Untersuchungsbericht So kam es zum Raketenfehlalarm auf Hawaii

38 Minuten lang dachten die Hawaiianer am 13. Januar, sie würden Ziel eines Atomangriffs. Ermittler untersuchten, wie es zu dem Fehlalarm kam - und berichten nun von vielen Missverständnissen und fahrlässigen Computersystemen.

Kontrollzentrum der Katastrophenschutzbehörde EMA auf Hawaii (Archivbild vom Dezember 2017)
AP

Kontrollzentrum der Katastrophenschutzbehörde EMA auf Hawaii (Archivbild vom Dezember 2017)


"Drohende ballistische Rakete. Sofort Zuflucht suchen. Das ist keine Übung": Diese Nachricht bekamen Hunderttausende Hawaiianer am 13. Januar auf ihr Mobiltelefon. Auch im Fernsehen und Internet wurde die Warnung der Katastrophenschutzbehörde EMA verbreitet. Es folgten dramatische Szenen: Menschen rannten panisch durch die Straßen, verbarrikadierten sich in Badezimmern oder suchten Zuflucht in der Kanalisation. Erst nach 38 Minuten kam die Entwarnung: Es handelte sich um einen Fehlalarm.

Nun hat die US-Bundesbehörde FCC ihren Untersuchungsbericht zu der Panne veröffentlicht. Demnach war es eine Kombination aus menschlichem Versagen und mangelhaften Kontrollmaßnahmen, die zur Auslösung des Alarms führte.

Wie die "Washington Post" schon Ende Januar berichtete, hatte der betreffende Mitarbeiter den Alarm bewusst ausgelöst, weil er an einen realen Angriff glaubte. Der Aufseher der Nachtschichtarbeiter der hawaiischen Katastrophenbehörde EMA hatte sich spontan zu einem Alarmtest entschlossen, der den gerade eintreffenden Tagesschichtarbeitern galt. Deren Vorgesetzter dachte aber, dass sich der Test noch an die Nachtdienstler richtete und war daher nicht darauf vorbereitet, den morgendlichen Test zu überwachen.

Nur zwei Mitarbeiter sollen gemeinsam Alarm schlagen können

So gab es keine angemessene Aufsicht, als der Nachtdienstleiter den Tagesmitarbeitern - wie bei solchen Tests vorgesehen - eine angebliche Botschaft des US-Pazifikkommandos vorspielte, in der vor einer Raketenbedrohung gewarnt wurde. Fälschlicherweise enthielt diese auch noch die Formulierung: "Dies ist kein Test." Da in der Nachricht gleichzeitig aber von "Übung, Übung, Übung" die Rede war, verstanden die Kollegen des Mannes durchaus, dass es sich um eine solche handelte.

Dass ein einzelner Mitarbeiter überhaupt in der Lage war, den landesweiten Alarm zu starten, sei fahrlässig, heißt es in dem Untersuchungsbericht. In allen US-Bundesstaaten sollten die Alarmsysteme so ausgelegt sein, dass nur zwei Mitarbeiter gemeinsam den Notstand ausrufen können. Zudem müsse es Vorgaben geben, wie im Falle eines Fehlalarms zu verfahren sei. Diese hatte es in Hawaii nicht gegeben - obwohl Hawaii deutlich häufiger als andere Bundesstaaten Alarmtests durchführt.

Ein Sprecher des hawaiianischen Verteidigungsministeriums sagte, man sei bereits dabei, die Empfehlungen der FCC umzusetzen. Der Mitarbeiter, der den Fehlalarm ausgelöst hatte, wurde nach dem Vorfall gefeuert. Zwei führende Mitglieder des hawaiianischen Katastrophenschutzes traten zurück.

vet/AP/Reuters

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