US-Finanzchaos: Senat stoppt Haushalts-Entwurf der Republikaner

Kapitol in Washington: Die Frist endet um Mitternacht Zur Großansicht
AP

Kapitol in Washington: Die Frist endet um Mitternacht

Politik-Pingpong in Washington: Die Demokraten im US-Senat haben eine republikanische Gesetzesvorlage zurückgewiesen. Diese koppelte die weitere Finanzierung der Regierung an eine Verschiebung von Obamas Gesundheitsreform. Jetzt sind wieder die Republikaner dran - oder den USA geht das Geld aus.

Mit ihrer Mehrheit im US-Senat haben die Demokraten den Versuch der Republikaner gekontert, die weitere Finanzierung der Regierung an Bedingungen zu knüpfen und unter anderem den Start der bevorstehenden Gesundheitsreform ("Obamacare") zu verschieben. Am Montag stimmte der Senat in Washington mit 54 zu 46 Stimmen gegen die Gesetzesvorlage, die die republikanische Mehrheit am Wochenende im Repräsentantenhaus beschlossen hatte. Die Republikaner hatten neben der Verschiebung von "Obamacare" um ein Jahr auch Steuererleichterungen für die Hersteller von medizinischem Gerät gefordert.

Nun ist erneut das Repräsentantenhaus am Zug. Reagiert es wiederum mit einem Entwurf, der die Finanzierung der Regierung mit "Obamacare" koppelt, steht der sogenannte Government Shutdown kurz bevor. Um Mitternacht (Dienstag, 6 Uhr deutscher Zeit) geht der US-Regierung bei einer Nichteinigung zwischen Demokraten und Republikanern das Geld aus.

In einer CBS-Umfrage lehnen die Amerikaner die Taktik der Republikaner mit großer Mehrheit ab: Obwohl es Unsicherheit gibt mit Blick auf die Gesundheitsreform - eine knappe Mehrheit ist dagegen - sagen 80 Prozent der Befragten, es sei nicht akzeptabel, wegen "Obamacare" mit einem Regierungsstillstand zu drohen. Sogar 75 Prozent der republikanischen Parteigänger sind dieser Überzeugung. Auf die Frage in einer CNN-Erhebung, wer für einen möglichen Regierungsstillstand die Schuld trage, verwiesen 36 Prozent der Befragten auf Obama, aber 46 Prozent auf die Republikaner im Kongress.

An der Wall Street hat die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA zum Wochenauftakt für Verluste gesorgt: Der Dow Jones Industrial beendete den Handel am Montag 0,84 Prozent tiefer bei 15.129,67 Punkten. Auf Monatssicht legte der US-Leitindex hingegen um 2,2 Prozent zu. Im abgelaufenen Quartal verbuchte er ein Plus von 1,5 Prozent.

Obama: "Habe überhaupt nicht resigniert"

Präsident Obama meldete sich kurz vor der Abstimmung im Senat zu Wort. Er habe die Hoffnung auf einen Kompromiss noch nicht aufgegeben: "Ich habe überhaupt nicht resigniert", sagte er. Er wolle im Laufe des Tages erneut mit Spitzenpolitikern aus dem Kongress sprechen. "Es gibt eine ziemlich einfache Lösung", so Obama: "Wenn man die kurzsichtige Politik beiseite legt und langfristig denkt, ist es einfach nur erforderlich, dass alle verantwortlich handeln und das Richtige für die amerikanische Bevölkerung machen." Der Präsident warnte erneut vor den Folgen eines finanziellen Kollapses der Regierung. "Wir sind das Fundament der Weltwirtschaft und des weltweiten Finanzsystems", sagte er. "Damit sollten wir nicht herumspielen."

Sollten sich die Republikaner und Demokraten nicht einigen, werden am Dienstag alle nicht notwendigen Teile der Bundesverwaltung zum neuen Fiskaljahr 2014 lahmgelegt. Etwa 800.000 Staatsbedienstete könnten in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt werden. Museen und Nationalparks würden geschlossen.

