Helfer bei Bin-Laden-Jagd: Galgen oder Goldmedaille

Von , Islamabad

US-Staatsbürgerschaft oder Tod am Strang? Das Schicksal von Shakil Afridi ist ungewiss. Der pakistanische Arzt half der CIA, Osama Bin Laden aufzuspüren. Nun möchten US-Politiker ihn einbürgern und ihm einen Orden verleihen - die Pakistaner wollen ihn wegen Landesverrats hinrichten.

Bin Ladens Versteck: Abriss der letzten Zufluchtsstätte Fotos
AP

Shakil Afridi hat alles verloren, was er besaß. Sicherheitskräfte haben seine Häuser abgeriegelt, die Konten sind eingefroren, seine Frau und die Kinder sind aus Angst um ihr Leben untergetaucht. Afridi selbst ist schon seit Ende Mai 2011 ein Gefangener. "Er steht unter Arrest", bestätigt der pakistanische Geheimdienst ISI.

Afridi, Amtsarzt in Abbottabad, ist der Mann, der im März und April 2011 eine Impfaktion im Stadtteil Bilal Town inszenierte, in dem die CIA Osama Bin Laden bereits seit dem Sommer des Vorjahres vermutete. In der Nacht auf den 2. Mai schlug ein Team der US-Elitetruppe Navy Seals zu und tötete Bin Laden. Die pakistanische Regierung fühlte sich bloßgestellt.

Die Aktion Afridis vor dem Schlag war als Kampagne gegen Kinderlähmung getarnt, eine Krankheit, die in Pakistan noch nicht ausgerottet ist. Damit die Sache nicht aufflog, wurden zuerst Kinder in ärmeren Vierteln geimpft, erst später kamen die Helfer in den relativ wohlhabenden Stadtteil, in dem Bin Laden lebte. Ziel war es, in dem Haus, in dem der Qaida-Chef vermutet wurde, gezielt DNA-Material sicherzustellen.

Da Regierung und Hilfsorganisationen in Pakistan häufiger kostenlose Impfungen durchführen, bot sich eine solche Tarnung aus Sicht der CIA geradezu an. Im Herbst 2010 war eine Schwester von Bin Laden in Boston gestorben. Ihr Erbgut sollte mit Proben von Kindern aus dem verdächtigen Haus verglichen werden, um festzustellen, ob dort tatsächlich die Familie Bin Laden lebt.

Einzige Hoffnung für den Mediziner sind die USA

Zwei Wochen nach der Tötung Bin Ladens verhafteten pakistanische Ermittler mehrere Männer, die die CIA mit Informationen versorgt hatten. Darunter auch Shakil Afridi.

Die einzige Hoffnung des Mediziners sind jetzt die USA. Seit seiner Festnahme setzt sich Washington für seine Freilassung ein. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, seine Bemühungen, Bin Laden zu finden, seien "genauso im Interesse Pakistans gewesen wie im Interesse Amerikas". Es gebe "keine Basis", Afridi festzuhalten. Damit reagierte sie auf eine Anfrage des republikanischen Kongressabgeordneten Dana Rohrabacher, der Afridi die US-Staatsbürgerschaft sowie die Goldmedaille des Kongresses verleihen möchte.

Doch die Beziehungen zwischen den USA und Pakistan sind seit Monaten angespannt. Rohrabacher verlangt von US-Präsident Barack Obama, sich persönlich für Afridi einzusetzen. Das Weiße Haus dürfe den Arzt in dieser schwierigen Situation nicht im Stich lassen. Afridi sei "einer der Pakistaner, die mit den USA kooperieren". Für seinen "mutigen Einsatz" müsse er eine angemessene Anerkennung erfahren, forderte Rohrabacher.

Pakistan lehnt eine Freilassung ab. Afridi soll vielmehr wegen Hochverrats angeklagt werden. Im Falle einer Verurteilung droht ihm die Todesstrafe. Auf mehreren anti-amerikanischen Kundgebungen im ganzen Land forderten Demonstranten seine Hinrichtung.

