Hassan-Entführung Irak fürchtet Abzug der letzten Helfer

Viele Hilfsorganisationen im Irak haben ihre Arbeit bereits eingestellt, nach der Entführung seiner Chefin auch Care International. Die irakische Regierung appelliert an die Helfer, zu bleiben. Ihre Unterstützung werde dringend benötigt.


Kairo/Bagdad - Der nationale Sicherheitsberater Muffawak al-Rubaije sagte gestern nach Angaben der britischen BBC, ein Abzug der Organisationen würde ein Zugeständnis an die Terroristen bedeuten. Care International hat wegen der Entführung der örtlichen Leiterin Margaret Hassan seine Tätigkeit im Irak vorerst eingestellt.

Der irakische Ehemann der Care-Leiterin, Tahsin Ali Hassan, bat die Entführer in einem Appell, den der arabische Fernsehsender al-Arabija ausstrahlte, um die Freilassung seiner Frau Margaret. "Meine Frau hat mit Politik nichts zu tun. Mit ihrer Arbeit setzt sie sich seit 30 Jahren für das irakische Volk ein", betonte Hassan. Margaret Hassan war am Dienstag auf dem Weg zu ihrem Büro in Bagdad von einer unbekannten Gruppe entführt worden. Zwei ägyptische Ingenieure, die am 23. September in Bagdad verschleppt worden waren, kamen unterdessen nach einem Bericht von al-Arabija frei.

Die irakische Regierung verurteilte die Entführung Hassans als Beleidigung des Islams und des Iraks. Die seit 32 Jahren im Land lebende Care-Direktorin gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten der humanitären Hilfe im Irak. Bereits unter dem Regime von Saddam Hussein überwachte sie Arzneimittellieferungen in das mit Uno-Sanktionen belegte Land. Ihr Schicksal ist noch ungewiss. Auch über die Geiselnehmer oder ihre Forderungen herrscht weiter Unklarheit. Die in Irland geborene Frau hat die britische, irische und irakische Staatsbürgerschaft.

Der irische Ministerpräsident Bertie Ahern versicherte gestern dem Parlament in Dublin, seine Regierung werde nichts unversucht lassen, um ihre Freilassung zu erreichen. "Es ist eine schreckliche Tat", sagte Ahern. "Alle Kommunikationswege werden genutzt." Das Gleiche gelte für die britische Seite.

Die US-Luftwaffe zerstörte gestern nach eigenen Angaben einen Kommandoposten der Rebellen am Nordrand der Aufständischenhochburg Falludscha. Außerdem seien weitere mutmaßliche Verstecke von Anhängern des jordanischen Terroristenführers Abu Mussab al-Sarkawi angegriffen worden. Bei den Angriffen gab es nach Polizeiangaben keine zivilen Opfer. Es sei zwar ein Wohnhaus getroffen und zerstört worden, dieses habe aber leer gestanden, weil seine Bewohner schon vorher geflüchtet seien.

In Samarra, 100 Kilometer nördlich von Bagdad, explodierten nahe dem Stadtzentrum zwei Autobomben. Dabei seien ein Kind getötet, elf US-Soldaten und ein irakischer Übersetzer verletzt worden, bestätigte das US-Militärkommando in Bagdad.

Nach monatelangem Bitten von Uno-Generalsekretär Kofi Annan hat sich Fidschi als erstes der 191 Uno-Mitgliedsländer bereit erklärt, eine Truppe zum Schutz der Uno-Mission im Irak zur Verfügung zu stellen. Uno-Sprecherin Marie Okabe erklärte gestern, dass der Südseestaat 130 Soldaten stellen will, um für die Sicherheit von Wahlhelfern der Vereinten Nationen zu sorgen. Annan hat die Uno-Mitgliedstaaten darum gebeten, den Uno-Experten zur Vorbereitung der Wahlen im Januar Tausende von Soldaten zur Seite zu stellen.



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