Tschadsee-Konferenz Bundesregierung gibt 100 Millionen Euro für humanitäre Hilfe

Elf Millionen Menschen sind in der Tschadsee-Region auf Hilfe angewiesen. Außenminister Heiko Maas sieht Europa in der Pflicht - auch im eigenen Interesse.

Heiko Maas (SPD)
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Heiko Maas (SPD)


Deutschland will bis zum Jahr 2020 zusätzlich 100 Millionen Euro für die Not leidende Bevölkerung der afrikanischen Tschadsee-Region geben. Neben diesem Geld für humanitäre Hilfe stelle Deutschland 40 Millionen Euro für die politische Stabilisierung sowie 220 Millionen Euro für laufende Entwicklungsprogramme bereit, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) bei der Tschadsee-Konferenz.

Vertreter der Anrainerstaaten verhandeln bei der Konferenz in Berlin zusammen mit Deutschland, Norwegen und der Uno über Hilfsgelder, Stabilisierung und nachhaltige Entwicklung in der Krisenregion.

Am Tschadsee spiele sich "eines der größten humanitären Dramen unserer Zeit" ab, sagte Maas. Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind in der Region insgesamt elf Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. In der Region um den Tschadsee am südlichen Rand der Sahara sind nach Angaben der Uno derzeit fast 2,4 Millionen Menschen auf der Flucht. Allein in Nigeria gibt es 1,9 Millionen Binnenvertriebene, die vor der Gewalt der Islamistengruppe Boko Haram geflohen sind. Armut und der Klimawandel verschärfen die Situation.

Vor Beginn der Konferenz sagte Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die Tschadsee-Region sei zum "Tummelplatz" von Gruppen wie Boko Haram oder der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) geworden, "die auch für unsere Sicherheit in Europa eine Bedrohung sind". Europa könne es sich deshalb nicht erlauben wegzuschauen.

Bei einer Geberkonferenz im vergangenen Jahr in Oslo wurden für die Länder umgerechnet 579 Millionen Euro an Hilfsgeldern eingeworben. Angepeilt war allerdings fast das Dreifache. Nach Angaben von Hilfsorganisationen ist von der zugesagten Summe bisher nur die Hälfte ausgezahlt worden. Die 100 Millionen Euro, die Deutschland in Oslo zugesagt hat, sind nach Angaben von Maas bereits vollständig in Projekte geflossen.

zng/dpa/AFP



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