"Mit fremdem Geheimdienst kooperiert"

Rohrabacher will daher weitere finanzielle Hilfe für Pakistan vom Schicksal Afridis abhängig machen. Pakistans Führung zeige den USA, dass sie ein doppeltes Spiel spiele und daher die für das kommende Jahr geplante Hilfe über 2,2 Milliarden Dollar nicht verdiene. Kritiker in den USA, darunter auch Mitglieder der Regierung, verdächtigen Teile von Pakistans Armee und Geheimdienst, von Bin Ladens Aufenthaltsort gewusst zu haben.

"Shakil Afridi hat mit einem fremdem Geheimdienst kooperiert. Das ist gegen das Gesetz", sagt dagegen ein pakistanischer Parlamentarier. "Es muss sehr genau geprüft werden, inwiefern er den Interessen unseres Landes geschadet hat." Die parlamentarische Abbottabad-Kommission befürwortet eine härtere Gangart gegenüber Afridi.

Pakistanische Kommentatoren sind dagegen gespalten, wie Afridis Einsatz zu bewerten ist. Es sei nicht klar, was genau daran schlecht sei, dass Afridi geholfen habe, einen Top-Terroristen zu finden, der Tausende Menschenleben auf dem Gewissen habe, schreibt zum Beispiel "The News". Mehrere Urdu-sprachige Blätter bezeichnen den Arzt hingegen als Verräter.

Arbeit für Hilfsorganisationen erschwert

Bereits im vergangenen Sommer hatte Hillary Clinton Pakistans Präsidenten Asif Ali Zardari am Telefon um eine Freilassung Afridis gebeten. Der lehnte damals ab. Stattdessen setzte die Regierung Afridi auf eine Ausreiseverbotsliste, um zu verhindern, dass er sich ins Ausland absetzt.

Ende Januar forderte auch US-Verteidigungsminister Leon Panetta, bis Juni noch CIA-Chef, die Regierung in Islamabad per Fernsehinterview auf, Afridi zu entlassen. Die Arbeit des Arztes sei für den US-Geheimdienst "sehr hilfreich" gewesen. Afridis Mitarbeitern gelang es zwar, in das Haus von Bin Laden zu kommen. Ob sie dabei an verwertbares Material kamen, ist aber unklar.

Nach Auffliegen der als Impfung getarnten Aktion beschwerten sich mehrere ausländische Hilfsorganisationen, weil ihre Arbeit in den Verdacht geriet, in Wahrheit Spionagetätigkeit zu sein. Die Organisation "Save the Children" musste ihre Mitarbeiter aus dem Land abziehen, da Afridi sich zur Tarnung als deren Mitarbeiter ausgegeben haben soll. Ein Sprecher von "Save the Children" erklärte seinerzeit, mit der Impfaktion nichts zu tun zu haben.

Wie die CIA auf Afridi stieß, ist unbekannt. "Wir wissen, dass CIA-Kontaktleute mehrere Ärzte in der Region ansprachen", sagt ein pakistanischer Polizist in Abbottabad. "In Doktor Shakil fanden sie offensichtlich einen Mann, dem sie vertrauten. Was sie ihm für seine Leistung boten, ist mir nicht bekannt." Shakil wurde offensichtlich mit genügend Geld versorgt, um seinerseits Helfer zu engagieren, darunter Krankenschwestern, die von Haus zu Haus gehen sollten.

Von dem wahren Hintergrund erfuhren sie nichts. Trotzdem wurden vergangene Woche 17 von ihnen, die meisten davon Krankenschwestern, entlassen - wegen "Missachtung von Regeln". Sie hätten keine Genehmigung gehabt, für Afridi zu arbeiten, sagte ein Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde von Abbottabad.

