Heftige Gefechte Im Jemen wächst die Angst vor einem Bürgerkrieg

Raketen schlagen ein, Heckenschützen feuern auf Demonstranten: Im Jemen geht das Regime offenbar wieder mit gesteigerter Brutalität gegen Oppositionelle vor. Präsidententreue Streitkräfte und gegnerische Milizen liefern sich die schwersten Gefechte seit Monaten.

Anti-Regierungsproteste in Sanaa (Bild vom 16.10.2011): Heftige Artillerieangriffe
DPA

Anti-Regierungsproteste in Sanaa (Bild vom 16.10.2011): Heftige Artillerieangriffe


Sanaa - Im Jemen wächst die Angst vor einem Bürgerkrieg, der mit dem Zerfall des ohnehin schon brüchigen Staatswesens enden könnte. Bewohner der Hauptstadt Sanaa berichteten, in der Nacht zum Montag habe die Stadt die bisher heftigsten Artillerieattacken seit Beginn der Krise Anfang Februar erlebt. "Es herrscht große Anspannung und Angst davor, dass der Präsident einen Bürgerkrieg provozieren will", sagte ein Beobachter in Sanaa. Am Montag sei in der Hauptstadt fast niemand zur Arbeit gegangen.

Lokale Medien sprachen von mehr als 20 Toten seit Sonntag. Die Nachrichtenwebsite Marib Press meldete, alleine durch den Einschlag einer Granate im Feldhospital der Protestbewegung im Stadtzentrum seien drei Zivilisten gestorben. Zudem seien mehrere Viertel im Norden der Stadt beschossen worden.

Nach Angaben eines Augenzeugen versuchten die Regierungstruppen, die noch loyal zu Präsident Ali Abdullah Salih stehen, die Kämpfer rivalisierender Stammesführer und die 1. Brigade von General Ali Mohsen al-Ahmar in Gefechte zu verwickeln. Die Soldaten dieser Brigade, die versprochen hatte, die friedlichen Anti-Salih-Demonstranten zu schützen, hätten die Angreifer rund um den Taghier-Platz zurückgedrängt, hieß es. Am Wochenende hatten im ganzen Land Hunderttausende den Rücktritt Salihs gefordert. Augenzeugen berichteten, Heckenschützen hätten von Dächern aus auf eine Kundgebung mit Tausenden Menschen in Sanaa gefeuert.

Zu den Gruppierungen, die Salihs Rücktritt fordern, gehören Islamisten, Liberale, Linke, Frauenverbände, Studenten und rivalisierende Stammesführer. Keine Rolle spielen dabei die Qaida-Terrorzellen, die bei einem Luftangriff im September einen ihrer wichtigsten Wortführer, den US-Bürger Anwar al-Awlaki, verloren hatten.

Vor einer Woche hatte Präsident Salih seinen Rückzug angekündigt. Er werde die Macht in den nächsten Tagen abgeben, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters Salih. Bislang ist der Präsident seinem Versprechen nicht nachgekommen.

