Israel gegen Hamas Hilfsgruppen warnen vor Katastrophe in Gaza

Es gibt zu wenig Medikamente, zu wenig Wasser und Nahrung: Dutzende Hilfsgruppen warnen in einem gemeinsamen Appell vor einer humanitären Katastrophe im Gaza-Streifen und fordern einen Waffenstillstand. Davon sind die Konfliktparteien weit entfernt - Israel droht erneut mit einer Bodenoffensive.

Hilfsmittel-Ausgabe in Flüchtlingscamp in Gaza: Die Medikamente gehen aus
AP

Hilfsmittel-Ausgabe in Flüchtlingscamp in Gaza: Die Medikamente gehen aus


Berlin/Gaza - Dutzende Hilfsorganisationen appellieren an die internationale Gemeinschaft, Israel und die Hamas unter Druck zu setzen, die Kämpfe einzustellen. Sie warnen vor einer humanitären Katastrophe im Gaza-Streifen: "Wir müssen dringend einen Waffenstillstand durchsetzen", sagte Nishant Pandey von Oxfam.

Denn die Gefechte zwischen Israel und militanten Extremisten drohten die Lage der palästinensischen Zivilbevölkerung in Gaza nach mehr als fünf Jahren Blockade weiter zu verschlimmern. Lokale Partner und Krankenhäuser im Gaza-Streifen hätten gemeldet, dass bereits wichtige Medikamente und Utensilien ausgehen. In dem Gebiet leben den Angaben zufolge 1,6 Millionen Palästinenser, die Hälfte davon seien Kinder.

Insgesamt 38 Hilfsorganisationen schlagen angesichts der Lage im Nahen Osten Alarm, darunter Oxfam, Terre des Hommes Schweiz und Save the Children. Die israelische Regierung müsse dazu gedrängt werden, die Grenzübergänge zum Gaza-Streifen für humanitäre Hilfe offen zu lassen.

Besonders für Kinder sei die Lage im Gaza-Streifen "entsetzlich und extrem gefährlich" warnt Save the Children Deutschland. Die Versorgung mit Nahrung und sauberem Wasser sei im Moment nicht gesichert, sagte Geschäftsführerin Kathrin Wieland. Die Menschen seien wegen der Angriffe tagelang in ihren Wohnungen eingeschlossen und müssten mit Stromausfällen von bis zu 18 Stunden am Tag leben.

Die israelischen Offensive "Säule der Verteidigung" kostete bis Montag rund 90 Palästinensern das Leben. Etwa die Hälfte der Opfer sind nach Angaben der Behörden im Gaza-Streifen Zivilisten. Die israelische Luftwaffe attackierte nach palästinensischen Angaben am Montag ein Hochhaus in Gaza, in dem mehrere Medien ihre Büros haben. Das 14-stöckige Gebäude, in dem der Hamas-nahe Sender al-Aksa-TV sowie al-Arabija und der libanesische Sender MBC Büros hätten, sei mit Raketen angegriffen worden. Eine israelische Armeesprecherin sagte, man prüfe den Bericht.

Waffenpause in weiter Ferne

Von einer Waffenpause wollen weder Hamas noch Israel etwas wissen. Es sei nicht die Hamas, die nach einem Waffenstillstand rufe, sondern Israel, sagte ihr Anführer Chalid Maschaal bei einer von arabischen Fernsehsendern übertragenen Pressekonferenz in Kairo. Deshalb müsse Israel auch den Krieg beenden, den das Land begonnen habe.

Auch Israel gab sich unnachgiebig. Wenn eine Lösung am Verhandlungstisch der Bevölkerung in Süd-Israel den Frieden garantiere, sei eine Bodenoffensive unnötig, sagte ein Mitarbeiter von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber wenn die Diplomatie scheitert, gibt es wohl keine Alternative mehr zu einer Bodenoffensive."

Die diplomatischen Bemühungen zur Deeskalation der Lage liefen auch am Montag auf Hochtouren. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon wurde zu Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in Kairo erwartet. Er forderte beide Konfliktparteien auf, mit Ägypten als Vermittler zusammenzuarbeiten. In Kairo fanden nach Medienberichten in den vergangenen Tagen indirekte Gespräche zwischen der Hamas und Israel statt.

