Reaktion auf Isis-Vormarsch Irans Präsident spricht von militärischem Eingreifen im Irak

Iran betont seine Rolle als Schutzmacht der Schiiten: Teheran werde alles unternehmen, um die religiösen Stätten im Irak zu schützen, kündigt Präsident Rohani an. Freiwillige Kämpfer stünden für einen Militäreinsatz bereit.

Iranischer Präsident Rohani: Schiitische Schreine sollen geschützt werden
REUTERS

Iranischer Präsident Rohani: Schiitische Schreine sollen geschützt werden


Bagdad/Teheran - Irans Präsident Hassan Rohani bringt einen Einmarsch in den Irak ins Spiel. Seine Regierung werde nicht zögern, die heiligen schiitischen Stätten im Nachbarland vor "den Großmächten, ihren Lakaien, den Mördern und Terroristen", zu schützen, sagte Rohani im Staatsfernsehen. Viele freiwillige Kämpfer und Kriegsveteranen stünden bereit, um sich für den Schutz der Schreine zu opfern, sagte der Regierungschef während einer Rede in der Provinz Lorestan.

Der iranische Präsident reagierte damit auf den Vormarsch der sunnitischen Dschihadistengruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis). Sie kontrolliert inzwischen weite Teile des Irak. Die Extremisten betrachten Schiiten wie Rohani als Ketzer und haben gedroht, die von ihnen verehrten Grabmäler der Imame in Bagdad, Samarra, Kerbela und Nadschaf zu zerstören. Der ranghöchste schiitische Geistliche im Irak, Großajatollah Ali al-Sistani rief vergangene Woche die Schiiten auf, zu den Waffen zu greifen, um die heiligen Stätten zu verteidigen.

Saudi-Arabien reagiert auf iranische Ankündigung

In Nadschaf befindet sich das Grabmal für Imam Ali, den Cousin und Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Die Schiiten betrachten ihn als einzig legitimen Nachfolger Mohammeds an der Spitze der islamischen Gemeinde. Im benachbarten Kerbela soll Mohammeds Enkel Hussein begraben liegen. Er kämpfte 50 Jahre nach dem Tode Mohammeds gegen die sunnitischen Kalifen, die von Husseins Anhängern als unrechtmäßige Herrscher angesehen wurden. Husseins Martyrium bildet den Ursprungsmythos der schiitischen Gemeinschaft.

Iran ist ein wichtiger Verbündeter des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Die Sunniten im Irak werfen dem Schiiten Maliki seit Langem vor, sie in Politik, Verwaltung und den Sicherheitskräften zu benachteiligen. Eine friedliche Protestbewegung sunnitischer Politiker und Stammesführer vergangenes Jahr wurde von der Regierung gewaltsam unterdrückt. Bei ihrem Vormarsch auf Bagdad fanden die Radikalen von Isis daher auch Unterstützung bei vielen gemäßigten Sunniten, darunter früheren Offizieren und Beamten des 2003 durch die US-Intervention gestürzten Machthabers Saddam Hussein.

Saudi-Arabien reagierte umgehend auf Rohanis Äußerungen. Außenminister Saud Bin Faisal sagte, das Königreich lehne jede äußere Einmischung in die Entwicklungen im Irak ab. Saudi-Arabien und Iran streiten um die Vorherrschaft in der Region.

Karte

syd/Reuters/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 112 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Olaf 18.06.2014
1.
Zitat von sysopREUTERSIran betont seine Rolle als Schutzmacht der Schiiten: Teheran werde alles unternehmen, um die religiösen Stätten im Irak zu schützen, kündigt Präsident Rohani an. Freiwillige Kämpfer stünden für einen Militäreinsatz bereit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/hassan-rohani-iran-will-im-irak-schiitische-staetten-schuetzen-a-975852.html
Diese Konfessionskriege erinnern an Europa im dreißigjährigen Krieg. Am Ende könnte eine Neuordnung des Nahen Ostens stehen.
sysiphus-neu 18.06.2014
2. Heuchler
Der Saudi-Außenminister lehnt also jede ausländische Einmischung im Irak ab, dieser Heuchler. Es sind doch die Dollarmilliarden der Golfdiktaturen, allen voran die der Saudis, welche der islamistischen Terror finanzieren und überhaupt erst ermöglichen. Ohne einen radikalen Regime Change in Riad und in Doha wird es keinen Frieden im Mittleren Osten geben - diese Potentaten müssen endlich weg!
Sabi 18.06.2014
3. Schutz
Die Russen wollen ihre Russen in der Ukraine beschützen. Die Ajatollahs wollen ihre heiligen Stätten und Schiiten im Irak beschützen. Zu viel Beschützerei bedeutet auch viel Krieg !!!!!
Ivancov 18.06.2014
4. Saudi Arabien vor dem Niedergang?
Wer weiß, vielleicht steht Saudi Arabien, die unmissverständlich klar gemacht haben, dass Sie ISIS und andere Terroristen unterstützen vor dem Niedergang. Ich habe einen Artikel gelesen, der sagt, nach einer Amerikanisch-Iranischen Übereinkunft werde die Macht im Middle East neuverteilt werden. Der Artikel ist von der European Iranian Council on Public Affairs EICPA und bisschen was älter, aber trotzdem interessant www.eicpa.org, also der genau Link ist der hier http://www.eicpa.org/Politics/PolicyReview/files/88e33d8171e7530a41b9ebbd17e40c22-9.html Ich finde diese Entwicklungen im mittleren Osten gerade interessant und zugleich auch bedrohlich
sysiphus-neu 18.06.2014
5. Heuchler
Der Saudi-Außenminister lehnt also jede ausländische Einmischung im Irak ab, dieser Heuchler. Es sind doch die Dollarmilliarden der Golfdiktaturen, allen voran die der Saudis, welche der islamistischen Terror finanzieren und überhaupt erst ermöglichen. Ohne einen radikalen Regime Change in Riad und in Doha wird es keinen Frieden im Mittleren Osten geben - diese Potentaten müssen endlich weg!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.