langzeitarbeitslose seien undurchsichtig und willkürlich, moniert das Verfassungsgericht. Vor allem die Regelsätze für Kinder sollen einfach an denen für Große gekoppelt sein. Aber Kinder sind nun einmal keine kleinen Erwachsenen, erklären sie.
Ganz ehrlich: Bis dahin haben mich Gerichtsurteile nie lange beschäftigt - weder beruflich noch privat. Aber dieses Mal war es anders. Sicher auch, weil ich ein kleines Kind zu Hause habe. Aber die Richter haben vor allem eine Frage angesprochen, die mich berührt hat: Wie viel ist ein kleiner Mensch dem Staat wert?
Ich habe die Arbeitsministerin nicht um ihren Job beneidet, als sie im Februar in Karlsruhe das Urteil schlucken musste. Sie, das Mädchen aus gutem Hause, sollte schließlich entscheiden, was einem Kind zusteht, das nichts dafür kann, dass seine Eltern arbeitslos sind. Und das auch nicht bestimmen kann, ob seine Eltern lieber in die Glotze schauen, statt ein Buch mit ihm zu lesen.
Das also ging mir immer wieder durch den Kopf.
Was die Ministerin dann Ende September präsentierte, haute mich regelrecht um: Kinder bekommen keinen Cent zusätzlich. Eigentlich hätte ihre Unterstützung sogar GEKÜRZT werden müssen.
Die Antwort lautet also: Null Cent extra ist ein Kind dem Staat wert.
Alle Erklärungen, die die Ministerin mitlieferte, interessieren mich nicht. Auch die Fünf-Euro-Erhöhung für erwachsene Hartz-IV-Empfänger ist mir vergleichsweise egal.
Mich interessiert die Zukunft dieser Kinder. Insgeheim hoffe ich daher, dass das ganze Verfahren noch einmal aufgerollt wird.
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