Zuletzt machte die Bundesverwaltung vom 16. Dezember 1995 bis zum 6. Januar 1996 dicht, als sich der damalige demokratische Präsident Bill Clinton ebenfalls erbitterte Budgetschlachten mit einer republikanischen Parlamentsmehrheit lieferte.

sef/AFP/dpa/AP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
cato. gestern, 21:12 Uhr
Zitat von sysopPolitik-Pingpong in Washington: Die Demokraten im US-Senat haben eine republikanische Gesetzesvorlage zurückgewiesen. Diese koppelte die weitere Finanzierung der Regierung an eine Verschiebung von Obamas Gesundheitsreform. Jetzt sind wieder die Republikaner dran - oder den USA geht das Geld aus. Haushaltsstreit: US-Senat stoppt Gesetzesvorlage der Republikaner - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/haushaltsstreit-us-senat-stoppt-gesetzesvorlage-der-republikaner-a-925425.html)
Eigentlich wäre es jetzt an den Demokraten, nachdem sie einen Kompromissvorschlag der Republikaner (die eigentliche Position der Republikaner ist, dass Obamacare ganz vom Tisch genommen wird, so wie es die Mehrheit der Bevölkerung will) zurückgewiesen haben, einen aus ihrer Sicht akzeptablen Kompromiss vorzugelen.
2. Dank moeglicherweise
spon-facebook-10000523851 gestern, 21:18 Uhr
in Deutschland hergestellter Druckmaschinen wird es weiter Dollar regnen. Aber im Grunde wuerde es den Amerikanern durchaus gefallen, wenn alle derzeit regierenden und mitregierenden Amateurpolitiker in die Wueste geschickt wuerden. Da gibt's sicher was besseres als die Typen die seit zig Jahren die Taschen der die Lobbyisten beauftragenden Banken und Unternehmen und ihre eigenen fuellen und die duldsame Mehrheit vernachlassigen und ausrauben, sprich, ihr Land verkaufen. Deutschland als grosse Nachahmernation all dessen was amerikanisch ist soll sich das alles aufmerksam ansehen. Noch ist es nicht zu spaet.
3. Kompromiss
plleus gestern, 21:22 Uhr
Zitat von cato.Eigentlich wäre es jetzt an den Demokraten, nachdem sie einen Kompromissvorschlag der Republikaner (die eigentliche Position der Republikaner ist, dass Obamacare ganz vom Tisch genommen wird, so wie es die Mehrheit der Bevölkerung will) zurückgewiesen haben, einen aus ihrer Sicht akzeptablen Kompromiss vorzugelen.
Warum sollten sie? Diese Dinge haben nichts miteinander zu tun und die HCR ist nun lange Gesetz. Ob die Mehrheit der Bevoelkerung diese Reform nicht will haengt wohl mehr von der Fragestellung ab. Das aendert sich seit Jahren fast taeglich.
4. Ich geb mal eine Theorie ab:
benutzerfrage gestern, 21:46 Uhr
Goldman Sachs, Morgen Stanley und co wetten gegen den US-Dollar→Die US-Abgeordneten können sich nicht einigen→der Dollarkurs sinkt dramatisch→Goldman Sachs, Morgen Stanley und co wetten für den US-Dollar und schicken ihre Lobbyisten Los, damit man einen Kompromiss findet→man einingt sich→der Dollarkurs steigt dramatisch→Goldman Sachs, Morgen Stanley und co haben mal wieder ein Milliarden Geschäft gemacht.
5. Tcha...@benutzerfrage.....
spon-facebook-10000523851 gestern, 22:09 Uhr
und was macht das ach so maechtige, demokratiegeile Volk ? Zuschaun' bis allen das Gas ausgeht. Ein beruehmtberuechtigter Staatsmann schrieb in enem Buch mal, dass es "es jedem Staat zu Gute komme, dass das Volk eigentlich dumm sei".
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Die Regierung Obama
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare
Fotostrecke
Grafikvergleich: Die US-Wirtschaft unter Bush und Obama

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite