Heftige Kämpfe Libysche Rebellen müssen sich zurückziehen

Sie haben sich die Eroberung von Gaddafis Heimatstadt Sirte vorgenommen - doch der Vormarsch der Rebellen ist vorerst gestoppt. Die Regierungstruppen beschossen sie mit Raketen und Granaten. Die Aufständischen hoffen nun auf den Einsatz westlicher Kampfflugzeuge.

REUTERS

Ben Dschawad - Bis auf 60 Kilometer kamen die Gegner von Muammar al-Gaddafi auf die Heimatstadt des Despoten heran. Doch unter massivem Mörser- und Artillerie-Beschuss durch regimetreue Truppen mussten sie sich Dutzende Kilometer zurückziehen.

Die Aufständischen sammelten sich nahe der Stadt Ben Dschawad. Mehrere Rebellen sagten, sie wollten nun auf "den Beschuss aus Flugzeugen von [Frankreichs Präsident Nicolas] Sarkozy" warten, wie ein AFP-Journalist berichtete. Dann solle der Vormarsch auf Sirte fortgesetzt werden.

Die Rebellen hatten seit Sonntag mehrere Städte und Ölhäfen im Ostteil des Landes wieder eingenommen - unter dem Schutz der Luftangriffe einer Koalition um Frankreich, Großbritannien und den USA. Ermutigt von den jüngsten Eroberungserfolgen hatten die Rebellen die Einnahme Sirtes angepeilt, die als besonders symbolträchtig und strategisch wichtig gilt.

US-Kampfflugzeug greift libysche Küstenwache an

Ein US-Kampfflugzeug griff am Montagabend ein Schiff der libyschen Küstenwacht an, das Raketen auf Schiffe im Hafen von Misurata abgeschossen hatte. Ein Flugzeug der US-Luftwaffe attackierte zudem zwei kleinere libysche Schiffe. Eines wurde zerstört, das andere von der Besatzung aufgegeben.

Inzwischen hat auch Schweden Jagdflugzeuge für den internationalen Militäreinsatz in Libyen angeboten. Laut Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt will das Land nach einer erwarteten Anfrage der Nato insgesamt acht Kampfflugzeuge vom Typ Jas Gripen sowie einem Hercules-Transportflugzeug und einem Überwachungsflugzeug für den Einsatz entsenden. Schweden gehört nicht der Nato an.

Die Nato übernimmt das Kommando über den gesamten Libyen-Einsatz am Donnerstagmorgen um 8 Uhr. Demnach sollte das Militärbündnis das Kommando über die gesamten internationalen Operationen in Libyen inklusive der Luftangriffe zum Schutz von Zivilisten ursprünglich bereits am Mittwoch übernehmen.

Wie es in Libyen nach der Ära Gaddafi weitergehen soll, beraten am Dienstag in London Vertreter von mehr als 40 Regierungen und internationalen Organisationen. Dabei wird auch darüber diskutiert, ob Gaddafi möglicherweise ins Exil gehen könnte. Berichten zufolge würden Großbritannien und die USA einen solchen Schritt akzeptieren. Italien hatte einen afrikanischen Staat als Aufnahmeland angeregt. Von der britischen Regierung heißt es, sie würde Gaddafi lieber auf der Anklagebank beim Internationalen Strafgerichtshof sehen, aber wenn seine Flucht der Preis für den Frieden sei, könnte sie damit leben.

Gaddafi selbst hat den internationalen Militäreinsatz zum Schutz von Zivilisten mit den Kriegszügen der Deutschen unter Adolf Hitler verglichen. "Stoppt diese barbarische Aggression gegen Libyen! Lasst die Libyer in Ruhe!", schrieb Gaddafi in einer Botschaft an europäische und amerikanische Parlamentarier wenige Stunden vor Beginn der Londoner Konferenz.