Merkel telefonierte mit Netanjahu und Mursi

Ägyptischen Angaben zufolge empfing Mursi in Kairo neben einem israelischen Vertreter auch Hamas-Chef Maschaal, sowie den Anführer der Gruppe Islamischer Dschihad, Abdallah Schallah. Die israelische Zeitung "Jediot Ahronot" sprach von einem "Wettlauf gegen die Zeit", derzeit entscheide sich, ob es zu einer militärischen Eskalation oder zu einem Waffenstillstandsabkommen kommen werde.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu wollte am Dienstag mit einer Delegation der Arabischen Liga in den Gaza-Streifen reisen, um den Palästinensern Solidarität und Unterstützung zu demonstrieren.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle reiste in den Nahen Osten. Er warnte vor seiner Abreise nach Israel vor einem "Flächenbrand" in der Region. "Die Lage ist außerordentlich ernst", sagte er in Brüssel. Alle Seiten müssten daher "mit Besonnenheit und Verhältnismäßigkeit handeln, um einen Waffenstillstand zu ermöglichen". Westerwelle wollte am Dienstag mit Netanjahu und Israels Präsident Schimon Peres zusammentreffen, danach wollte er in Ramallah im Westjordanland mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprechen.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe in Telefonaten mit Mursi und Netanjahu ihre Besorgnis über die aktuelle Entwicklung zum Ausdruck gebracht. Der fortwährende Beschuss Israels mit Raketen aus dem Gaza-Streifen sei "durch nichts zu rechtfertigen". Israel habe das Recht, seine Bevölkerung zu schützen.

als/dpa/Reuters

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insgesamt 99 Beiträge
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Seite 1
sprechweise 19.11.2012
1. Geisel
**Es sei nicht die Hamas, die nach einem Waffenstillstand rufe, sondern Israel, sagte ihr Anführer Chalid Maschaal bei einer von arabischen Fernsehsendern übertragenen Pressekonferenz in Kairo** Die Palästinenser als Geisel der Hamas
markus_wienken 19.11.2012
2. .
Zitat von sprechweise**Es sei nicht die Hamas, die nach einem Waffenstillstand rufe, sondern Israel, sagte ihr Anführer Chalid Maschaal bei einer von arabischen Fernsehsendern übertragenen Pressekonferenz in Kairo** Die Palästinenser als Geisel der Hamas
Nein, die Palestinänser sind keine Geiseln der Hamas, denn sie haben diesen "Terrorverein" gewählt.
cosmoschaos 19.11.2012
3. Angela MERKELs MEINUNG
Auch wenn man wie A M der Meinung ist, dass Israel der Angegriffene ist und nicht Angreifer, muesste eine ausgewogene Beurteilung zumindest auch auf die Angemessenheit der von Israel gewaehlten Verteidigung eingehen und diese beurteilen. Da dies nicht geschieht, kann man wohl davon ausgehen, dass Frau Merkels Meinung nicht unparteiisch ist. Schade, das vermehrt weiter erhebliche zweifel an ihrer Glaubwuerdigkeit und wird von Netanyahu und seiner Mannschaft natuerlich als Ermunterung aufgefasst, weiter anzugreifen. Ich finde, AM hat eine Chance vertan, sich als unparteiisch zu zeigen.
BettyB. 19.11.2012
4. Tja,...
Die Irren im Gaza-Streifen meinten, sie könnten die Israelis unbedenklich dauernd beschiessen. Aus der Traum, schade nur um die Palästinenser, die keine Terrorgewalt eingesetzt wissen wollten. Un die Hoffnung, dass die Irren sich nicht auch noch bestätigt fühlen in ihrer Terrorausübung ist leider unbegründet. Und so sterben wieder Unschuldige im Glauben, nur ihre offiziellen Gegner wären daran schuld...
skeptiker97 19.11.2012
5. Raketen?
Zitat von sysopAPEs gibt zu wenig Medikamente, zu wenig Wasser und Nahrung: Dutzende Hilfsgruppen warnen in einem gemeinsamen Appell vor einer humanitären Katastrophe im Gaza-Streifen und fordern einen Waffenstillstand. Davon sind die Konfliktparteien weit entfernt - Israel droht erneut mit einer Bodenoffensive. http://www.spiegel.de/politik/ausland/helfer-warnen-vor-katastrophe-im-gaza-streifen-a-868093.html
Raketen gegen die israelische Zivilbevölkerung sind aber genug da?
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