anr/dpa/dapd



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insgesamt 8 Beiträge
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andreasneumann2 17.10.2011
1. Ich versteh das alles nicht!
Also ich kann beim besten Willen nicht verstehen wieso unsere Medienvertreter so für einen neuen islamischen Gottesstaat im Jemen sind. Wenn die Islamisten die Macht im Jemen ergreifen, dann werden die Frauenrechte entgültig abgeschafft. Dann gibt es auch keinen staatlichen Schutz für religiöse Minderheiten mehr. Wenn nur noch die Scharia im Jemen gilt, dann wird man bestraft wenn man dort mit einer Bibel im Gepäck oder einem kleinem Kreuz um den Hals einreist. (Das ist übrigens in Saudi Arabien schon gang und gebe.) Also liebe westliche Journalisten: Nochmals meine Frage: Wieso nehmen Sie für Islamisten Partei? Welche Vorteile hat ein westlicher Journalist wenn er einen islamistischen Gottesstaat im Jemen befürwortet?
Jean P. v. Freyhein 17.10.2011
2. Kein Titel
Zitat von andreasneumann2Also ich kann beim besten Willen nicht verstehen wieso unsere Medienvertreter so für einen neuen islamischen Gottesstaat im Jemen sind. Wenn die Islamisten die Macht im Jemen ergreifen, dann werden die Frauenrechte entgültig abgeschafft. Dann gibt es auch keinen staatlichen Schutz für religiöse Minderheiten mehr. Wenn nur noch die Scharia im Jemen gilt, dann wird man bestraft wenn man dort mit einer Bibel im Gepäck oder einem kleinem Kreuz um den Hals einreist. (Das ist übrigens in Saudi Arabien schon gang und gebe.) Also liebe westliche Journalisten: Nochmals meine Frage: Wieso nehmen Sie für Islamisten Partei? Welche Vorteile hat ein westlicher Journalist wenn er einen islamistischen Gottesstaat im Jemen befürwortet?
Gegenfrage, welches Interesse sollten wir an einem brutalem Regime im Jemen haben, welches die Bevölkerung unterdrückt, foltert und primitivste Rechte wie die Menschenrechte und Demokratie verweigert? Die Unterstützung solcher Regime ist doch geradezu Benzin auf den Feuern der Islamisten und Gotteskrieger gegen den Kolonialismus der Unterstützer dieser Regime. Frieden und Freiheit kann man nicht mit Unterdrückung und Mord aufbauen. Mit Demokratie und Aufklärung aber schon.
Heinz-und-Kunz 17.10.2011
3. Auch gegen Titelzwang
Zitat von Jean P. v. FreyheinGegenfrage, welches Interesse sollten wir an einem brutalem Regime im Jemen haben, welches die Bevölkerung unterdrückt, foltert und primitivste Rechte wie die Menschenrechte und Demokratie verweigert? Die Unterstützung solcher Regime ist doch geradezu Benzin auf den Feuern der Islamisten und Gotteskrieger gegen den Kolonialismus der Unterstützer dieser Regime. Frieden und Freiheit kann man nicht mit Unterdrückung und Mord aufbauen. Mit Demokratie und Aufklärung aber schon.
Weil besagtes Regime uns nicht bedroht! Es wäre ja schön, wenn dort Frieden und Demokratie ausbrechen würden, aber das ist vorsichtig formuliert 'nicht sicher'. Im Iran ist der Stop der Unterstützung des Schahs nach hinten los gegangen und in Ägypten und Tunesien wittern die Islamisten auch Morgenluft.
Stauss 17.10.2011
4. Und was ist in Lügyen?
Haben die Misrata-Rebellen endlich gegen den Revolutionsführer Gadafi gewonnen? Oder geht der Kampf in Sirte nun um die letzten Plätze der Aula der Hochschule? Denn in den letzten Berichten war immer um den Kampf um ein Konferenzzentrum der Uni die Rede. Sirte hat bei 130.000 Einwohnern eine von Gadafi 1991 gegründete Universität, die eine der größten Hochschulen des Landes war und nun nur noch eine von der Nato zusammengebombte Ruine.
cingulator 17.10.2011
5. Religiöse Minderheiten? Juden betrifft es nicht mehr...
Zumindest den jemenitischen Juden kann nichts mehr geschehen. Es gibt im Jemen nämlich keine mehr. Die Islamisten verlangten von ihnen die Konversion oder ihre Leben, und nach ein paar harmlosen Einzelfällen (Mord, Totschlag, Brandstiftung) zogen die letzten nach Israel. http://www.hagalil.com/archiv/2009/03/28/jemen/ Dort sind sie wenigstens halbwegs sicher vor dem islamistischen Furor. Jetzt noch die Christen evakuieren und dann können meinetwegen die Spiele beginnen. Aus Europa ziehen auch zunehmend Juden weg - nach Israel oder in die USA. Woran das wohl liegen mag? Aber wir kämpfen schön brav weiter gegen den Popanz 'Rechts'.
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