kgp/mgb/dpa/AFP



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amandus73 19.03.2011
1.
Nein! Für eine Nation, die sich zu Recht und Freiheit bekennt ist es eine Schande.
Fritz Katzfuß 19.03.2011
2. Grundsätzlich: Ja.
Außerdem: Die Rebellen haben zuwenig Unterstützung im Volk, das heißt in der eigenen Armee. Solange Gaddafi da die Mehhreit für sich hat, kann er sich halten. Der Westen hat nicht die Macht, ihn aus der Luft zu besiegen.
Jupp Koschkoweit 19.03.2011
3. Die deutsche Haltung ist falsch
Zitat von sysopBei dem Votum über die Libyen-Resolution im UN-Sicherheitsrat hat sich Deutschland enthalten. Die USA, Frankreich und Großbritannien hingegen wollen Diktator Gaddafi mit militärischen Aktionen stoppen. Finden Sie die Haltung der Bundesregierung gegnüber einem Militäreinsatz richtig?
Jeder militärische Eingriff birgt natürlich Risiken. Aber nicht einzugreifen, kann für die Betroffenen in der Region noch größere Risiken bergen. Und das ist hier gegeben. Gaddafi hat sein Massaker in Bengasi bereits angekündigt, und hat schon ähnliche Massaker durchführen lassen. Es geht hier um Menschen, die vom Tod bedroht sind und für ihre Freiheit gegen einen verrückten Despoten kämpfen. Es sind Menschen, die genau den gleichen Freiheitskampf führen, wie heute andere Völker in der arabischen Welt und vor etwa 20 Jahren die Völker in Osteuropa. Wenn es überhaupt einen Grund gibt für die internationale Gemeinschaft einzugreifen, dann der, Menschen bei ihrem Kampf um die Freiheit zu unterstützen und ein Massaker eines Despoten an seinem Volk zu verhindern. Vor ein paar Tagen argumentierten die Interventionsgegnern noch damit, dass es keine Legitimation zu einem Krieg gegen Gaddafi gäbe. Davon kann nach der Entscheidung des UN-Sicherheitsrates keine Rede mehr sein. Da nun dieses Argument wegfällt, kann man nicht einfach seine Meinung weiter mit der Unterstellung begründen, dass es den Aufständischen gar nicht um Demokratie und Freiheit ginge. Man sollte also aufhören, den Aufständischen unlautere Motive zu unterstellen und sie damit auf eine Stufe mit Gaddafis Söldnertruppe stellen. Diese Menschen sind es wert, geschützt zu werden. Ein zweites Ruanda darf es nie wieder geben.
isar1schmuetz 19.03.2011
4. nein, so kann man seine Bündnispartner nicht vor den Kopf stoßen!
Leider hat sich Deutschland da auf gefährliches Terrain begeben. Unsere Bündnispartner und noch mehr die sich nach demokratischen Verhältnissen sehnenden Völker in der ganzen Welt wundern sich, ob Deutschland vergessen hat, wie die Völkergemeinschaft Deutschland nach 1945, nach dem Mauerbau 1961 und nach dem Mauerfall 1989 unterstützt hat! Offensichtlich hat Frau Merkel das damals nicht so mitbekommen. Der Flurschaden, den sie mit Rücksicht auf - ja auf was denn ? - angerichtet hat, ist nicht so schnell nicht gut zu machen! Warum sind wir wohl im Sicherheitsrat???
staatsname deutsch 19.03.2011
5. Bundes-Wehr
Zitat von sysopBei dem Votum über die Libyen-Resolution im UN-Sicherheitsrat hat sich Deutschland enthalten. Die USA, Frankreich und Großbritannien hingegen wollen Diktator Gaddafi mit militärischen Aktionen stoppen. Finden Sie die Haltung der Bundesregierung gegnüber einem Militäreinsatz richtig?
Jegliche Entscheidung die besagt, daß deutsche Soldaten direkt oder indirekt bei keinen bewaffneten Auslandseinsätzen teilnehmen, ist gut; für zumindest die jungen Menschen in Deutschland. Oder wollt ihr denen noch weismachen, daß das "echter Krieg spielen" nötig, nützlich und unvermeidbar ist ? Das wollte der Adi auch!
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