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1. wo liegt das Problem?
johndo89 02.03.2012
ich verstehe nicht die Aufregung, er hat als Spion gearbeitet, und da kann er sich schon vorher ausrechnen, was ihn erwartet. Mit gefangen mit gehangen.
2. Hinrichtungen sind immer
sonnenthau 02.03.2012
Zitat von sysopUS-Staatsbürgerschaft oder Tod am Strang? Das Schicksal von Shakil Afridi ist ungewiss. Der pakistanische Arzt half der CIA, Osama Bin Laden aufzuspüren. Nun möchten US-Politiker ihn einbürgern und ihm einen Orden verleihen - die Pakistaner wollen ihn wegen Landesverrats hinrichten. Helfer*bei Bin-Laden-Jagd: Galgen oder Goldmedaille - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818635,00.html)
zu verurteilen. Aber wenn die USA tatsächlich das Wohl des pakistanischen Helfers im Sinn hätten dann würden sie nicht so offen Belohnungen für ihn fordern sondern leise und diskret handeln. Gegen so offen gezeigte amerikanische Bemühungen kann auch die pakistanische Regierung nicht gegen ihre eigenen Hardliner entscheiden. Er - der pakistanische Helfer (Spion, Agent, Held ... je nachdem) wird wohl 1 oder 2 Jahre Knast bekommen und dann abgeschoben werden. Und seien wir doch mal ehrlich ... er ist ein Spion und Verräter ... welcher Staat mag die schon ... wenn ich da an Assange denke ... gibt es da nicht auch amerikanische Stimmen die für den die Todesstrafe fordern .... oder Bradley Manning ...!? Also liebe USA - mal nicht so weit aufs Eis wagen ... das Eis ist dünn und könnte brechen ...
3.
alexbln 02.03.2012
Zitat von sysopUS-Staatsbürgerschaft oder Tod am Strang? Das Schicksal von Shakil Afridi ist ungewiss. Der pakistanische Arzt half der CIA, Osama Bin Laden aufzuspüren. Nun möchten US-Politiker ihn einbürgern und ihm einen Orden verleihen - die Pakistaner wollen ihn wegen Landesverrats hinrichten. Helfer*bei Bin-Laden-Jagd: Galgen oder Goldmedaille - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818635,00.html)
aha zusammenarbeit mit fremden geheimdiensten, wenn es den usa nützt- tapferkeitsmedaille. öffentlichmachen von kriegsverbechen über wikileaks-wie bradly manning - lebenslänglich.
4. Es geht nicht darum, ob es sich um
iskin 02.03.2012
Zitat von sysopUS-Staatsbürgerschaft oder Tod am Strang? Das Schicksal von Shakil Afridi ist ungewiss. Der pakistanische Arzt half der CIA, Osama Bin Laden aufzuspüren. Nun möchten US-Politiker ihn einbürgern und ihm einen Orden verleihen - die Pakistaner wollen ihn wegen Landesverrats hinrichten. Helfer*bei Bin-Laden-Jagd: Galgen oder Goldmedaille - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818635,00.html)
Bin Laden oder jemanden anders gehandelt hat: Dieser Mann hat mit einem ausländischen Geheimdienst zusammengearbeitet. Eindeutig ist das Hochverrat. Man muß sich die Situation einmal anders herum vorstellen: Ein US-Amerikaner arbeitet gegen die Amis, sagen wir mit dem FSB (russicher Geheimdienst). Was da los wäre.
5. Hilf
kosaptes 02.03.2012
Zitat von sysopUS-Staatsbürgerschaft oder Tod am Strang? Helfer*bei Bin-Laden-Jagd: Galgen oder Goldmedaille - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818635,00.html)
Hallo, wer könnte da noch glauben, das die Pakistaner wußten wo Bin Laden ist? Völlig abwegig der Gedanke. Da schickt man doch gerne weiterhin Millionen an Entwicklungs- und Katastrophenhilfe für so einen zuverlässigen Verbündeten.
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Fakten über Pakistan
Staatsgründung
REUTERS
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
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Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
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Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
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In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
REUTERS
1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.


SPIEGEL ONLINE

Fläche: 796.000 km²

Bevölkerung: 184,753 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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