Hartz-IV: Was ist ein kleiner Mensch dem Staat wert?

Die Bundesregierung hat entschieden: Fünf Euro mehr sollen Hartz-IV-Empfänger bekommen. Doch was ist mit den Kindern?, fragt sich SPIEGEL-ONLINE-Redakteurin Yasmin El-Sharif.

Spielplatzszene in Berlin: Keinen Cent zusätzlich Zur Großansicht
dapd

Spielplatzszene in Berlin: Keinen Cent zusätzlich

Es ist ein Kracher, den ich als noch ganz junge Mutter erlebe: Am 9. Februar knallen die obersten Rechtssprecher in Deutschland der Bundesregierung Hartz IV vor die Füße - zur Überarbeitung. Die monatlichen Gelder für fast sieben Millionen Langzeitarbeitslose seien undurchsichtig und willkürlich, moniert das Verfassungsgericht. Vor allem die Regelsätze für Kinder sollen einfach an denen für Große gekoppelt sein. Aber Kinder sind nun einmal keine kleinen Erwachsenen, erklären sie.

Ganz ehrlich: Bis dahin haben mich Gerichtsurteile nie lange beschäftigt - weder beruflich noch privat. Aber dieses Mal war es anders. Sicher auch, weil ich ein kleines Kind zu Hause habe. Aber die Richter haben vor allem eine Frage angesprochen, die mich berührt hat: Wie viel ist ein kleiner Mensch dem Staat wert?

Ich habe die Arbeitsministerin nicht um ihren Job beneidet, als sie im Februar in Karlsruhe das Urteil schlucken musste. Sie, das Mädchen aus gutem Hause, sollte schließlich entscheiden, was einem Kind zusteht, das nichts dafür kann, dass seine Eltern arbeitslos sind. Und das auch nicht bestimmen kann, ob seine Eltern lieber in die Glotze schauen, statt ein Buch mit ihm zu lesen.

Das also ging mir immer wieder durch den Kopf.

Was die Ministerin dann Ende September präsentierte, haute mich regelrecht um: Kinder bekommen keinen Cent zusätzlich. Eigentlich hätte ihre Unterstützung sogar GEKÜRZT werden müssen.

Die Antwort lautet also: Null Cent extra ist ein Kind dem Staat wert.

Alle Erklärungen, die die Ministerin mitlieferte, interessieren mich nicht. Auch die Fünf-Euro-Erhöhung für erwachsene Hartz-IV-Empfänger ist mir vergleichsweise egal.

Mich interessiert die Zukunft dieser Kinder. Insgeheim hoffe ich daher, dass das ganze Verfahren noch einmal aufgerollt wird.

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1. Titel
McBline 24.12.2010
"Was ist ein kleiner Mensch dem Staat wert?" Natürlich nichts. Na ja, genausowenig wie ein großer minus Abzüge, weil man als Kind nicht einmal wählen darf. Um dem Vater Staat und der Mutti 'was wert zu sein braucht man waschechte Lobbyistenverbindungen. Und welche Verbindungen hat schon ein Arbeitslosenkind?
2. oooo
inci 24.12.2010
Zitat von sysopDoch was ist mit den Kindern? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,735783,00.html
na, das hat frau von der leyen doch klipp und klar gesagt. eigentlich hätte sie den satz für kinder noch absenken müssen. als ausgleich dafür gibt es ein milliardengeschäft für die außerschulische lehrbetriebsindustrie. hartz4-kinderherz, was willst du mehr als einen gutschein für geigenuntericht, auch wenn du keinen ton vom anderen unterscheiden kannst?
3. Die Autorin hat mit diesem Beitrag gezeigt,
Der_Franke 24.12.2010
das Sie diesen Artikel als junge Mutter aus rein egoistischen Gründen so verfasst hat. Nicht diejenigen, die jahrzehntelang gearbeitet haben, nicht selten gesundheitlich eingeschränkt sind und daher der Hilfe des Sozialstaates bedürfen sollen unterstützt werden. Nein, die jungen Faruen mit Kindern, die sich deren Erzeugeer entledigt haben, sollen Transfergelder erhalten. Die Konsequenz wäre endlich mal, den jungen und gesunden Menschen auch mit Kindrebn den Geldhahn weiter abzudrehen und das Geld denen zu geben, die sich aus genannten Gründen selbst nicht mehr helfen können, also den Kranken und/oder Älteren.
4. Titel
McBline 24.12.2010
Zitat von Der_Frankedas Sie diesen Artikel als junge Mutter aus rein egoistischen Gründen so verfasst hat. Nicht diejenigen, die jahrzehntelang gearbeitet haben, nicht selten gesundheitlich eingeschränkt sind und daher der Hilfe des Sozialstaates bedürfen sollen unterstützt werden. Nein, die jungen Faruen mit Kindern, die sich deren Erzeugeer entledigt haben, sollen Transfergelder erhalten. Die Konsequenz wäre endlich mal, den jungen und gesunden Menschen auch mit Kindrebn den Geldhahn weiter abzudrehen und das Geld denen zu geben, die sich aus genannten Gründen selbst nicht mehr helfen können, also den Kranken und/oder Älteren.
Ist das jetzt die Schuld der Kinder? Wow! Aber es stimmt ja - wen die Kinder nicht mal in der Lage sind sich richtige Eltern auszusuchen, sollen sie doch verhungern... ganz im Sinne der christlichen Nöchstenliebe, eben.
5. Nicht nur 5 Euro mehr, sondern massive Kürzungen
stier1952 24.12.2010
Zitat von sysopDie Bundesregierung hat entschieden: Fünf Euro mehr sollen Hartz-IV-Empfänger bekommen. Doch was ist mit den Kindern?, fragt sich SPIEGEL-ONLINE-Redakteurin Yasmin El-Sharif. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,735783,00.html
hat die Bundesregierung beschlossen. Mit der aktuellen Hartz-IV-Reform werden die Ausgaben des Staates für Hartz-IV-Empfänger nicht erhöht, sondern gekürzt! Warum ist immer nur von den 5 Euro mehr die Rede? So bekommt der deutsche Michel den Eindruck (gewollt vielleicht?), er müsste jetzt mehr bezahlen. Er bezahlt aber WENIGER! Aktuelle Kürzungen (beschlossen von der Bundesregierung im Herbst 2010): Es gibt keinen Zuschlag beim Übergang von Arbeitslosengeld I zu Hartz IV mehr (210 Millionen Einsparung). Der Rentenbeitrag für Hartz IV – Bezieher wird ersatzlos gestrichen (1,85 Milliarden Einsparung). Das Elterngeld für Hartz IV – Bezieher wird ersatzlos gestrichen. (450 Millionen Einsparung). Langzeitarbeitslose werden noch weniger als bisher gefördert. (1,3 Milliarden Einsparung).
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